11.07.2014

Umbauten

In den letzten Wochen hatte ich immer wieder Muskelkater. Das ist wohl meiner neuen Arbeitsstelle geschuldet. Nachdem ich letztes Jahr durch eine Knieverletzung drei Monate kaum laufen konnte, dann den Winter über ziemlich viel Arbeit am Schreibtisch hatte und mich im Frühjahr sehr um eine feste Arbeit bemüht habe, hatte ich nicht viel Gelegenheit, Sport zu treiben. Im Moment hole ich es wohl nach.

Derzeit lese ich sehr sprunghaft und kommentiere nur nach Lust und Laune. Immer wieder taucht die Erzählperspektive als Thema auf. Wobei ich mich nicht nur um die Erzählperspektive kümmere, sondern ebenso die Erzählsituation und den Erzählertyp in den Blick nehme.
Mittlerweile habe ich auch einiges an Literatur dazu zusammengetragen. Ein fixer Punkt dieser Auseinandersetzung ist das Werk von Haruki Murakami, insbesondere Mr. Aufziehvogel. Mehr und mehr bin ich davon überzeugt, dass die Erzählperspektive/Erzählsituation nicht nur im Nacheinander wechselt, sondern sich auch in Schichten überlagert. Diese Überlagerung funktioniert allerdings nur dann, wenn man bestimmte Elemente dieser Erzählsituation erst im Lesen entstehen lässt. Stanzel schreibt in gewisser Weise eine Theorie der Rezeption, ohne den Akt des Lesens zu berücksichtigen. Insofern ist seine Einteilung auch starr und undynamisch. Dies erklärt unter Umständen auch, warum so viele Menschen mit diesen Erzählsituationen Probleme haben. Sie sind auf der Suche nach dieser einen Erzählsituation, die für den gesamten Roman gilt.
Es macht aber z.B. einen Unterschied, ob ich einen Roman als ironisch oder als ernst gemeint lese. Manche Romane brauchen beides. Dazu gehört meiner Ansicht nach Oliver Twist von Charles Dickens. Ebenso verändert sich die Erzählsituation, wenn ich einen Roman als moralisch-philosophisch oder als klanglich-ästhetisch lese, wie mir dies bei Lautreamonts Die Gesänge des Maldoror immer wieder passiert.

Dies jedenfalls spukt mir alles im Kopf herum. Gerade in den letzten drei Jahren hatte ich doch herzlich wenig Zeit, meinen eigenen Themen zu folgen. Im Moment bricht sich das alles Bahn und kommt mit gewissen Turbulenzen zum Vorschein.
Jedenfalls baut sich mein Leben im Moment komplett um. Ich beobachte das ganze mit einiger Spannung.
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