01.10.2007
Ich bin nicht verantwortlich
19.08.2007
Mann erzählt Blondinenwitz - leider schriftlich
Talkshow für Blondienen. Die Kanidaten und das Publikum bestehen nur aus Blondienen. Der Moderator fragt die Kanidatin: "Ok, nun zur ersten frage: Was ist 3 mal 3?"
Die Blondiene: "Ähm...15?"
Der Moderator: "Nein, knap vorbei!"
Das Publimum: "Gib ihr noch ne Chance! Gib ihr noch ne Chance!"
Der Moderator: Ok Ok, also nochmal: Was ist 3 mal 3?"
Die Blondiene: "Ähm..12?"
Der Moderator: "Schade, schon wieder falsch!"
Das Publimum: "Gib ihr noch ne Chance! Gib ihr noch ne Chance!"
Der Moderator: Ok, aber die letzte chance. Also, was ist 3 mal 3?"
Die Blondiene: "Ähm...9?"
Und dann das Publikum: "Gib ihr noch ne Chance! Gib ihr noch ne Chance!"
Emotionale Intelligenz
12.08.2007
Ins Labyrinthische, oder: "Der Tod wird euch finden"
So wundervoll beginnt Nils Minkmar seine Rezension zu Lawrence Wrights Buch "Der Tod wird euch finden".„Die Dinge werden gefährlich, wenn sie einfach scheinen“, hat Lawrence Wright in einem Interview erklärt und damit seine verblüffende Auffassung der Arbeit eines Reporters und Sachbuchautors offenbart: Es geht ihm nicht darum, die Leser sicher durchs Dickicht der Fakten, Thesen und Personen hindurchzuführen, sondern sie dessen verwirrende Opulenz erkennen zu lassen; nicht darum, Orientierung zu bieten, sondern vielmehr den Sinn des Publikums für das Labyrinthische der Gegenwart zu wecken; nicht bloß darum, zu erzählen, sondern zu fesseln und zu bannen, und in diesem konkreten Fall heißt das: das düstere, bizarre Leben von fünf oder sechs sehr unsympathischen Männern über mehrere Jahrzehnte so zu schildern, dass man das Buch nicht einen Moment weglegen möchte, bis zu jenem New Yorker Vormittag, an dem die Lebenslinien unserer Zeitgenossen zusammentreffen, dem des 11. September 2001.
Michel Foucault und Roland Barthes zum Terror
JEAN-FRANCOIS: Und die Drogen?
SERGE: Das ist kein Phänomen für sich. Für die Schüler, die sie nehmen, bedeuten sie einen totalen Verzicht auf Karriere. Die politisierten Schüler setzen ihre Studien fort; diejenigen, die Drogen nehmen, steigen völlig aus.
FOUCAULT: Der Kampf gegen die Drogen ist ein Vorwand zur Verstärkung der gesellschaftlichen Repression: Streifzüge der Polizei - aber auch zur Verherrlichung des normalen, rationalen, bewussten und angepassten Menschen. Man findet dieses Markenbild auf allen Ebenen: Schauen Sie sich die Schlagzeile des heutigen France-Soir an: 53% der Franzosen für die Todesstrafe. Vor einem Monat waren es nur 38%.
JEAN-FRANCOIS: Die ist vielleicht auch eine Folge der Gefängnisrevolte von Clairvaux?
