03.07.2007

Liebe JaelleKatz!

Es ist zwar schon etwas länger her, als du in einem Kommentar über die Zeichen geschrieben hast, aber ich habe einige Zeit gebraucht, um mich hier für eine Antwort frei zu fühlen. Ich werde hier und da zeigen, warum.
Du hast also geschrieben:

Das Sinnbild oder die Metapher oder das Zeichen setzt sich zusammen aus dem Signifikat (dem Bezeichneten) und dem Signifikant (dem Bezeichnenden). Beides zusammen, Signifikat und Signifikant, bilden eine außersprachliche Realität. Das Zeichen selbst ist Realität, das gesprochene Wort ist eine soziale Realität. Das Kind kommt in die menschliche Realität hinein, indem es einen Bezug zu den Zeichen gewinnt. Wenn die sinnliche Erfahrung zu einem Zeichen wird, dann schafft die materielle Befriedigung nicht mehr die volle Befriedigung, es fehlt etwas. Aus diesem Fehlen entsteht eine Erwartungs- und Sehnsuchtshaltung, welche nicht vollständig in der Sprache faßbar wird. Einverstanden?

Einverstanden, fragst du mich.
Nein, keineswegs. Allerdings kommen hier so viele Sachen zusammen, dass ich ein wenig weiter ausholen muss.

  1. Sinnbild, Metapher und Zeichen darf man keinesfalls gleichsetzen.
  2. Auch Zeichen sind nicht einheitlich. Was heute üblicherweise als Zeichen bezeichnet wird, ist das linguistische Symbol - und dieses linguistische Symbol ist nicht zu verwechseln mit literaturwissenschaftlichen Symbolen oder mit psychoanalytischen Symbolen; wobei es hier wieder darauf ankommt, von welcher Literaturwissenschaft und welcher Psychoanalyse man ausgeht. Es ist also vorerst ein recht verworrener Begriff.
  3. Metaphern sind in den letzten dreißig Jahren stark diskutiert worden. Es gibt zahlreiche Aufsatzsammlungen mit teilweise recht widersprüchlichen Ergebnissen. Welcher man davon stattgeben will, ist fast schon eine Glaubensfrage.
  4. Sinnbild ist sowieso ein recht seltsamer Begriff.
Da ich Alice sowieso versprochen hatte, meine kleinen semiotischen Forschungen über Kriminalroman und Thriller zu etwas Geordnetem zusammenzustellen, ich aber gerade mehr bei einer fragmentarischen Schreibweise bin, kommt hier demnächst also ein kleines Sammelsurium an Betrachtungen zu dem ganzen Thema.
Kommentar veröffentlichen