15.01.2011

17 Baustellen

Da haben wir es wieder: Meine Teilnehmer von AKLEB bringen 1000 interessante Verbindungslinien ein. Ich habe wieder den Drang, allen folgen zu müssen. Am Donnerstag Morgen hat ein Teilnehmer eine schöne Stundenplanung zum Energiebegriff in der Physik vorgelegt. Jetzt habe ich zunächst über den physikalischen Energiebegriff gearbeitet, bin dann zu Bachelards Philosophie des Neins übergegangen und lese derzeit zur Geschichte der Mechanik und des Elektromagnetismus' im 19. Jahrhundert, den Maxwellschen Gesetzen, dem Begriff des Äthers und dessen Überwindung durch die spezielle Relativitätstheorie Einsteins. Das alles ist extrem spannend.
Nebenher: Derrida. Als ich vor anderthalb Jahren das Text-Coaching für eine Doktorarbeit in Kunstgeschichte übernommen habe, war ich sehr fasziniert zum einen von dieser klugen Frau, zum anderen, dass sich hier die Möglichkeit bot, über die Implikationen der Ästhetik im Dekonstruktivismus zu arbeiten. Zwischenzeitlich hat sich das zu einer echten Belastung entwickelt, da ich auch noch so viele andere Sachen zu tun hatte. Mittlerweile macht es aber wieder großen Spaß. Dieser Schnittpunkt zwischen ästhetischer und politischer Bildung ist einfach spannend. Deren Frage ist es: was können Menschen wahrnehmen und welche Rolle spielt das für das Zusammenleben? Auf diese Fragen nimmt Derrida an vielen Stellen seines Werkes Bezug. Wir erforschen hier gemeinsam diese Aspekte.
Dritter großer Topf: das Experiment. Letztes Jahr im Sommer hatte ich begonnen, Wittgensteins Bemerkungen über die Grundlagen der Mathematik durchzukommentieren. Darin finden sich viele Betrachtungen zum Experiment. Das Experiment kann man neben dem Modell als wesentliche Methode des naturwissenschaftlichen Unterrichts bezeichnen. Anders als beim Modell habe ich hier allerdings noch nicht einen guten Überblick über psychologische Implikationen gefunden. Zwei Teilnehmer von AKLEB werden in der nächsten Zeit darüber arbeiten. Ich selber bin auch am erforschen und gespannt, was sich hier entwickelt. Ganz kurz habe ich bereits die Darstellung der experimentellen Methode im Schülerduden Physik auseinanderklabüstert. Da ich noch andere Sachen zu tun hatte, bin ich nicht sonderlich weit in den Stoff eingedrungen.

11.01.2011

Seltsame Werbung

Beim Durchlesen einer meiner Artikel finde ich folgende Werbung: "Topfriseure zu Schnäppchenpreisen."; günstig wäre hier eine weitere Werbung: "Topcontainer zur Aufbewahrung von günstig erstandenen Topfriseuren" - gelle?


09.01.2011

Schreiben

Ich entdecke gerade wieder die Freuden des handschriftlichen Durchkommentierens. Dies habe ich über 20 Jahre lang gepflegt, dann kam der Computer, zumindest einer, der einem viele Arbeit abgenommen hat. Aber irgendwie bin ich doch daran gewöhnt, die Sachen mit Füller auf Papier zu bringen. Hinterher kann ich sie dann immer noch ganz einfach mit dem Spracherkennungsprogramm in meinem Zettelkasten bringen.


… und ein wenig Psychologie: innere Bilder und Optimismus

Und auch damit habe ich mich beschäftigt: zum einen mit der Leistung von inneren Bilder und der so genannten positiven Imagination. Diese hängt stark an der Fähigkeit, Analogien zu bilden. Den Artikel dazu findet ihr hier: Die Macht der inneren Bilder. Ebenso ist mir der Optimismus "über den Weg gelaufen", hier: Guter und schlechter Optimismus - Probleme des positiven Denkens.
Eigentlich sollte das Ganze nur eine Randbemerkung in einem Artikel über das Dreikönigstreffen der FDP werden. Der Artikel ist noch nicht geschrieben, dafür aber die Randbemerkung. Aber vielleicht sagt genau diese auch etwas über die FDP aus.