FOUCAULT: Selbstverständlich. Man spielt den Terror des Verbrechers, die Drohung des Monsters aus, um jene Ideologie von Gut und Böse, von Erlaubt und Verboten, zu stärken, welche die Schule heute nicht mehr so unverblümt zu vertreten wagt wie früher. Was der Philosophieprofessor in seinem komplizierten Vokabular nicht mehr zu sagen wagt, wird vom Journalisten ohne Vorbehalt proklamiert. Vielleicht sagen Sie: das ist immer so gewesen, die Journalisten und die Professoren hatten immer dasselbe zu sagen. Aber heute werden die Journalisten angehalten, gestoßen, gezwungen, es eindringlicher zu sagen, als es den Professoren noch möglich ist. Eine kleine Geschichte: die Ereignisse von Clairvaux führten zu einer Woche der Rache in den anderen Gefängnissen. Da und dort haben die Wärter die Gefangenen tätlich angegriffen, vor allem im Jugendgefängnis von Fleury-Mérogis. Die Mutter eines Gefangenen ist zu uns gekommen. Ich war mit ihr bei Radio Luxemburg, um ihren Bericht verbreiten zu helfen. Ein Journalist hat uns empfangen und gesagt: »Wissen Sie, das erstaunt mich nicht, denn die Wärter sind fast ebenso degeneriert wie die Gefangenen.« Wenn ein Professor an einer Schule so spräche, würde er einen kleinen Aufstand provozieren und eine Ohrfeige einstecken.Gespräch zwischen Studenten und Michel Foucault, aus: Foucault, Michel: Von der Subversion des Wissens, Frankfurt a. M. 1996
Kritik entsteht zunächst aus der Trennung von Beschreiben und Bewerten: wie funktioniert etwas? unter welchen Bedingungen funktioniert etwas?, dies sind die Fragen, die man sich zuerst zu stellen hat. "Schlecht" - das ist der Ausdruck einer Bewertung; "trotz allem" - das wirft der Wissenschaftler dem voreiligen Kritiker entgegen: sie ist trotz allem eine Schrift, will sagen: auch wenn sie schlecht ist, muss man sie beschreiben.Die Modeliteratur ist eine schlechte Literatur, aber sie ist trotz allem eine Schrift. (ÜSM, 54)
So dann aber nehmen die Beschuldigungen Picards etwas Verbissenes und beinahe Obsessionelles an. Seine Kritik gibt sich »terroristisch«, verbal und beruht auf Adjektiven wie »aberwitzig«, was mich kaum interessiert.
[...]
Und der Vorwurf bezüglich der »Solidarität«, was halten Sie davon?
Nach Picard beruhen die Racineschen Personen auf verschiedenen »Solidaritäten«. Doch die Tiefenpsychologien haben uns gelehrt, bestimmte Substitutionen als gültig anzuerkennen. Von einer Symbolik ausgehend kann ich bestimmte Regeln anwenden, die mir erlauben, die gemeinsamen Züge, die tieferliegende Einheit scheinbar unterschiedlicher Symbole aufzufinden. Picard lehnt diese Psychologien ab. Das ist sein Recht. Indem ich die strukturale und psychoanalytische Analyse anwende, rede ich von Racine in der Sprache unserer Zeit, im kulturellen Wortsinne. (RP, 45f)
Mit jeder Brandmarkung der bürgerlichen Ideologie geht gleichzeitig eine gewisse Verdunkelung der Frage einher: von wo aus spreche ich? Ich wollte mich einfach - jedoch die gesamte Moderne seit Blanchot tut es - für die im wesentlichen reflexiven Diskurse einsetzen, die den unendlichen Charakter der Sprache aufnehmen, in sich nachahmen und niemals mit dem Beweis eines Signifikats abschließen. Indem ich versuche, eine Reflexion über die Erotik der Lektüre ans Licht zu befördern, mache ich nichts anderes, als dem dogmatischen Diskurs entgegenzutreten. Heute verwechselt man in ein und derselben Anklage den dogmatischen und den terroristischen Diskurs. Der dogmatische Diskurs stützt sich auf ein Signifikat. Er neigt dazu, die Sprache durch die Existenz eines letzten Signifikats aufzuwerten: von daher die wohlbekannten Beziehungen zwischen dem dogmatischen und dem theologischen Diskurs. Dieses Signifikat nimmt oft die Gestalt einer Ursache an: einer politischen, ethischen oder religiösen. Aber von dem Augenblick an, in dem der Diskurs (ich spreche nicht von den Optionen eines Individuums) es akzeptiert, an diesem Eckpfeiler eines Signifikats anzuhalten, wird er dogmatisch. Der terroristische Diskurs trägt aggressive Züge, die man ertragen kann oder nicht, jedoch bleibt er im Signifikanten: er handhabt die Sprache wie eine mehr oder minder spielerische Ausbreitung von Signifikanten. (LSL, 178)
11.08.2007
Über die unauffällige Nutzung von Bibliotheken
Tätigkeit wird oft immer noch als praktisch-kritisch aufgefasst. (Heidegger wendete mal gegen Marx ein, um so zu handeln müsse man dies zuerst so sehen, d.h. erst durch den Willen, etwas als praktisch-kritisch zu beobachten, würde es auch praktisch-kritisch, was immer im Einzelnen das hieße. Luhmann würde Heidegger hier wohl zustimmen.)Z.B. in der 1. These zu Feuerbach: "Der Hauptmangel alles bisherigen Materialismus (den Feuerbachschen mit eingerechnet) ist, dass der Gegenstand, die Wirklichkeit, Sinnlichkeit nur unter der Form des Objekts oder der Anschauung gefasst wird; nicht aber als sinnlich menschliche Tätigkeit, Praxis; nicht subjektiv. Daher die tätige Seite abstrakt im Gegensatz zu dem Materialismus von dem Idealismus - der natürlich die wirkliche, sinnliche Tätigkeit als solche nicht kennt - entwickelt. Feuerbach will sinnliche - von den Gedankenobjekten wirklich unterschiedne Objekte: aber er fasst die menschliche Tätigkeit selbst nicht als gegenständliche Tätigkeit. Er betrachtet daher im 'Wesen des Christentums' nur das theoretische Verhalten als das echt menschliche, während die Praxis nur in ihrer schmutzig jüdischen Erscheinungsform gefasst und fixiert wird. Er begreift daher nicht die Bedeutung der 'revolutionären', der 'praktisch-kritischen' Tätigkeit."
