05.03.2012

Schiller und Adorno; Wut

Am Samstag war ich, nach einem etwas längeren Arbeitstag am Computer, spazieren. Wohin lenken mich meine Schritte? In den einzigen Buchladen, der nach 19:00 Uhr in Berlin noch offen ist: Dussmann. Und verlasse den Laden natürlich mit einigen Büchern, diesmal ausschließlich Adorno, seinen Kierkegaard, Minima Moralia und die beiden Bände zu Kulturkritik und Gesellschaft (in denen Prismen, Ohne Leitbild, Eingriffe und Stichworte enthalten sind).

In der Minima Moralia habe ich folgendes gefunden:
Der sprachliche Habitus Schillers gemahnt an den jungen Mann, der von unten kommt und, befangen, in guter Gesellschaft zu schreien anfängt, um sich vernehmlich zu machen: power und patzig. Die deutsche Tirade und Sentenz ist den Franzosen nachgeahmt, aber am Stammtisch eingeübt.
(Seite 99)
Im übrigen habe ich die Bücher jetzt so ziemlich durchgelesen. Durchgelesen durchaus in einem "schlechten" Sinne, nämlich noch nicht genug darüber nachgedacht. Wird aber auch niemand von mir verlangen: Nicht nach zwei Tagen.

Die Dialektik der Aufklärung, die ich schon seit Ewigkeiten besitze, habe ich auch wieder gelesen. Ein schönes Buch, nicht einfach. Mit dem ich mich lange nicht beschäftigt habe: ich erinnere mich an die ganz üble "Arbeitsgruppe", mit der ich dieses Buch gelesen habe und die sich keineswegs mit dem Text auseinandergesetzt haben, geschweige mit der Logik, die hinter Adornos Gedankengängen zu finden ist. Heraus kamen mehrere unfruchtbare Sitzungen, Beleidigungen, arrogantes Gebaren und für mich eigentlich nur die Bestätigung, das so genannte gesellschaftskritische Menschen mit äußerster Vorsicht zu genießen sind. Ihr Besserwissen gerät doch allzu leicht zum Gesinnungsterror, vor allem, wenn es eigentlich ein Schlechterwissen ist.
Das habe ich erst später herausgefunden, als ich mich intensiv mit der Negativen Dialektik und der Ästhetischen Theorie beschäftigt habe, vor allem aber mit dem schönen Buch Die Souveränität der Kunst von Christoph Menke (Frankfurt am Main 1991).

Zur Zeit folge ich den verschiedenen Varianten der Begriffe ›Wut‹ und ›Zorn‹ im Werk Adornos. Vor allem die Wut ist im Spätwerk ein zwar selten zu findender, aber wichtiger Begriff. Ebenso aber auch der Hass. — Aber hier bin ich noch am Sammeln und am Systematisieren, kann also noch nicht sonderlich viel dazu sagen.
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