Über den Blog meines sehr geschätzten Kollegens Udo Seelhofer bin ich auf den Blog von Reziratte gestoßen und dort auf eine Hörspielserie, in der Sigmund Freud die Hauptfigur darstellt. Leider ist das ganze eine Art von Krimi, eine Verwurstung der historischen Figur und zeigt (zumindest lassen die Rezensionen darauf schließen) starke Ähnlichkeiten mit der literarischen Figur des Sherlock Holmes.
30.10.2011
28.10.2011
Arroganz des Sozialwissenschaftlers
Eine Lernstrategie muss immer reduktiv vorgehen: Sie muss über Zusammenhänge vereinfachen. (Mit Lernstrategien umzugehen gehört also dicht an die Strukturwissenschaften herangetragen: an die Mathematik und die Logik. Zusammenhänge erkennen ≠ nachahmen/nachplappern; dies die Arroganz der Sozialwissenschaftler: Sie ersetzen die ungleich komplexere (diffusere) Logik des sozialen Lebens durch die Nachahmung von "demokratischen"/"kritischen" Meinungen.)
(Dies ist ein Kommentar, den ich vor anderthalb Jahren geschrieben habe. Da ich gerade etwas zu Lernstrategien schreibe, kam er mir wieder auf den Schreibtisch. Später, ich glaube diesen April, habe ich nochmal Notizen zu dem Thema gemacht, wie mimetisch die Meinung sein darf und wie "hilfreich" es ist, mit Meinungen zu brechen oder zu provozieren.)
(Dies ist ein Kommentar, den ich vor anderthalb Jahren geschrieben habe. Da ich gerade etwas zu Lernstrategien schreibe, kam er mir wieder auf den Schreibtisch. Später, ich glaube diesen April, habe ich nochmal Notizen zu dem Thema gemacht, wie mimetisch die Meinung sein darf und wie "hilfreich" es ist, mit Meinungen zu brechen oder zu provozieren.)
27.10.2011
Frustriert
Frustriert bin ich, weil ich mich heute mit einem Kollegen unterhalten habe.
Er wollte mit mir Inhalte eines Fortbildungstages absprechen, kam dann mit einer recht seltsamen Interpretation der Neurophysiologie und als ich ihm sagte, dass das so nicht richtig sei und dass er in seinen Schlussfolgerungen für die Praxis lieber auf Erfahrungswerte zurückgreifen solle, sagte er fast wörtlich zu mir:
Das sei doch egal. Das könnten die [also die Teilnehmer] eh nicht überprüfen und Gehirn verkaufe sich immer gut.
Liebes Leben! Wie war das mit den griechischen Schauspielen? Erst kam die Tragödie, dann der Bocksgesang. Nicht umgekehrt.
Er wollte mit mir Inhalte eines Fortbildungstages absprechen, kam dann mit einer recht seltsamen Interpretation der Neurophysiologie und als ich ihm sagte, dass das so nicht richtig sei und dass er in seinen Schlussfolgerungen für die Praxis lieber auf Erfahrungswerte zurückgreifen solle, sagte er fast wörtlich zu mir:
Das sei doch egal. Das könnten die [also die Teilnehmer] eh nicht überprüfen und Gehirn verkaufe sich immer gut.
Liebes Leben! Wie war das mit den griechischen Schauspielen? Erst kam die Tragödie, dann der Bocksgesang. Nicht umgekehrt.
Araberweg
Heute bin ich ziemlich frustriert. Dabei war ich vorher noch lustig. Bleiben wir bei der zeitlichen Reihenfolge.
Ich fuhr heute zu einer Besprechung. Auf dem Weg dorthin haben drei junge Araber den ganzen Gehweg samt Fahrradweg versperrt.
Ich: Das ist ein Fahrradweg, kein Araberweg.
Eins: Was willst du? (im besten klischeehaften Tonfall)
Ich: Fahrradweg.
Eins: Warum sagst du dann Araberweg?
Zwei (zu Eins): Der hat doch gesagt, dass das kein Araberweg ist.
Eins: Warum machst du Witz, über den man nachdenken muss?
Ich fuhr heute zu einer Besprechung. Auf dem Weg dorthin haben drei junge Araber den ganzen Gehweg samt Fahrradweg versperrt.
Ich: Das ist ein Fahrradweg, kein Araberweg.
Eins: Was willst du? (im besten klischeehaften Tonfall)
Ich: Fahrradweg.
