05.11.2012

Blogger und Beleidigungen, auch Amazon-Rezensionen

Gerade in letzter Zeit wieder spielen wohl einige Leute komplett irre. Kirsten Wendt ist aufs übelste beleidigt worden: ein Rezensent wirft ihr Abzocke und Betrug vor, weil sie Texte aus einem Buch schon einmal vorher veröffentlicht hat und diese immer noch, und zwar kostenlos, zu lesen sind. Erst als Wolfgang Weitzdörfer noch einmal deutlich gesagt hat, dass der Rezensent hier Kirsten eine Straftat unterstellt und das selbst eine Straftat wäre, hat der betreffende Rezensent dann seine Rezension abgemildert. Ich hatte ihm auf seine Rezension einen Kommentar geschrieben, halb wütend, aber auch halb belustigt, weil die Begründung in der Rezension nun wirklich dämlich war.

Lake Hermanstadt, alias Anubis, berichtet von ähnlichen Erfahrungen in seinem Artikel Das Ende der Buchblogs. Zu den Problemen, die Vanessa hat, habe ich mich bereits geäußert: Äußerst dumme Menschen. Muss ich an John Asht echt erinnern?
Ich glaube, dass es an der Zeit ist, dass die Blogger sich untereinander stärker vernetzen und mindestens seelische Unterstützung geben. Ich finde es großartig, wie viele Menschen zum Beispiel Vanessa Beistand angeboten haben. Genau dasselbe erlebt zurzeit Kirsten und das ist nur richtig so.

Mir wird übrigens vorgeworfen, ich würde Kirstens Bücher nur deshalb gut rezensieren, weil ich sie (also Kirsten) kennen würde. Aber daraus habe ich nie ein Geheimnis gemacht: ich kenne Kirsten. Wer meint, die Motive meiner Rezension überprüfen zu müssen, kann leicht nachgoogeln und feststellen, dass wir schon längere Zeit einen sehr guten Kontakt miteinander haben.
Was die Bücher von Kirsten angeht: es ist ja nicht meine Literatur. Meist lese ich andere Bücher. Aber sie sind witzig geschrieben. Warum sollte ich das nicht honorieren? Ich gebe auch anderen jungen Schriftstellern fünf Sterne, auch mal, wenn diese noch nicht so tolle Werke geschrieben haben, ich aber merke, dass grundsätzlich ein gutes Gespür für den Leser da ist und was man ihm anbietet. Und außerdem: weil ich es schon lange mal lesen wollte, habe ich mir am Freitag Bücher von Erma Bombeck aus der Bibliothek ausgeliehen. Sie hat mit Werken wie Nur der Pudding hört mein Seufzen und Wenn meine Welt voller Kirschen wäre, was tät ich mit den Kernen weltweite Bestseller gelandet. Ich kann das gar nicht nachvollziehen. Die Witze erscheinen mir nicht witzig, die Ironie herbeigequält und die Geschichten sind eindeutig zu lang und zu wenig rhetorisch ausgefeilt. Von der Vielfalt der Humortechniken ist Kirsten Wendt meiner Ansicht nach eindeutig besser und deshalb auch vergnüglicher. Mein großes Humorbuch ist übrigens, wer es wissen will, Prousts Auf der Suche nach der verlorenen Zeit. Ich darf hier unterstellen, dass das den meisten Menschen nicht einfallen würde.

Bloggen ist eine wunderbare Möglichkeit, unterhalb der offiziellen Kultur zu bleiben. Blogs bieten Vielfalt an, interessante Nischen, neue Einsichten. Es wäre schade, wenn das durch Schreihälse und halblegale Meinungen ausgedünnt würde.
Deshalb rufe ich jeden Leser auf: mischt euch ein! Unterstützt die Blogger! Natürlich nur so lange, solange sich der Blog im demokratischen Rahmen bewegt. Unterstützt auch die Kindle-Autoren, vor allem die unbekannten. Ich habe zum Beispiel Liz Ambros Buch Allgäugewitter rezensiert. Das wäre nie ein Buch gewesen, dass ich mir einfach so gekauft hätte. Auf die Autorin bin ich über eine Freundin aufmerksam geworden, die mir gerade vorletzte Woche über das Mobbing erzählt hat, welches gegen diese Autorin auf Facebook stattfindet. Darum habe ich mich aber gar nicht gekümmert. Ich habe mir einfach nur angesehen, dass irgend ein anderer Rezensent dieses Werk mit einen einzigen Stern beurteilt hat. Die Beurteilung ist schon sehr hart. Ich kann sie in gewisser Weise nachvollziehen, weil die Komposition des Buches deutlich komplexer ist als bei vielen anderen Kriminalromanen. Oftmals sind die Leser mit solchen komplexen Geschichten eigentlich nicht überfordert, wenn sie es erwarten. Und das Problem ist einfach, dass die Erwartungshaltung nicht erfüllt wird und dann das Buch enttäuscht. Was allerdings eigentlich gar nicht das Problem des Buches ist.
Jedenfalls habe ich das Buch durchgelesen. Es hat mich nun nicht vom Hocker gerissen, obwohl ich die Komposition mutig finde und auch insgesamt gelungen. Und stehe selbstverständlich dazu, das vier Sterne in gewisser Weise freundlich, aber durchaus für mich vertretbar sind.
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