08.03.2015

Und was sonst noch so passiert: queere Muslime, Frauenquote, Staatspropaganda

Das eine und das andere: Leser meines Blogs wissen, dass ich der "homosexuellen Bewegung" mit einer gewissen Zwiespältigkeit gegenüber stehe: gut finde ich, dass sowohl die Eintönigkeit des feindlichen Islams durch eine Ausstellung aufgebrochen wird, die Homosexuelle in der islamischen Kultur zeigt: Queere Muslime. Völlig entnervt war ich allerdings wieder einmal darüber, was einem auf der Seite als "Hauptthemen" und "Hauptinteressen" angeboten werden. Man fühlt sich zum Zuschauer von Interessen gemacht, die so eindeutig eben nicht in die Öffentlichkeit gehören.

Keinesfalls ist die Frauenquote ein Erfolg. Hier wird an elitärster Stelle zugetüncht, was in der breiten Bevölkerung noch allzusehr im Argen liegt. Im Argen liegt zum Beispiel, dass der deutsche Gebrauch des Wortes gender immer noch für Frauen, Homosexuelle, etc. in Beschlag genommen wird, nicht aber für Männer. (Über die herrschenden Frauenbilder müssen wir uns schon gar keine Sorgen machen: die werden von einer stelzbeinigen Heidi Klum und einem krittelnden Guido Maria Kretschmer bedient.)
Es gibt keine hegemoniale Männlichkeit. Dies war, ist und bleibt ein Mythos einer gewissen feministischen Strömung. Immer hat es zwar vorherrschende Männerbilder gegeben, aber diese passten und passen zu den meisten Männern eben nicht. Und wie die einzelnen Männer den Umgang zu den ihnen bekannten Frauen gestalten, lässt sich wohl kaum mit einem einzelnen Begriff belegen. Wir finden darin den Mythos der Einheit, basierend auf dem Prinzip der Extrapolation, also eben all jene Mechanismen, die der Feminismus (durchaus sehr großartig) in der Kultur mit Blick auf die Frau analysiert hat.
Vor allem machen es sich manche Frauen auch bequem, wenn sie statt Kritik am realen Mann zu üben, immer wieder auf dem gleichen, zum Teil längst nicht mehr stimmigen Männerbild herumhauen. Das hat dann nichts mehr mit Analyse zu tun, sondern nur noch mit ideologischer Bequemlichkeit.

Und da wir gerade bei Staatspropaganda sind.
Weitet man die Hegemonie aus, dann entsteht gelegentlich Staatspropaganda. Putin ist so ein Fall. Auf einer Pressekonferenz erklärte er kurzerhand, der Westen habe Schuld an der Wirtschaftskrise. Und auch wenn man nun eigentlich Marx nicht loben sollte (obwohl seine Leistungen historisch zu würdigen sind: sein Radikalismus hat viele altehrwürdige, aber eben doch falsche Glaubenssätze weggefegt), ein wenig mehr marxistische Eingabe dürfte man dann dem russischen Staatsüberhaupt doch wünschen.
Zur Ideologie schreibt Hannah Arendt:
Die Ideologie, die die Tatsachen in ihrer faktischen Widersprüchlichkeit der fiktiven Widerspruchslosigkeit opfert, bietet sich als Weltersatz an. Ihre große Anziehungskraft insbesondere auf moderne Menschen liegt in ihrer Loslösung von Wirklichkeit und Erfahrung begründet. Denn je weniger Menschen »in dieser Welt noch wirklich zu Hause sein können, desto geneigter werden sie sich zeigen, sich in ein Narrenparadies oder einen Narrenhölle abkommandieren zu lassen, in der alles gekannt, erklärt und von übermenschlichen Gesetzen im vorhinein bestimmt ist.
Arendt, Hannah: Elemente und Ursprünge totaler Herrschaft, 723 f.
 Mit anderen Worten: Putin leidet am Prinzessinnen-Syndrom und ein ganzes Volk mit ihm.
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