Eins: Warum sagst du dann Araberweg?
Zwei (zu Eins): Der hat doch gesagt, dass das kein Araberweg ist.
Eins: Warum machst du Witz, über den man nachdenken muss?
26.10.2011
Lesekompetenz
Ich habe gestern Abend meine ganze Schrift zur Lesekompetenz noch einmal in eine Mindmap umgesetzt und diese begonnen, neu zu verschriftlichen. Ich bin jetzt bei knapp 10.000 Wörter. Wahrscheinlich schreibe ich heute nochmal 5000 dazu. Das hört sich viel an, ist aber nicht so viel, wenn man bedenkt, dass ich mich mit diesem Thema gut auskennen. Zudem habe ich den Text ja schon einmal geschrieben und möchte nur ein wenig die Struktur und die Atmosphäre verändern. Neulich sagte ein Kunde zu mir, meine Texte läsen sich wie ein schöner Vortrag. Das liegt natürlich auch daran, dass ich über das Spracherkennungsprogramm sehr dicht an der Mündlichkeit bleibe, auch mit allen ihren Schwächen, Wiederholungen zum Beispiel oder alltagssprachlichen Wendungen, die man in (populär-)wissenschaftlichen Texten nicht erwartet.
25.10.2011
Hyperbeln bei Thomas Bernhard
Insbesondere wird aber die von ihm virtuos-aggressiv gehandhabte Übertreibung zu einer sprachlichen Massenvernichtungswaffe, die großflächig ihre diskursiven Angriffspunkte mit Superlativen und Verallgemeinerungen auszulöschen vermag, indem sie ihre Differenzen tilgt oder sie zum Implodieren bringt, zugleich aber auch den Standort des Sprechers zu sprengen droht; denn Bernhards Hyperbeln sind selbstreflexiv und zeigen im Rahmen seiner “Sprache der Ausschließlichkeit” die totalitäre “Anmaßung” hinter jeder sich allgemein gerierenden Aussage.aus Ruthner, Clemens: Macht-Spiele
Besonders fasziniert bin ich von den ähnlichen Schlussfolgerungen, die der Autor über die Hyperbel/Übertreibung aufstellt.
Außerdem mein Tag:
Lektoriert (nichts aufregendes), ein Cover gemacht, geschrieben
Etwas Lustiges oder Sinnvolles zu erzählen gibt es nicht.
Etwas Lustiges oder Sinnvolles zu erzählen gibt es nicht.
Habe ich eigentlich …
… schon erzählt, dass ich mir ein weiteres Buch von Roland Barthes gekauft habe? Das Reich der Zeichen. Frankfurt am Main 1981. Jetzt fehlt mir eigentlich nur noch Über mich selbst.
24.10.2011
Schlechte Charaktereigenschaften und Führungsqualität
Schlechte Charaktereigenschaften bringen Menschen in die Chefetage. Das haben Forscher der University of Nebraska herausgefunden. "Wir haben uns die dunkle Seite des Charakters angeschaut und wie sie die Leistung und Entwicklung von Führungspersönlichkeiten beeinflusst", berichtet Studienautor Peter Harms. Das Ergebnis: Menschen, die zum Überdramatisieren und zu Narzissmus neigen, die häufig andere kritisieren und die extrem auf die Einhaltung von Regeln achten, steigen eher in Führungspositionen auf als solche, die diese negativen Charaktereigenschaften nicht haben. Die Wissenschaftler hatten 900 Soldaten der US-Offiziersschmiede West Point über Jahre untersucht. "Zusammengenommen spielten die negativen Eigenschaften eine wichtige Rolle dabei zu bestimmen, welche Kadetten Führungsqualitäten entwickelten", sagt Harms. Waren die negativen Eigenschaften allerdings zu stark ausgeprägt, behinderten sie den Aufstieg. Übergroße Skepsis erschwerte in jedem Fall den Weg nach oben. Das Fazit der Forscher: In Maßen ist ein schlechter Charakter gut für die Karriere.Eigentlich ziemlich erschreckend.
Aber ich kann es nachvollziehen. Ich bin zum Beispiel kein Mensch, der überdramatisiert. Gerade in Bezug auf mich neige ich eher zur Untertreibung und zu Rücksicht und Höflichkeit. Gedankt wird einem das selten. Und wenn ich einen Kunden anpflaume (zum Beispiel, weil er seine Übungen nicht macht und über das, was er schreibt, nicht nachdenken möchte), habe ich doch relativ häufig einen guten Erfolg damit. Nicht, dass ich das gerne tun würde. Aber es wirkt.
