30.11.2007

Camilleri: Die Stimme der Violine

Zur Zeit analysiere ich Andrea Camilleris Krimi "Die Stimme der Violine" recht gründlich.
Camilleri hat einen recht plauschigen Stil, der zwischen Slapstick und Spannung hin und her schwankt. Genau das interessiert mich auch an ihm. Bisher hatte ich mich vor allem der Spannung gewidmet. Der Humor ist ein Moment im Text, der sich nicht so rasch fassen lässt: er bringt wesentlich schwieriger zu analysierende Elemente ins Spiel. Und während ich mit meinen kleinen Klassifikationen im Bereich der Spannung mittlerweile sehr gut arbeiten kann, fällt mir das für den Humor noch schwer.
Camilleri also schafft eine recht bunte Mischung zwischen beidem. Zum einen bringt er klassische Whodunnits mit meist politischem Hintergrund, zum anderen hat er seine typischen Stichwortgeber, nicht zuletzt ja seinen Kommissar Montalbano, dessen notorisch schlechte Laune und seine Liebe zum Essen ein wiederkehrendes Moment bilden, an dem sich wahlweise der Whodunnit, wahlweise der Slapstick bedienen lassen.
Tatsächlich lebt "Die Stimme der Violine" mehr von den ausufernden Intrigen als von dem Krimi selbst. Camilleri verknüpft diese aber recht gut. Ihm gelingt das dadurch, dass jede Figur mehrere Rollen inne hat und diese Rollen auch immer irgendwie bedient werden. So steht Montalbano in einem ständigen irrwitzigen Krieg gegen seinen Telefonisten Catarella; gleichzeitig spielt die Fernbeziehung zu seiner Freundin Livia immer mit hinein; und schließlich machen diverse Obrigkeiten dem verkappten Kommunisten in ihm das Blut heiß. Mimi Augello, ein Polizist, ist nicht nur eine weitere Hassliebe Montalbanos im Kommissariat, sondern auch der Schwager von Franca, bei der Montalbanos Fast-Adoptivkind Francois lebt.
Durch diese vielen kleinen Nebenerzählungen schafft Camilleri ein dichtes Netz aus kurzen Szenen, die immer wieder die Handlung aufschieben und ablenken. Montalbanos Restaurantbesuche und die teilweise üppigen Umschreibungen seiner Menüs bilden dabei so etwas wie einen Ruhepunkt in diesem Wirbel. Zugleich nützt Camilleri diese vielen kleinen Nebenstränge, um der eigentlichen Handlung neue Impulse zu geben, oder sie hinzuhalten. So wirken die zahlreichen Figuren nicht nur wie eine nebenher laufende Soap-Opera, sondern sind Stichwortgeber für das Whodunnit ebenso wie Ablenkungsmanöver. Camilleri kann hier frei wählen (so scheint es jedenfalls).
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