01.12.2013

Heute fühle ich mich nach …

Selbstbeweihräucherung.

Warum eigentlich?
Ganz nahe liegend: ich habe einen recht langen Tag hinter mir, mit zahlreichen Arbeiten rund um meinen Beruf. Und jetzt, am frühen Morgen des Folgetages auch zwei Gläser Wein intus. Erschwerend kommt hinzu, dass ich seit drei Wochen keinen Alkohol getrunken habe. Man könnte also sagen, dass ich völlig aus der Übung bin.

Etwas objektiver sind allerdings meine Besucherzahlen. Über die ich jetzt eigentlich schreiben wollte: während ich ganz zu Beginn mal den einen oder anderen Besucher im Monat hatte, konnte ich letzten Monat, im November, sogar mal die 5000-Marke an einem Tag sprengen.

Vermutlich sind es diese vielen kleinen Nischenthemen, die ich über die Jahre hinweg angeschnitten habe, die mir diese enorme Aufmerksamkeit ermöglichen. Es ist übrigens eine zwiespältige Aufmerksamkeit.
Fast täglich erreichen mich E-Mails mit Schmähungen. So hat sich eine gewisse Bevölkerungsgruppe darauf festgelegt, ich sei ein Frauenversteher und deshalb natürlich schwul. Deshalb sind auch alle meine Artikel schwul und deshalb schreibe ich auch nur zu schwulen Themen. So jedenfalls der Tenor.
Andere wiederum meinen, es sei intelligent, mir Unkenntnis in der Logik fortzuwerfen. Das ist in doppeltem Sinne ärgerlich: ich bin durchaus bereit, sofern es sich um einen vernünftigen Gesprächspartner handelt, meine Kenntnisse in der Logik als begrenzt zu bezeichnen. Das liegt vor allem daran, dass die Logik sich im 20. Jahrhundert immer stärker an bestimmten ethischen Verpflichtungen orientiert hat und so in einem weiten Bereich die Logik ohne die Ethik gar nicht zu denken ist. Umso ärgerlicher ist es, wenn hier gewisse Menschen mit einer simplem Schlusslehre meinen, mir eine Unkenntnis vorwerfen zu können. Die Schlussregeln von eindeutig wahren und falschen Aussagen sind aber, wie man sich leicht überzeugen kann, nur formale Definitionen, also Definitionen, die sich auf Tatsachen der Form und nicht auf Tatsachen des Inhalts beziehen, die also a priori richtig, aber a posteriori deutlich reduzierend sind.

Insofern schadet mir diese kleine Selbstbeweihräucherung überhaupt nicht. Sie erinnert mich daran, worauf uns Immanuel Kant einmal festgelegt hat: dass wir uns in einem Zeitalter der Aufklärung befinden, aber noch nicht in einem aufgeklärten Zeitalter. Und das man dazu seinen Beitrag leisten sollte, möglichst durch eine und geduldige Prüfung sämtlicher Argumente.
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