03.08.2013

Bookless, Blödmaschinen und einiges anderes

Marah Woolf schenkt uns ein Märchen, allerdings mehr ein Erwachsenen-Märchen, Bookless, das demnächst veröffentlicht wird. Ich lese es gerade zum dritten Mal. Ich möchte jetzt nicht sagen, dass sie so gut wie Michael Ende ist, aber fast. Einen Vorteil haben ihre Bücher allerdings insgesamt: Sie sind moderner, sie atmen mehr den Zeitgeist. Oder den Widerstand gegen den Zeitgeist. Und es ist spannend!

Fünf Bücher habe ich diese Woche gekauft: Geschichte und Eigensinn sowie Öffentlichkeit und Erfahrung von Oskar Negt und Alexander Kluge; Reden von Max Frisch; und das Buch Blödmaschinen von Markus Metz und Georg Seeßlen. Das letztgenannte Buch beginnt mit einem Furor. Eigentlich sollte ich hier das ganze Vorwort zitieren. Ich bleibe aber bei einem Ausschnitt:
Denken ist peinlich, vor allem öffentlich. Eine Art, sich danebenzubenehmen. …
Natürlich haben die denkenden Menschen in beinahe jeder Epoche das Empfinden, gerade in ihrer würden sie am meisten behindert, verleumdet und missbraucht. Das ist ganz normal, denn das Denken wird in jeder Epoche behindert, verleumdet, missbraucht, nur eben immer anders und vielleicht ist die unsere zugleich die raffinierteste und ehrlichste, insofern sie Behinderung, Verleumdung und Missbrauch des Denkens als öffentliches Spektakel inszeniert.
Metz, Markus/Seeßlen, Georg: Blödmaschinen, Berlin 2011, Seite 10
Ein Nachtrag. Jemand hat nachgezählt: ich habe das fünfte Buch vergessen. Es mag aber verständlich sein, wenn ich sage, dass dies ein Geburtstagsgeschenk ist und ich jenes Werk bereits besitze. Da die junge Frau, die heute ihren Geburtstag nachfeiert, meinen Blog regelmäßig liest, kann ich natürlich nicht den Titel verraten.

Gelesen habe ich, fragt nicht lieber nicht, ziemlich viel. Eine Auftragsarbeit führt mich zu John Stuart Mill, übrigens eine sehr angenehme Arbeit, da ich hier mehr als "Störenfried" auftreten darf und soll. Die beiden Doktoranden können bereits hervorragend schreiben. Eigentlich wollte ich diese Aufgabe ablehnen, da ich mich mit den englischen Empiristen nicht gut auskenne. Aber meine Ablehnung wurde nicht akzeptiert. Auf eine sehr bauchpinslerische Art und Weise nicht akzeptiert. Da konnte ich natürlich nicht Nein sagen.

Fertig gelesen habe ich von Christa Wolf Stadt der Engel und Kindheitsmuster, die mich beide sehr tief berührt haben. Dazu wird wahrscheinlich auch einiges auf meinem Blog folgen.
Gelesen und kommentiert habe ich Leibhaftig (ebenfalls von Christa Wolf). Die Kommentare sind allerdings nur erste Notizen. Parallel dazu durchdenke ich jetzt dieses wundervolle Buch anhand von Judith Butlers Das Unbehagen der Geschlechter und Ludwig Wittgensteins Philosophische Grammatik.

Außerdem bin ich Christa Wolf über Max Frisch zu Walter Benjamin gefolgt. In den Tagebüchern von Frisch wird die Stellung des Bildes in einer Erzählung, aber auch in der Gesellschaft, ausführlich diskutiert. Das hat mich an Walter Benjamins Entstellte Ähnlichkeit erinnert; und hier öffnet sich dann auch fast unwillkürlich eine Perspektive auf das Werk von Christa Wolf: die Erzählung Kassandra scheint mir eine äußerst kluge Entstellung des Homo Faber zu sein. Und überhaupt ist das ganze Werk von Max Frisch für Christa Wolf bedeutsam (obwohl die intertextuellen Bezüge zu Anna Seghers "stärker" hervortreten).

Es geht mir also gut. Das "Herumwühlen" in Texten macht mir Spaß.
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