12.08.2012

Maslow und die Bedürfnisse

Vor einigen Tagen meldete sich bei mir eine Studentin, die einige Fragen zu Maslowschen Bedürfnispyramide hatte. Es waren die nämlichen Probleme, die ich selbst mit diesem Modell habe: so sind zum Beispiel die physiologischen Bedürfnisse deutlich anders biologisch verankert als die Bedürfnisse nach Wertschätzung (vierte Stufe) oder Selbstverwirklichung (fünfte Stufe).
Bei der Bedürfnispyramide gibt es allerdings auch noch (wie ich finde) einen großen Diskussionsbedarf, was die kulturellen Bedingungen angeht. Denn unsere Kultur fördert bestimmte Werte und schließt andere aus, bzw. macht sie unwahrscheinlich. So prägen die kulturellen Umfelder auch die konkrete Ausgestaltung unserer Bedürfnisse. Es ist für uns auch heute kaum ein Problem, uns mit Nahrung zu versorgen und insofern wird das physiologische Bedürfnis nach Nahrung nur am Rande wahrgenommen. Auffällig wird dieses Bedürfnis erst, wenn es zu Störungen in der Kultur kommt: so hatte ich einmal einen Schüler, der zuhause kein Frühstück bekam und deshalb im Unterricht nur zappelte und kaum Aufmerksamkeit aufbringen konnte. Deshalb habe ich dem Jungen immer beschmierte Brote mitgebracht.
Anders formuliert: es mag ja sein, dass die Bedürfnispyramide ganz gut einen bestimmten Standard in unserer westlichen Kultur beschreibt. Aber sie kann zum Beispiel die Bedürfnisse von verwahrlosten Jugendlichen, neurotischen Personen oder Menschen aus fremden Kulturen nur sehr bedingt erfassen.
Insofern diese Bedürfnispyramide für mich auch nur ein Modell, um mich daran kritisch abzuarbeiten. Die Wirklichkeit bildet sie nicht ab.
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