19.12.2012

Verharmlosung von Morden an Frauen; geschmacklose Berichterstattung

Die Denkwerkstatt, ein Blog, den ich gerne lese, veröffentlicht leider viel zu selten, aber neulich eben mal wieder: Verlinkt.

Familientragödie
Vor einigen Tagen wurde in Österreich eine Mutter vor dem Kindergarten niedergestochen, aus dem sie ihr Kind abholen wollte. Täter war der Ehemann. Warum aber, so fragt sich die Bloggerin  zurecht, wird dies als Familiendrama bezeichnet. Das ist kein Familiendrama. Das ist Mord. Und dann natürlich auch ein Familiendrama. Vor allem für das Kind. Aber Mord taugt als Wort wohl wenig. Schließlich ist der Krimi das beliebteste Genre im deutschsprachigen Raum. Drama dagegen hört sich nach einer großen Erzählung an, nach Leidenschaft, nach Untreue, Lügen und ähnlichem.

Tickernde Geschmacklosigkeit
So titelt diestandard.at und kommentiert die wirklich üble Idee, am Ort des Verbrechens einen so genannten Live-Ticker über die Geschehnisse einzurichten. Das Ergebnis ist nicht nur eine journalistische Katastrophe, sondern auch von herausragender ethischer Geschmacklosigkeit.

Was mich an der ganzen Sache so fasziniert, ist dieses eigenartige Ineinander von Verharmlosung und Skandalisierung. Die Frau als Opfer wird verharmlost, aber die Tat als solche ist einer mehrminütigen Berichterstattung wert. Das ist eine doppelte Missachtung des Opfers.
Es ist aber auch ein Schlag für alle Frauen ins Gesicht. Eine Abwertung feministischer Errungenschaften. Das Wort Familiendrama nämlich suggeriert, dass die Familie geschädigt wurde und zwar erst gerade im Moment. Was aber heißt das, wenn der Mann bereit ist, seine Frau zu erstechen? Hat das Drama nicht schon wesentlich früher stattgefunden? Und muss sich die Frau selbst noch in ihrem Opfersein der Familie unterordnen? Der Feminismus ist doch mal angetreten, genau solche Zusammenhänge aufzulösen und nicht mehr zuzulassen. Gilt dies alles nicht mehr?
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