17.02.2013

Aufklärung oder Betroffenheit? Ein Dank an Aysen Tasköprü

Schon im Vorfeld scheint die Verhandlung gegen die NSU eine mustergültige Vertuschung zu werden. Unser lieber Verfassungsschutz hat sich nicht zum ersten Mal und wohl auch nicht zum letzten Mal mit einem Anti-Ruhm bekleckert. Die Betroffenen werden gelegentlich ausgetauscht, die Struktur bleibt.
In dieser Situation zeigt sich Aysen Tasköprü nicht nur mutig, sondern auch demokratisch und unbestechlich. Sie lehnte ein Treffen mit Joachim Gauck für einen Gedankenaustausch ab und forderte statt dessen von unserem Bundespräsidenten, dass er sich um die Skandale im Zusammenhang mit den Neonazi-Morden kümmere (alle Zitate von bild.de).
„Wer sind die Leute hinter dem NSU? Was hatte der deutsche Staat damit zu tun? Wer hat die Akten vernichtet und warum?”, zitiert das Online-Portal der ARD-„Tagesschau” aus dem Brief.
Sie habe auch an Gauck geschrieben, Betroffenheit helfe ihr nicht.
Und dann kommt die eigentliche und so richtige wie harte Kritik:
„Ihnen, Herr Bundespräsident, ist mein Bruder doch nur wichtig, weil der NSU ein politisches Thema in Deutschland ist”, schreibt Aysen Tasköprü nach Angaben der Zeitung. „Was wollen Sie an unserem Leid ändern? Glauben Sie, es hilft mir, wenn Sie betroffen sind?”
Ich danke Frau Tasköprü für diese klare und ehrliche Ansage. Ich danke ihr dafür, dass sie aus den widerlichen Morden kein Theater öffentlicher Gesten macht. Ich danke ihr dafür, dass sie stattdessen weit über das persönliche Leid am Tod einer Familienangehörigen an Deutschland denkt und an demokratische Prozesse, die hier so eklatant vom Staat mit den Füßen getreten wurden. Ich danke ihr dafür, dass sie Aufklärung einfordert.
Solange wir solche Deutschen in unserem Staat haben, werde ich ein wenig ruhiger schlafen können.


Bitte schreibt an den Bundespräsidenten, dass er sich für die rückhaltlose Aufklärung der Vorfälle einsetzt: Kontakt zum Bundespräsidialamt. Gelegentliche Auffrischungen, schließlich ist Gauck ein alter Mann, halte ich für sinnvoll.
Auch das Bundesinnenministerium darf angehauen werden. Kontakt zum BMI.
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