24.06.2012

Zwischenbericht aus dem privaten Leben

Cedric
Cedric ist da. Wie immer besetzt er meinen Computer, wenn er da ist (da mein Computer grafikstark ist, macht ihm das "Daddeln" darauf sehr viel Spaß). Er ist letzten Sonntag von einem zweimonatigen Aufenthalt aus Frankreich zurückgekommen, der ihn nicht so begeistert hat. Allerdings war er auch nicht unzufrieden. Montag waren wir im Block House Steaks essen. Mittwoch auf Donnerstag war er wiederum bei mir. Ich habe Dampfnudeln gemacht. Ich fand sie sehr lecker, Cedric war nicht so begeistert. Heute gab es Gulasch.
Zur Zeit liest er den neunten Band von "A Game of Thrones". Bewundernswert finde ich, wie kritisch (aber auch hartnäckig) er diese Fantasy-Saga begleitet.
Schön finde ich auch seinen noch sehr jungenhaften Charme und seine zurückhaltende Ironie. Er ist noch nicht gebildet genug, um seiner Ironie eine gesellschaftskritische Schärfe zu geben, aber da er dies auch irgendwie spürt, erscheint er nicht als arrogant. Was ihn zu einem sehr sympathischen Gesprächspartner macht.
(Das sind natürlich auch die Vaterfreuden, die man sich so gönnt.)

Lesen
Die letzten Tagen habe ich ein paar liebgewonnene Texte wiedergelesen, allen voran das Buch Entstellte Ähnlichkeit von Sigrid Weigel. Außerdem habe ich mir die Mühe gemacht, die Zitate aus diesem Buch in meinem Zettelkasten mit Seitenzahlen zu versehen.
Gelesen und halbwegs durchkommentiert habe ich auch Friedhelm Schwarz Muster im Kopf. Warum wir denken, was wir denken. Dabei handelt es sich um einen recht missglückten Versuch, die Neurophysiologie philosophisch zu wenden. Manche Behauptungen sind einfach hahnebüchen, so, dass man früher von drei Lebensabschnitten im Leben der Menschen sprechen konnte, während es heute fünf seien. Erikson ist in den 40er Jahren schon differenzierter und begründeter gewesen.
Gelesen habe ich natürlich auch Walter Benjamin und, wie ihr an den letzten Artikeln in meinem Blog sehen könnt, Adorno. Besonders bei Benjamin hat mich der Abschnitt über die Bohème in seiner Baudelaire-Schrift beschäftigt und Ich packe meine Bibliothek aus. Wer den Abschnitt über die Bohème kennt, wird sich nicht wundern, dass ich in den 18. Brumaire von Marx hineingeschaut habe, den ich nach wie vor für einen der wunderbarsten Texte von Marx und einen der ganz großen Texte der deutschen Philosophie halte. Den Unkenrufen unbelesener Neoliberaler zum Trotz.
Schließlich habe ich eine Monografie über Nietzsche gelesen (rororo). Ein nettes, aber insgesamt unbedeutendes Bändchen. Der Anspruch des Buches, dass sich Werk und Leben Nietzsches gegenseitig erhellen könnten, wird nicht erfüllt. Man kann nur sagen: was für ein Glück. Denn das Leben hat noch nie als Schablone für ein Werk getaugt. 

Schreiben
Meinem Lesepensum entsprechend habe ich zu sehr unterschiedlichen Themen geschrieben. Bei Benjamin und Adorno verfolge ich den Begriff der Ähnlichkeit und der Mimesis. In Adornos Texten bin ich, neben den zahlreichen (grammatischen) Rückbezügen und Vorgriffen, auf recht eigenartige Ellipsen gestoßen, die mir vorher garnicht so aufgefallen sind. Adorno scheint mit diesen Ellipsen zu spielen, indem er den (philosophisch vorgeprägten) Leser diese ergänzen lässt, selbst aber nicht davon redet, so dass sich hier über Anspielung und Konnotation eine Art verschwiegener Melodie ergibt, die den "offiziellen" Text begleitet. - Das ist übrigens wie bei Deleuze, den man dann am besten versteht, wenn man die Originale gut kennt, auf die er sich bezieht. Bei Deleuze habe ich viel zu lange gewartet, bis ich Spinoza und Bergson gelesen habe. Während meines Studiums habe ich vor allem Freud und Marx mit ihm in Bezug gesetzt. Auch Kant, der Deleuze sehr geprägt hat, kannte ich während meines Studiums nur wenig.
Vorzugsweise habe ich wieder Kommentare geschrieben. Diese ufern, wie bei mir üblich, in alle Richtungen aus. Nach und nach erobere ich mir das recht freie Spiel mit Texten wieder zurück, eine meiner Stärken während meiner Studienzeit. Das ist zugleich glücklich und, rückblickend auf die letzten fünfzehn Jahre, auch etwas bedauerlich. Ich habe mich zu sehr mit biederen, kleinkarierten Menschen verbunden, denen der Status wichtiger ist als die Revolution des Sinns.
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