Warum ich mich gerade damit beschäftige? Immer noch wegen der Hyperbel. Mittlerweile aber auch: Humor. Ich systematisiere gerade alle meine Anmerkungen im Zettelkasten zum Thema Humor und Witz. Systematisieren heißt in diesem Falle nicht: ordnen; sondern aufdecken, wo und wie die rhetorische Figur der Hyperbel gebraucht wird. Ansonsten springe ich (wie es mir mein Zettelkasten vorgibt) von Camilleri (Commissario Montalbano) über Wilhelm Busch über Liechtenstein und Heine, Bastian Sick, Eoin Colfer (Artemis Fowl). Selbst Schopenhauer! Doch wer Schopenhauer gelesen hat, wird das nicht so ungewöhnlich finden. Er ist ein brillanter Spötter!
23.10.2011
Hyperbel und Pornografie
In den letzten drei Tagen (ich sagte es ja schon) habe ich mich mit der Hyperbel beschäftigt. Jetzt habe ich dazu drei Artikel geschrieben:
Ein Artikel allerdings fehlt noch: der zur masochistischen Hyperbel. Dieser bezieht sich auf Gilles Deleuze und seinen Aufsatz "Sacher-Masoch und das Problem des Masochismus". Im Moment bin ich aber von der vielen Denkerei etwas abgeschlafft. Außerdem reichen ja wohl drei Artikel zu Rhetorik und zur Gender-Theorie.
22.10.2011
Gute Parade
Aus der Krimiserie "Life", erste Staffel, erste Folge:
"Haben Sie nichts besseres zu tun?"Ebenfalls sehr schön:
"Nein, im Moment nicht."
"Machen Sie sich lustig über mich?"
"Das ganze Universum macht sich lustig über uns."
"Warum sollte sich das Universum über uns lustig machen?"
"Vielleicht ist es unsicher."
20.10.2011
Das Problem von Hyperbole oder Hyperbel:
Selbst wenn die Hyperbel als "falsch" angesehen wird, suggeriert sie unter der Hand nicht nur, dass es ein richtiges Maß gäbe, sondern vor allem auch, dass es EIN Maß sei.
Und hier müsste man dann auch noch zahlreiche andere, zum Teil recht pragmatische Aspekte mit dazu nehmen, zum Beispiel wie sich der Sprechende durch eine Hyperbel inszeniert.
Eventuell: die Hyperbel als Paralogismus, als eine Extrapolation. Natürlich ist die Extrapolation bereits eine Übertreibung, da sie einen Aspekt bevorzugt und alle anderen möglichen Aspekte vernachlässigt. Sie bezeichnet auf der logischen Ebene das falsche Lesen, das tendenziöse Lesen.
Das tendenziöse Lesen kann auch polemisch gemeint sein.
Zum Beispiel:
Dabei geht es aber nicht nur darum, ein positives Objekt zu erstellen (das wohl am wenigsten), sondern vor allem ein interessantes (der Ödipus, die Weiblichkeit, um zwei typische Beispiele von Freud zu zitieren) oder ein gefährliches (wie Scholz in den Spielregeln des Lebens die Wissenschaft als ein nur scheinbar hilfreiches Objekt, in Wirklichkeit aber ein verlogenes, neurotisches und irreführendes Objekt einführt).
Das Problem von Aufzählungen: auch sie setzen gleich, allerdings setzen sie Funktionen gleich. Man kann dies ab Seite 7 bis Seite 9 gut studieren: beispielhaft werden Fehlentwicklungen unserer Gesellschaft gebrandmarkt und dabei unterstellt, dass alle die gleiche Wurzel haben. Hier werden nicht nur einzelne Symptome miteinander vermischt, sondern diese Symptome auch als Einheit gesehen. Tatsächlich aber sind es metaphorisch arbeitende Textabschnitte, die zwei Beispiele in einer ähnlichen Art und Weise gleichsetzen, wie die Metapher zwei Wörter "gleichsetzt".
Solche metaphorischen Gleichsetzungen sind alleine deshalb schon gefährlich weil zum Beispiel die Unzufriedenheit, auch die zielelose Unzufriedenheit, so der psychiatrischen Erkrankung ähnlich erscheint. Zumindest könnte man beim Lesen des Textes darauf kommen (Seite 7).
