13.01.2013

Elbphilharmonie und Leseförderung, Kultur und Unkultur

Die Elbphilharmonie ist ein Prestige-Objekt. Man fragt sich, für wen. Und nein, ich meine gerade nicht die Politiker, die sich mit ihrer wüsten Fehlkalkulation lächerlich machen. Ich frage, für wen das hinterher ein Prestigeobjekt sein wird und zwar eins, das nützlich ist. Für die Touristen? Jedenfalls nicht für die Unterschicht. Nicht für die "bildungsfernen" Schichten. 560 Millionen Euro kostet dieses Gebäude. Mittlerweile. Davon hätte man die öffentlichen Bibliotheken mal ordentlich mit aktueller Literatur aufstocken können. Lesegruppen einrichten können (1-Euro-Jobs, damit's von Herzen kommt). Prestigekultur ist zwar teuer und wahnsinnig wichtig, aber nicht für den kleinen Mann oder das Kind des kleinen Mannes (respektive der kleinen Frau), die sich eine Eintrittskarte sowieso nicht leisten können und sich für diese Kultur auch nicht interessieren. (Ist eigentlich schon mal eine Jazzkneipe als Prestigeobjekt vom Staat finanziert worden? Ich glaube nicht. Das ist wohl zu billig.)
Da sind dann 20.000 Euro für neue Kinderbücher schon mal eine großzügige Spende vom Senat. Und schauen wir uns das einfach mal rein optisch an:
20.000
560.000.000
Da ist die zweite Zahl irgendwie etwas länger. Und, so möchte man sagen, auch penisförmiger.

Neulich war ich in der Oper, Barbier von Sevilla, und mitten in der Musik fangen die Leute an zu klatschen. Das ist nämlich Prestigekultur: wenn man das Opernhaus mit dem Bierzelt verwechselt.
Nee, nee. Bevor ich mir diese scheinheilige Hochkultur antue, dann doch lieber eine ehrliche, schlechte und ein bisschen dreckige "Un"-Kultur. Und lieber ein paar mehr Patterson & Findus-Bücher für die lokale Bibliothek oder, wer Zeit hat, eine Lesegruppe für Kinder. Lieber sollen die Kinder wieder alle den Hotzenplotz oder den Jim Knopf kennen, statt dass die Besserverdienenden voreinander herumstolzieren.

Mein kleines Projekt zur folkloristischen Literatur, eigentlich ein Herumdenken an Bachtins Rabelais, liegt auf Eis. Daran müsste ich eigentlich weiterarbeiten. Um die Kritik an den Kindle-Autoren etwas handfester, etwas realistischer werden zu lassen und ihren sozialen Nutzen auszuloten.
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