Aufsatzlehre

Jahre ist es her, dass ich mich mit der Aufsatzlehre beschäftigt habe und seit dieser Zeit hat sich in meinem Kopf einiges verschoben. Nun habe ich neulich wieder angefangen (auch, weil ich ein wenig Luft hatte), mich mit diesem wichtigen Teil der Deutschdidaktik zu beschäftigen. Entstanden sind zunächst zwei Artikel für suite101, die sich generell mit dem Schreiben von Aufsätzen beschäftigen. Dies ist zum einen Wie bereitet man einen Aufsatz vor?, zum anderen Was man beim Schreiben von Aufsätzen beachten sollte.
Eines der größten Probleme der Aufsatzlehre ist ihre mangelnde Abgrenzung einzelner Genres. Bzw. muss man Idealtypen für Aufsätze aufstellen, wobei dann aber die Schüler bei einem konkreten Aufsatz fragen: wie denn nun? Und natürlich haben Sie recht! So steht die Schilderung zwischen dem Bericht und der Erlebniserzählung und teilt mit beiden verschiedenen Merkmale. Die Übergänge sind fließend und die Mittelstellung selbst für Erwachsene nicht immer einfach einzuhalten. Ebenso ist die Abgrenzung von Erörterung und Analyse, bzw. von Kritik und Kommentar nur über eine gewisse Schwerpunktsetzung vom Autor zu erschließen und kann durchaus subjektiv anders eingeschätzt werden.


04.01.2011

Schulbücher aus dem Duden-Verlag

Eigentlich wollte ich nicht, dann habe ich aber doch: ich habe wenig Resistenz gegen den Bücherkauf. Also war ich heute mal wieder im Duden-Verlag und habe viel Geld für Bücher dort gelassen. Unter anderem habe ich mehrere Bücher aus der Reihe Basiswissen gekauft (Deutsch, Literatur, Englisch, Politik, Geschichte, Chemie, Physik) das Oberstufenbuch für Deutsch, und das Sachkundebuch für die fünfte und sechste Klasse.
Hier habe ich jetzt den ganzen Abend drin herumgestöbert und bin mal wieder halb verzweifelt. Es gibt noch so vieles, was unsere Quereinsteiger wissen müssten (und beruhigend ist, dass viele Lehrer dies auch nicht wissen) und dass ich gerne noch in die Ausbildung packen wollte. Andererseits muss ich selbst erstmal diese ganzen Themen durchdenken. Zum Glück haben wir diesmal eine Gruppe aus reinen Naturwissenschaftlern. Wir können uns also auf die entsprechenden Themen konzentrieren und für Wirtschaft, Politik und Geschichte zum Beispiel habe ich noch etwas Luft, mich dort intensiver einzuarbeiten.


Rubikon-Modell; was Coaches so treiben

Es freut mich ja, dass mein Artikel zum Rubikon-Modell (das Portal, auf dem dieser Artikel erschienen ist, ist mittlerweile leider geschlossen) so hoch platziert ist. Was mich weniger freut, sind manche Verunstaltungen dieses Modells. So finde ich auf der Seite eines Peter Fuermetz eine ganz andere Abbildung dieses Modells, grafisch hübsch aufpoliert, aber leider falsch.
Gegen andere Modelle ist allerdings nichts zu sagen. Sofern ein Modell sensibel entworfen wurde (Sensibilität entsteht aus dem bedachtsamen Abwägen von Wahrnehmungen, Begriffen und Emotionen), ist jedes Modell ein Stück weit sinnvoll und umgekehrt, und das gilt auch für das Rubikon-Modell, nie vollständig und nie vollständig praktisch. Was mich ärgert, ist zunächst nur, dass hier unter einem bekannten Namen ein ganz anderer Inhalt eingeführt wird. An dem konkreten Modell bei Fuermetz fehlt zum Beispiel die Phase der Reflexion; zudem ist das Bedürfnis "nur" die "Energie", die zu einem Motiv führt; schließlich ist die so genannte prädezisionale Motivationsphase diejenige, die zu einem Motiv führt: der Rubikon wird überschritten, wenn ein Mensch sich für dieses Motiv entscheidet. In dem Modell von Fuermetz existiert das Motiv allerdings schon vor dieser Entscheidung. So hat Heckhausen das nicht gemeint. Und wenn man es genau überdenkt, ist diese Anordnung auch unsinnig.
Boshafterweise kann man gerade das Fehlen der "weichen" Phasen des Rubikon-Modells (also der ersten und der letzten Phase, der prädezisionalen und postaktionale Motivationsphase) als ein Zeichen ansehen, dass hier ein blindes Vor-sich-hin-wurschtel gelehrt wird.

