08.12.2014

Unendlich (zur Lyrik Rose Ausländers)

Jetzt, einige Tage später, erhalte ich einige Pakete, Lyrik von Rose Ausländer der Inhalt. Auf den ersten Blick erscheinen ihre Gedichte sanft. Sie sind es nicht. Zahlreiche Gedichte gruppieren sich um das Thema der Vertreibung und der Auswanderung. Ausländer, die vor dem Nazi-Regime floh, eignet sich dieses Thema als ein existenzielles an. Der Mensch, so scheint sie manchmal zu sagen, ist nichts, wenn er nicht hinausgeht, wenn er nicht aus sich selbst auswandert.
Trotz liegt in ihren Gedichten, aber auch Trost. Es gibt wiederkehrende Motive: das Ineinander von Himmel und Erde, Tag und Nacht; die Ausreise und die Isolation; die Worte, die man birgt und die man sich geborgt hat.
Keines ihrer Gedichte ist vollständig, keines in sich geschlossen. Manche ihrer Gedichte sind Befehle, Aufforderungen, mutig zu sein, sich dem Unbekannten zu stellen.
Unendlich
Vergiss
Deine Grenzen

Wandere aus

Das Niemandsland
Unendlich
nimmt dich auf

(aus: Ausländer, Rose: Hinter allen Worten. Frankfurt am Main 1992, S. 125)
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