14.01.2013

Christine Nöstlinger: Rosalinde hat Gedanken im Kopf

Jennifer Jäger hat auf ihrem Blog Zwischengedanken eine Liste mit den 100 "beliebtesten" Büchern der ZDF(?)-LeserInnen veröffentlicht und dort markiert, welche Bücher sie bereits gelesen hat. Natürlich sind solche Listen absoluter Unfug. Auch Listen mit den 50 größten Romanen des 20. Jahrhunderts (es gibt da sogar Bücher): reiner Blödsinn. Jennifer schreibt das ebenfalls, was sie sympathisch macht.
Aber gäbe es hundert Bücher, die ich empfehlen würde? Ich erstelle gerade eine Liste und komme ins Schwitzen. Ich möchte keinen Autoren doppelt in der Liste haben und nur deutsche SchriftstellerInnen.

Nun habe ich auch einige Kinderbücher in meiner Liste, den Hotzenplotz und natürlich Nöstlingers Rosalinde hat Gedanken im Kopf, eines ihrer bezauberndsten Werke, wie ich finde. Zum Glück sind Nöstlingers Werke immer noch Klassiker. Doch gerade dieses mein Lieblingsbuch von ihr ist zur Zeit vergriffen.
Warum liebe ich dieses Buch?
Es ist witzig. Es ist eine der schönsten Einführungen in die Ideenwelt des radikalen Konstruktivismus (sic!), die ich kenne, trotzdem ein Kinderbuch. Und: ich bin, als mein Sohn vier Jahre alt war, mit ihm im Zug nach Hannover und habe ihm dieses Buch vorgelesen. Und nach und nach scharrte sich das halbe Abteil um uns und hat uns zugehört und alle waren ganz ergriffen von diesen kleinen, wunderschönen Geschichten. Schließlich: ich besitze es nicht mehr, weil irgendjemand dieses Buch immer mitnimmt und dann nicht mehr zurückgibt. Ich habe es bereits gefühlte dreißig mal nachgekauft. Es kostet ja auch nur vier Euro, wenn es das noch zu kaufen gäbe.

Und warum liebe ich Christine Nöstlinger?
Ihre Protagonisten leben in angepassten ("bürgerlichen") Welten. Aber irgendwie interessieren sich die Protagonisten nicht für die Anpassungen. Sie treffen sich lieber mit Pinguinen und reisenden Hunden, verprügeln ältere Jungs, probieren Küsse und Marmelade, spielen Detektiv und Ritter. Anpassung gibt es, aber anderswo. Man selbst hat andere Ideen, die einen antreiben. So einfach ist das.
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