Fassen wir zusammen
Nachwort
06.08.2007
Ritalin

05.08.2007
Lernbereitschaft
02.08.2007
Text is unilinear ... rethink ourselves.
30.07.2007
Raumsoziologie, die dritte
Die von kai lorentzen aufgeworfende frage halte ich - nicht nur angesichts des sog. spatial turn, der die kulturwissenschaften seit einigen jahren beschäftigt - für absolut relevant. ich glaube auch, dass der raum eine vernachlässigte größe in luhmanns werk ist.
Und man kann m. e., durchaus im sinne des spatial turns, versuchen den raum "tiefer" zu legen als auf die beobachtungsebene. dies insbesondere mit blick auf eine differentialistische Systemtheorie, in der ja mit laws of form eine "räumlich" gedachte logik zugrunde gelegt wird.
Der Raum, ob abstrakt oder konkreter, ist nur ein Begriff, der mit all dem versehen werden muss, mit dem Luhmann Begriffe versieht. Hier einer Vermischung zwischen wissenschaftlichem Begriff und der alltäglichen Kondensation von Erwartungshaltungen mit und durch Räume Vorschub zu leisten, halte ich für einen Rückschritt.
Es ist m.e. den versuch wert, dass abstraktionsniveau der (mathematischen) topologie zu nutzen um ein dynamischen raumkonzept zu entwerfen.
Ich bin diesen gedanken im übrigen in meiner im winter bei transcript erscheinenden diss. nachgegangen, in der ich mich mit luhmann und deleuze an einer "topologie der differenz" versucht habe.
Deleuze (und Guattari) argumentieren mit vielen räumlichen Metaphern: alleine der Begriff Deterritorialisierung weist darauf hin, zugleich aber auch auf die Scheinhaftigkeit des räumlichen Bezugs. Begriffe wie "Ritornell" zeigen hier einen guten Weg auf: in der Rhythmisierung wiederholen sich ähnliche Figuren der "Raumkonstitution" - ähnlich dem Dompfaffmännchen, das sein Revier durch eine zugleich typisch gattungsgetreue, aber auch individuelle Melodie markiert.
So spatial turned ist der spatial turn dann oft nicht: die Heterotopie Foucaults durch Programme, die Idiorrhytmie Barthes ebenfalls und die imaginäre Vektorisierung Ettes schlagen in die gleiche Kerbe: mehr oder weniger strikt festgelegte Programme schwitzen die Räume als "fungierende Ontologie" (P. Fuchs) aus.
- Roland Barthes: Wie zusammen leben?, Frankfurt am Main 2007
- Michel Foucault: Von anderen Räumen, in: ders. Schriften Bd. 4, Frankfurt am Main 2005
- Gilles Deleuze, Félix Guattari: Tausend Plateaus, Berlin 1997
- Ottmar Ette: ZwischenWeltenSchreiben, Berlin 2005
"proliferance of examples"
Herr Leydendorff zog den Vorwurf dann aber zurück, mit der Bemerkung: "I like examples."
Raumsoziologie, die zweite
It seems to me that the processing of meaning itself does not require physical space except for the coupling on the processing of information. In our thinking and discourse we need spatial metaphors because we can otherwise not think about processing. The spatial metaphors can be elaborated into mathematical topologies.Das halte ich für eine schwierige Behauptung:
1. Luhmann selbst verweist auf räumliche Objekte - Skulpturen, Architektur -, die im Kunstsystem Kommunikation ausprägen. Der Raum taucht also, wenn auch eher indirekt, als kommunikative Größe wieder auf.