mein Zettelkasten

Nun füge ich schon seit Wochen fleißig die neuen Zettel in meinem Zettelkasten ein. Da ich aber letztes Jahr im Sommer so viel kommentiert habe und dies durch das Spracherkennungsprogramm so schnell ging, habe ich noch eine Menge Arbeit vor mir, neben all den anderen kleineren und größeren Tätigkeiten.
Gestern Abend habe ich allerdings das gemacht, was ab und zu auch mal notwendig ist: der Zettelkasten hat keine Rechtschreibüberprüfung und so wandle ich ihn immer mal wieder in ein Textdokument um, das ich überprüfen kann. Ich habe gestern Abend also ganz profan Fehler im Zettelkasten beseitigt.
Daniel arbeitet an einer neuen Version, auf die ich mich freue. Bisher hat man noch den HTML-Code im Eingabefenster stehen. Demnächst soll es ein WYSIWYG geben. Zudem wird die Datenbank umstrukturiert, so dass der Zettelkasten nicht immer alle Zettel laden muss. Das dürfte für die Geschwindigkeit des Zettelkastens von großem Vorteil sein. Ich habe mittlerweile so viele Zettel, dass er trotz meines hervorragenden Computers manchmal ganz schön schleicht.


03.01.2011

By the way:

Fröhliches neues Jahr!

Semiogene Romane, metasprachliche Transformationen

Diese Kraft des Labyrinths ist die der ERZÄHLUNG: starke, glühende Narrativität → Eine vage, verschwommene Erzählung: fruchtbarer Boden für das Gedeihen von Symbolik (semiogen), während eine starke, sehr gut gegliederte Erzählung das Symbolische blockiert → Nötig wäre eine Abteilung der NARRATOLOGIE, die sich mit den differentiellen narrativen Intensitäten beschäftigen würde → Labyrinth (vgl. Detienne) = mythos = einzige Geschichte (ohne Verzweigung): absolut erinnerbar → Überschuss an Gedächtnis: lähmt, fasziniert, blockiert die metasprachliche Transformation - das, was Mannoni das »Verstehen« nennt → Labyrinth = nichts zu verstehen (lässt sich nicht resümieren).
Barthes, Roland: La Préparation du Roman, auf deutsch: Die Vorbereitung des Romans, Frankfurt am Main 2008, S. 200.
Es ist schade, dass ich dieses Zitat nicht schon früher kannte. Während meines Studiums habe ich meiner Professorin in Literaturwissenschaft eine Arbeit über Konsalik vorgeschlagen. Das führte zu einem recht entsetzten Gesicht. Tatsächlich war diese Arbeit aber gut und hat die Professorin überzeugt. Ich habe damals zum Arzt und zur Wunde geschrieben (und von dort her kommt unter anderem die Methode, Symbole in Texte hineinzukonstruieren, wie etwa bei Pans Labyrinth).
Hätte ich das Zitat früher bekannt, hätte ich besser für meine Arbeit argumentieren können. Tatsächlich schreibt Konsalik "schlechte" , d.h. verschwommene Romane. Gerade dadurch eröffnen sie aber eine Spielwiese für metasprachliche Transformationen. Es gibt viel an ihnen zu verstehen.
Andererseits kann man natürlich jeden Text problematisieren, d.h. mit den entsprechenden Methoden in einem Zustand der Unruhe überführen.

Argumentationen sind …

... geordnete Mengen von Sätzen.
So einfach, lieber Herr P. (und natürlich alle anderen), kann man das definieren.


Minecraft

Mit diesem Spiel habe ich in den letzten Tagen zu viel Zeit verplempert.

Kokons & Labyrinthe

Vor über zwei Jahren habe ich zu Pans Labyrinth einige Anmerkungen geschrieben. Damals ging es um Metamorphosen und Serien. Seit einigen Tagen notierte ich wieder zahlreiche Ideen zu diesem Film und zu Avatar - Aufbruch nach Pandora. Avatar zeigt (ich sagte es schon) bemerkenswerte Korrespondenzen zu Pans Labyrinth, so zum Beispiel das ganze Spiel der Metamorphosen, die sich in mehreren konflikthaften Serien überkreuzen. 

