15.10.2013

Schön, einfach nur schön!

Eine Kundin, eine Lehrerin, hat gerade mit ihren Schülern eine Übung gemacht, die ich mit ihr vor einigen Tagen durchgeführt habe. Wir hatten über die Prosodie von Sätzen diskutiert, also über den Satzrhythmus und die Satzmelodie. Ich behaupte ja, dass zum Beispiel ein guter erster Satz in einem Roman nicht nur einen gewissen Spannungspunkt setzt, sondern auch einen guten Klang hat. Und wir haben uns einige wirklich schöne Sätze angesehen, mal solche, die erste Sätze von Romanen sind, mal solche, die man mittendrin finden kann. Und unsere Übung dazu war, jeden dieser Sätze ganz bewusst und mit verschiedenen Variationen von Rhythmus und Melodie zu sprechen, also den Klang des Satzes abzuschmecken.
Jene Lehrerin liest mit ihren Schülern gerade kurze Erzählungen, zum Beispiel Kalendergeschichten von Hebbel und Parabeln von Kafka, Märchen von Lessing und (!) sogar zwei Texte aus der Berliner Kindheit (das war sozusagen mein Beitrag zu der Unterrichtseinheit). Sie hat sie gestern dazu aufgefordert, den "schönsten" Satz in einigen dieser Geschichten herauszusuchen, wobei es zu ganz unterschiedlichen Ergebnissen kam. Als sie ihre Schüler im Anschluss daran fragte, ob ihnen weitere schöne Sätze einfallen würde, sagte eine Schülerin:
I would fly, but have no wings.
Ein Zitat aus einer Fernsehserie, die sich Supernatural nennt. - Tatsächlich ein schöner Satz, von seiner Prosodie her gesehen.

Noch ein schöner Satz:
Die Falle war perfekt gestellt. (Nalini Singh) - Dieser Satz ist auch deshalb schön, weil er sich von den Vokalen begrenzt (a, e). 

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