2. In Interaktionen sind räumliche Bezüge wichtig: ob ich mich in einer Kirche, in einer Eckkneipe oder bei meiner Eltern während des Abendessens am Gespräch beteilige, macht deutliche Unterschiede. Natürlich sind diese Unterschiede nicht dem Essen, das meine Mutter gekocht hat, oder dem Esstisch immanent, sondern flaggen hier Erwartungshaltungen aus (SozSys 362ff), die eigentlich woanders herkommen. Und natürlich kann ich sofort über funktionale Äquivalenz diesen Bezug zum Esstisch aufbrechen, allerdings nur zum Preis, dass ich meine Mutter und mich unter den Tisch fallen lasse. – Aber wenn ich mich in empirisch kleinen Situationen bewege, geht das natürlich nicht so einfach. Der Esstisch spielt einfach eine Rolle – auch wenn er nur Erwartungen ausflaggt, die von woanders her kommen. Wollen meine Brüder und ich zotige Reden schwingen, müssen wir zur Couch wechseln.
3. Es ist auch nicht egal, wo jemand spricht. Räume sind mit Erwartungen besetzt und natürlich kommen diese Erwartungen nicht aus den Räumen selbst. Aber Kirchen funktionieren nur so lange, solange sie einen Raum mit bestimmten Stereotypen belegen, mit Wänden, Bänken, Kanzel, Altar, möglichst Buntglasfenstern und Heiligenstatuen. Prediger außerhalb von Kirchen werden, wie gesagt, mit Befremden angesehen.
4. Insofern sind Räume a) Hilfen zur Reduktion komplexer Erwartungen: in einer Schulklasse kann man von einem Lehrer eben Unterricht erwarten und nicht, dass er über die Bratwurstversessenheit seines Partners schimpft; b) in Bezug auf Erwartungen eher Katachresen als Metaphern: die Erwartungen werden ja nicht ersetzt, sondern fremdartig umgebildet.
5. Insofern ermöglichen Räume – häufig, aber nicht immer – zwar auch das „coupling of the processing of information“, aber sie konditionieren auch das Wie?, geben also Prozessmuster vor. Ob ein Chirurg mit einem Skalpell in einem Operationssaal oder in einem dunklen, unheimlichen Park auftaucht, signalisiert eben den Unterschied zwischen einer Arztserie und einem Horrorfilm, zwischen der Erwartung einer Heilung und eines Mordes.
Raumsoziologie, die erste
„... daß Luhmann den Raum nicht in die Weltdimensionen von Sinn (sachlich, zeitlich, sozial) aufgenommen hat - aus Gründen, die man eigens diskutieren müßte und die vermutlich zusammenhängen mit der Vorstellung, daß Zeit Raum generiert oder immer schon in ihrer Beobachtung impliziert. Ich denke erst einmal, daß Raum, Räumlichkeit etc. zentrale infrastrukturelle Bedingungen von Kommunikation und Bewußtsein bezeichnen, wiewohl ich nicht dazu neige, Sinnsysteme selbst als räumliche Arrangements zu behandeln.“
„Raum und Zeit werden erzeugt dadurch, dass Stellen unabhängig von den Objekten identifiziert werden können, die sie jeweils besetzen. Dies gilt auch für den Fall, dass ein Verlust des »angestammten Platzes« mit der Zerstörung des Objektes (aber eben nicht: der Stelle!) verbunden wäre. Stellendifferenzen markieren das Medium, Objektdifferenzen die Formen des Mediums. Stellen sind anders, aber keineswegs beliebig, gekoppelt als Objekte. Und auch hier gilt: das Medium »an sich« ist kognitiv unzugänglich. Nur die Formen machen es wahrnehmbar. Man könnte also sagen: den Objekten werden die Medien Raum und Zeit unterlegt, um die Welt mit Varianz zu versorgen. Aber dafür sind dann wieder eigene Redundanzen erforderlich, nämlich die Nichtbeliebigkeit der Beziehungen zwischen Stellen im Raum, in der Zeit und in der Beziehung beider Medien zueinander.
In allen diesen Hinsichten stimmen Raum und Zeit überein. Sie werden beide auf gleiche Weise erzeugt, nämlich durch die Unterscheidung von Medium und Form, oder genauer: Stelle und Objekt.“ (S. 180, Hervorhebungen von mir)
„Entscheidend scheint mir, daß diese Chance geknüpft wird (ähnlich wie bei der Diskussion über Materialität) an die Einsicht oder das Verfahren, weder Raum noch Materialität a priori als Gegebenheiten anzusetzen, die berücksichtigt werden müßten, weil es sie irgendwie gibt.“
- Niklas Luhmann: Die Kunst der Gesellschaft, Frankfurt am Main 1996
- Peter Fuchs: Mitteilung in der Mailingliste zur Systemtheorie, 2007