27.01.2017

Noch mehr Clowns

Eins muss man Höcke und der AfD Thüringen lassen: sie haben meine Stimmung heute gewaltig gehoben.
Höcke wurde von der Gedenkstätte Buchenwald ausgeladen. Darauf reagierte die AfD mit "Pauschale Ausladungen sind kein Mittel der Auseinandersetzung"; nun war die Ausladung erstens nicht pauschal, sondern sehr spezifisch (andere Mitglieder des Landtages aus der AfD-Fraktion hatten keine Ausladung bekommen), und was das Pauschalisieren angeht, so dürfte Höcke sich darüber nun so gar nicht beschweren.
Gut fand ich auch, dass die AfD Thüringen von einer "schäbigen Inszenierung" sprach. Höckes Dresdner Rede war ja keineswegs eine schäbige Inszenierung von Zweideutigkeiten, oder habe ich da jetzt was missverstanden?
Was die "nicht hinzunehmenden Grenzverletzung in der politischen Auseinandersetzung" angeht, so ist es vielleicht nicht Höcke selbst, der hier für die unfreiwillige Ironie sorgt, aber zumindest ein Teil seiner Wähler. Merkel, so hört man dort zum Beispiel, sei eine "Schwerverbrecherin, die das deutsche Volk an den Rand der Ausrottung getrieben habe" [sic!]; der Künast solle man "Ketten anlegen und sie in einem Kerker verrotten" lassen. Wunderbar, wie geradezu laissez-fairemäßig darauf die AfD reagiert. Wenn sich eine Partei solche Äußerungen ihrer eigenen Wähler nicht verbietet, was ist dann von ihr noch zu halten?
Ich halte Höcke und zu großen Teilen auch die AfD für eine ernsthafte Bedrohung der deutschen Kultur; sie greift fundamentale Werte unseres Selbstverständnisses an; in der bedenkenlosen Einfalt werden zahlreiche großartige Menschen und deren Einfluss schlichtweg ignoriert. Für mich ist das Holocaust-Mahnmal in Berlin nicht nur eine Erinnerung an die Verbrechen der Nazis, sondern auch eine Erinnerung daran, dass Verantwortung eine historische ist: sie ist die conditio eines geschichtsbewussten Menschen. Und das Mahnmal erinnert mich auch daran, wie einflussreich einmal das jüdische Geistesleben für die deutsche Kultur gewesen ist, und wie patriotisch: man denke an Felix Mendelssohn-Bartholdys Elias.
In diesem Jahr kommen mindestens zwei Horrorfilme mit Clowns in die Kinos: die Neuverfilmung von Stephen Kings 'Es', und 'Clownterghost', der vor einigen Tagen angelaufen ist, aber wohl in Deutschland nicht die Lichtsäle erreichen wird. Vielleicht ist es das, was den Höcke gerade so wuschig macht, denn immerhin ist Clownterghost eine Mischung aus Clown und Dämon; und vielleicht will er uns ob dieses herben kulturellen Verlusts ja ein wenig entschädigen.
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