Die metaphorische Gleichsetzung von Textpassagen stellt auf der Ebene der Textrhetorik das dar, was auf der Ebene der Argumentation entweder einen Bruch oder eine Parenthese ist.
(Die Parenthese müsste ich auch noch einmal genauer untersuchen, bzw. den Exkurs. Gerade hier erscheint mir Robert Walser seit Jahren als ein mögliches zentrales Forschungsobjekt.)
Im übrigen ist das Zitat von Deleuze/Guattari schon allein deshalb klasse, weil auch Scholz (ähnlich wie Freud) mit dem Mangel arbeitet, mit einem (wissenschaftlichen) Wissen, das sich als Vollständigkeit behauptet, in Wirklichkeit aber die wichtigen Aspekte des Lebens nicht thematisiert, ja diese sogar verdrängt.
Und hier müsste man dann auch noch zahlreiche andere, zum Teil recht pragmatische Aspekte mit dazu nehmen, zum Beispiel wie sich der Sprechende durch eine Hyperbel inszeniert.
Eventuell: die Hyperbel als Paralogismus, als eine Extrapolation. Natürlich ist die Extrapolation bereits eine Übertreibung, da sie einen Aspekt bevorzugt und alle anderen möglichen Aspekte vernachlässigt. Sie bezeichnet auf der logischen Ebene das falsche Lesen, das tendenziöse Lesen.
Das tendenziöse Lesen kann auch polemisch gemeint sein.
Zum Beispiel:
"Er [die triadische Form des Ödipus] beruht auf dem Paralogismus der Extrapolation, der die formale Ursache von Ödipus begründet und dessen Illegitimität insgesamt auf folgender Operation lastet: von der signifikanten Kette ein transzendentes ganzes Objekt, gewissermaßen als despotischen Signifikanten, von dem in der Folge die ganze Kette abzuhängen scheint, herauszuziehen, einer jeden Wunschposition einen Mangel zuzuschreiben, den Wunsch an das Gesetz zu schmieden, die Illusion einer Ablösung zu erzeugen."
(Deleuze/Guattari: Anti-Ödipus, Seite 142)
Dabei geht es aber nicht nur darum, ein positives Objekt zu erstellen (das wohl am wenigsten), sondern vor allem ein interessantes (der Ödipus, die Weiblichkeit, um zwei typische Beispiele von Freud zu zitieren) oder ein gefährliches (wie Scholz in den Spielregeln des Lebens die Wissenschaft als ein nur scheinbar hilfreiches Objekt, in Wirklichkeit aber ein verlogenes, neurotisches und irreführendes Objekt einführt).
Das Problem von Aufzählungen: auch sie setzen gleich, allerdings setzen sie Funktionen gleich. Man kann dies ab Seite 7 bis Seite 9 gut studieren: beispielhaft werden Fehlentwicklungen unserer Gesellschaft gebrandmarkt und dabei unterstellt, dass alle die gleiche Wurzel haben. Hier werden nicht nur einzelne Symptome miteinander vermischt, sondern diese Symptome auch als Einheit gesehen. Tatsächlich aber sind es metaphorisch arbeitende Textabschnitte, die zwei Beispiele in einer ähnlichen Art und Weise gleichsetzen, wie die Metapher zwei Wörter "gleichsetzt".
Solche metaphorischen Gleichsetzungen sind alleine deshalb schon gefährlich weil zum Beispiel die Unzufriedenheit, auch die zielelose Unzufriedenheit, so der psychiatrischen Erkrankung ähnlich erscheint. Zumindest könnte man beim Lesen des Textes darauf kommen (Seite 7).
Die metaphorische Gleichsetzung von Textpassagen stellt auf der Ebene der Textrhetorik das dar, was auf der Ebene der Argumentation entweder einen Bruch oder eine Parenthese ist.
(Die Parenthese müsste ich auch noch einmal genauer untersuchen, bzw. den Exkurs. Gerade hier erscheint mir Robert Walser seit Jahren als ein mögliches zentrales Forschungsobjekt.)
Im übrigen ist das Zitat von Deleuze/Guattari schon allein deshalb klasse, weil auch Scholz (ähnlich wie Freud) mit dem Mangel arbeitet, mit einem (wissenschaftlichen) Wissen, das sich als Vollständigkeit behauptet, in Wirklichkeit aber die wichtigen Aspekte des Lebens nicht thematisiert, ja diese sogar verdrängt.
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