Kokons
Camerons Filme sind für eine bestimmte Form der Metamorphose sowieso sehr fruchtbar, die man unter dem Begriff des Kokons zusammenfassen könnte. Sowohl die Raumschiffe, als auch die U-Boote, sowohl die Roboter, in die sich die Menschen setzen, als auch die Menschen selbst (Aliens) können solche Kokons, solche Laboratorien der Transformation sein. Am deutlichsten wird dies an Jack Sully in Avatar.
Dabei ist Kokon ein Begriff, der ein Verhältnis beschreibt, das zugleich zeitlich und räumlich ist. Zumindest in einigen Fällen organisiert sich dieses Verhältnis über die Opposition von "Tätigkeiten", so zum Beispiel die technischen Kokons in Avatar, die zugleich träumen/wachen in zwei parallel geführten Serien organisieren, oder die Parasiten in Aliens, die leben/sterben in eine konflikthaften Konvergenz treiben.
Verwandt sind Begriffe wie Prothese (zum Beispiel der Rollstuhl von Jack Sully) oder Parasit.


Labyrinthe
Doch das nur so nebenbei.
In Pans Labyrinth verirren sich die Menschen in verschiedenen schrecklichen Labyrinthen. Diese lassen sich (wie jedes Labyrinth) geometrisch beschreiben, sind jedoch im Unterschied zur "reinen" Geometrie nicht abstrakt ideell, sondern konkret ideell.
Die erste Form des schrecklichen Labyrinths ist die leere Fläche. Sie kann ein weißes Blatt, aber auch eine unbemalte Wand sein. Ihr fehlt jeglicher Anhaltspunkt; ihr Horror ist die Gleichwertigkeit jeglicher Wahl. Jedes dieser Labyrinthe hat einen Bezug zur Unverantwortlichkeit. Die leere Fläche kann deshalb zu keiner Verantwortlichkeit führen, weil der Raum unstrukturiert ist. Auf der anderen Seite führt natürlich jedes Ereignis, das diese Leere "beschreibt", bzw. eine Markierung in diese setzt, zu einer schrecklichen Eindeutigkeit. Diesem ersten Ereignis fehlt die "Grammatik", der Bezug zu anderen, ähnlichen Ereignissen.
Die zweite Form des schrecklichen Labyrinths ist der einzelne Punkt. Die schwangere Mutter, das Versteck der Partisanen, die Vorratskammer, die Höhle der Kröte: all dies sind einzelne Punkte. Er bildet eine Art Hohlraum, in dem der einzelne nicht nur ein gesperrt wird, sondern indem er sich auch gleichsam von außen nach innen stülpt. Der Mensch verfängt sich in seinem eigenen Denken. Die Szene mit der Kröte ist schon nicht mehr Symbol dieses Zustands, sondern sein Exzess. Am Ende erbricht sich die Kröte und bleibt als leere Haut zurück.
Auch diese Art des Labyrinths hat ihren Bezug zur Verantwortungslosigkeit: der Raum wird asozial, ohne den anderen. Im Film kann man dies wunderbar an Mischformen studieren, so zum Beispiel bei der Mutter, die sich gegenüber Ophelia mehr und mehr abkapselt und schließlich stirbt (Sarg = Punkt = Labyrinth). Gegenüber dem Hauptmann dagegen spielt sie das leere Blatt, während die Schwangerschaft zu der dritten Form des Labyrinths führt.
Die dritte und letzte Form des Labyrinths ist die gerade Linie. Die gerade Linie bietet überhaupt keine Wahlmöglichkeiten. Sie entsteht aus den Begrenzungen durch Zwang oder erpresserische Liebe, aus der Notwendigkeit des Sieges oder der Säuberung, aus dem Willen zu überleben oder der Angst vor dem Tode. Oft ist die gerade Linie mit einem Ultimatum verknüpft, das mehr oder weniger präzise gestellt wird. So muss das Essen um 7:00 Uhr abends auf dem Tisch stehen und der Sohn schließlich geboren werden. Auch die märchenhaften Aufgaben des Pans sind an eine konkrete Reihenfolge und ein eindeutiges Ultimatum geknüpft.


Die Schrift
Es gibt allerdings zu allen drei Formen des Labyrinths eine vierte Form, die der Schrift. Die Schrift stellt sich den Geometrien des Schreckens gegenüber, weil sie interpretiert werden muss. Sie hat eine Grammatik. Daraus (aus der Interpretation) entsteht die Verantwortung. Zugleich ist es die Grammatik, die das einzelne Zeichen singularisiert, aktualisiert und konkretisiert, indem sie es in ein einzigartiges Netz von Konfigurationen einspinnt.
Roland Barthes schreibt in Bezug auf Marcel Proust, bei ihm tauche das Labyrinth als syntaktische Struktur auf (in: La Préparation du Roman). Daran arbeite ich zur Zeit.