28.08.2016

Biologische Solidarität

Ich glaube, es ist Zeit, das Fremdschämen zu überwinden und Peinlichkeiten zu genießen.
Da schreibt ein gewisser Horst S.:
„Links“ und „rechts“ sind spalterische Kampfbegriffe der psychologischen Kriegführung gegen die natürliche Integrität von Sippen, Stämmen, Völkern und Rassen, um deren biologische Solidarität, die wenig Staat braucht und daher real verwurzelt antifaschistisch ist, mittels Desintegration und „Integration“ von Unpassendem zu zerstören. Ein ausgewogenes Maß an Gleichheit („links“) und Einzigartigkeit („rechts“) gehört zu jeder gesunden Gemeinschaft.
Ich weiß gar nicht, wo ich mit dem Lachen anfangen soll.
Trotzdem: einen gewissen, äußerst flüchtigen Kontakt habe ich doch mit diesem Menschen. Ich spreche zwar keineswegs von kultureller Integrität (wie ich auch nicht an eine irgendwie geartete Einheit des Deutschen glaube), aber eben doch von kulturellen Homogenisierungstendenzen. Homogenisierung darf hier übrigens nicht mit Konfliktlosigkeit verwechselt werden. Eine bestimmte Bevölkerungsgruppe kann sich auch darüber einig sein, dass es sich lohnt, völlig irrwitzig und blödsinnig über etwas zu streiten, wie etwa über die vermeintliche Verlogenheit der Lügenpresse. Das ist ein durchaus deutsches Thema; mit einem Spanier oder einem Ägypter könnte ich darüber schlecht streiten.
Geradezu prophetisch nimmt Schopenhauer einen Kernbestand systemischen Denkens für den Nationalcharakter vorweg: dieser sei nur eine jeweilig andere Form von Beschränktheit, Verkehrtheit und Schlechtigkeit (Nationalstolz); und die Systemiker: Kultur existiert, wenn überhaupt, in Form eines gemeinsamen blinden Flecks. Es gehört wohl in gewisser Weise zu einer bestimmten Bevölkerungsschicht (glücklicherweise aber immer noch einer Minderheit), die glaubt, Kultur in irgendeiner Weise an die Gene oder an ihre Metapher, das „Blut“, binden zu müssen. Über eine vernünftige, umsichtige Begründung einer solchen Behauptung wird dann gar nicht mehr nachgedacht, geschweige denn darüber, was daraus ethisch und politisch folgen müsste.
„Real verwurzelt antifaschistisch“ ist aber auch nicht schlecht: das werde ich mal als Nachdenk-Begriff mitnehmen auf den Weg, um der biologischen Solidarität mit meinem Körper nachzukommen, mit irgendeinem urdeutschen Gericht, vielleicht einem Cham Chi.
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