25.10.2010

Semantische Klassen

Ab und zu komme ich auf meinen sehr geschätzten Peter von Polenz zurück, bzw. auf sein Buch Deutsche Satzsemantik. Darin befindet sich eine Kategorisierung semantischen Klassen/Verknüpfungen in komplexen Satzstrukturen (Seite 268-287).
Mit diesen hüpfe ich gerade zwischen Aebli (Zwölf Grundformen des Denkens), Wilks (Verlockende Gefahr) und einigen weiteren Autoren hin und her. Rousseaus Emile gehört dazu, allerdings nur eine ganz kurze Passage über die Aufmerksamkeit von Säuglingen, und einiges aus den Tagebüchern von Anais Nin. Jonathan Cullers Dekonstruktion habe ich zumindest stellenweise gelesen, aber noch nicht genau durchkommentiert, und einen Aufsatz von Michel Foucault (Ein Spiel um die Psychoanalyse). 

Die Vorlesungen von Michel Foucault

Gerade Michel Foucault erscheint mir als ein besonders fruchtbarer Autor für eine Analyse anhand semantischen Klassen. Anders als Hans Aebli zersplittert er die Begriffe, löst sie in Argumentationen auf und erweitert oder verengt ihren Geltungsbereich. Im Gegensatz zu Foucault wirkt Aebli von seinen Argumentationen monoton. Ähnlich wie Foucault kann man die Vorlesungen von Sigmund Freud als von den semantischen Verknüpfungen her reich bezeichnen.
Das liegt unter anderem daran, dass Foucault und Freud viel "dialogischer" schreiben, und dadurch ein sehr viel stärkeres Spiel von Argumenten aus verschiedenen Blickwinkeln entfalten. 

Dialoge schreiben

Dialoge sind für viele Autoren das Eichmaß ihrer Qualität. Und, so kann ich dazusetzen, obwohl ich selbst mittlerweile ganz schöne Dialoge zustande bringe, so fällt es mir doch schwer, zu vermitteln, wie ich das tue. Für meine Kunden habe ich zwar einen ganz gutes Schema, das sich an Konflikten entlanghangelt (und dass ich witzigerweise aus einem Schema zur Lösung von Bürgerkriegskonflikten der UNO abgeleitet habe), aber mir war bis jetzt immer noch nicht so ganz klar, wo dann trotzdem die Qualitätsunterschiede in Dialogen herstammen.
Die letzten Stunden habe ich damit verbracht, explizite und implizite Propositionen in dem oben genannten Roman von Wilks zu analysieren, und hier die verschiedenen semantischen Verknüpfungen zu identifizieren. Dabei zeigt sich, dass die (sehr schönen) Dialoge bei Wilks recht komplex verknüpft sind, und dadurch (vermutlich) ihre Dramatik erhalten.
Übrigens wirkt diese Herangehensweise, die ich pflege, nämlich die analytische, auch eine Gefahr: mit der Dramatik ist es wie mit dem Witz. Versucht man, diese zu erklären, verschwindet sie. Nichtsdestotrotz: in den nächsten Tagen werde ich wohl einige konkretere Fragmente dazu veröffentlichen.
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