28.05.2012

Bücher: Sloterdijk, Tarde

Da ich sowohl von meinem eigenen Herren als auch von meinem anderen für Pfingsten versetzt worden bin, hatte ich viel Zeit, mich mit Büchern zu beschäftigen. Vom Freitag bis Samstag habe ich mir das wundervolle Buch Mythen des Alltags als Kommentargrundlage auf den Schreibtisch gelegt. Ich hatte dieses Buch zwar schon, aber in der alten, reduzierten Auflage. Mittlerweile gibt es diese neue Übersetzung mit sämtlichen Mythen, bzw. Glossen. Ach ja: Autor ist Roland Barthes, erschienen ist es bei Suhrkamp. Sehr empfehlenswert, wenn auch der theoretische Anhang den einen oder anderen Erstleser intellektuell überfordern dürfte: zu fremd ist die Denkweise der Semiologie, wenn man sich nicht längere Zeit damit beschäftigt hat.

(Nachtrag: entstanden ist unter anderem auch eine halbe Glosse zu Ursula von der Leyen, deren einen kämpferischen Auftritt ich letzte Woche auf youtube gefunden habe und die (für mich) mal wieder nichts anderes macht, als in etwa zu sagen: Die bürgerliche Familie hat sich gemacht, damit sie die CDU (also die Ursula) wählen kann, denn U steht für Ursula, also Union.
Übrigens hat mich diese Darstellung dann doch sehr an das Lied Modern things von Björk erinnert, in dem sie singt: They (the modern things) just waited in a mountain for the right moment ... to multiply and take over. - So ähnlich scheint sich Frau von der Leyen nämlich die Glückseligkeit der bürgerlichen Familie vorzustellen: seit Anbeginn der Vertreibung aus dem Paradies hat diese irgendwie in einer Kaverne des Matterhorns darauf gewartet, dass das richtige Signal käme und als sich dann die erste rechtsbürgerliche Partei gründen wollte, ist sie aus ihrem Versteck gehupft und hat geschrieen: Hurra, und hier sind eure Wähler!)

Dann habe ich mir noch drei weitere Bücher gekauft: 
Peter Sloterdijk: Du musst dein Leben ändern. Ein schönes Buch, in dem ich bisher aber nur herumgestöbert habe. Wollte man es einordnen, dann ist es eine postmoderne Religionsphilosophie; doch das wäre zu viel oder zu wenig gesagt. Das, was ich bisher gelesen habe, korrespondiert zumindest sehr eng mit Kants "Kritik der praktischen Vernunft" und der darauf folgenden "Metaphysik der Sitten" (in der Kant seine Staatslehre, Rechtslehre und Religionslehre dargestellt hat). 
Das zweite Buch stammt von dem französischen Soziologen Gabriel Tarde: Die Gesetze der Nachahmung. Dieses Buch ist mir in gewisser Weise sehr gut vertraut, weil ich mich mit Deleuze so intensiv beschäftigt habe. Seit drei Jahren existiert dieses Buch in einer deutschen Übersetzung und als Taschenbuch, ebenfalls vom Suhrkamp-Verlag. Irgendwie konnte ich mich nicht dagegen wehren, es zu besitzen.
Das dritte Buch ist ein Kommentarband zu Gabriel Tarde von Christian Borch und Urs Stäheli: Soziologie der Nachahmung und des Begehrens. Wiederum im Suhrkamp Verlag. Reingelesen habe ich nur in den Aufsatz "Urbane Nachahmung" von Christian Borch, der allerdings einen umfangreichen Kommentar nötig hätte, um all die Fäden weiterzuspinnen, die der Autor hineinflicht.
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