- kopulative Verknüpfungen: diese fügen einen Sachverhalt zu einem anderen hinzu, ergänzen einen Sachverhalt oder summieren mehrere Sachverhalte (zu einem)
- disjunktive Verknüpfungen: diese nennen eine oder mehrere Alternativen, stellen diese zur Wahl und/oder lassen die Entscheidung für diese Alternativen offen
- adversative Verknüpfungen: diese setzen Aussagen einander entgegen, kontrastieren Aussagen oder korrigieren eine durch eine Aussage hervorgerufene Erwartung
- konzessive Verknüpfungen: hier wird in einer ersten Aussage ein Zugeständnis gemacht, der in einer zweiten Aussage (graduell) entgegengetreten wird
- explikative, spezifizierenden oder exemplifizierende Verknüpfungen: eine erste Aussage wird durch eine zweite Aussage erklärt, präziser ausgedrückt oder durch ein konkretes Beispiel erläutert
- restriktive Verknüpfungen: eine erste Aussage wird durch eine zweite eingeschränkt, in ihrer räumlichen, zeitlichen, sachlichen oder sozialen Reichweite
- komparative Verknüpfungen: eine erste Aussage wird erklärt durch den Vergleich mit einer zweiten Aussage
- temporale Verknüpfungen: diese orientieren über die Zeitbeziehung im Satzinhalt und im Kontext
- komitative Verknüpfungen: diese beschreiben einen Sachverhalt durch ein notwendiges Miteinander, entweder, indem zwei Sachverhalte vorliegen müssen, um zusammen eine Wirkung zu bilden, oder indem zwei Sachverhalte sich wechselseitig bedingen
- instrumentale Verknüpfungen: diese erklärt, wie man eine Handlung durch ein bestimmtes Mittel, bzw. einen Zweck durch einen bestimmte Handlung erreicht
- finale Verknüpfungen: hier wird durch eine (instrumentale) Handlung erklärt, welchen Sachverhalt als Zweck oder Ziel jemand erreichen will
- konsekutive Verknüpfungen: hier wird ein als Tatsache genommener Sachverhalt dadurch erklärt, dass eine Folge behauptet oder erwartet wird
- kausale Verknüpfungen: eine in einer ersten Aussage beschriebene Ursache wird durch eine in einer zweiten Aussage beschriebene Folge ergänzt
- konditionale Verknüpfungen: aus einem als möglich vorausgesetzten Sachverhalt oder einer als möglich vorausgesetzten Regel wird ein bedingter folgender Sachverhalt vorausgesagt oder auf dessen mögliches Erscheinen hingewiesen
- metakommunikative Verknüpfungen: eine zweite Aussage erklärt die Bedeutung oder Ausdrucksweise einer ersten Aussage
25.10.2010
Semantische Klassen 2
Semantische Klassen
Mit diesen hüpfe ich gerade zwischen Aebli (Zwölf Grundformen des Denkens), Wilks (Verlockende Gefahr) und einigen weiteren Autoren hin und her. Rousseaus Emile gehört dazu, allerdings nur eine ganz kurze Passage über die Aufmerksamkeit von Säuglingen, und einiges aus den Tagebüchern von Anais Nin. Jonathan Cullers Dekonstruktion habe ich zumindest stellenweise gelesen, aber noch nicht genau durchkommentiert, und einen Aufsatz von Michel Foucault (Ein Spiel um die Psychoanalyse).
Die Vorlesungen von Michel Foucault
Gerade Michel Foucault erscheint mir als ein besonders fruchtbarer Autor für eine Analyse anhand semantischen Klassen. Anders als Hans Aebli zersplittert er die Begriffe, löst sie in Argumentationen auf und erweitert oder verengt ihren Geltungsbereich. Im Gegensatz zu Foucault wirkt Aebli von seinen Argumentationen monoton. Ähnlich wie Foucault kann man die Vorlesungen von Sigmund Freud als von den semantischen Verknüpfungen her reich bezeichnen.Das liegt unter anderem daran, dass Foucault und Freud viel "dialogischer" schreiben, und dadurch ein sehr viel stärkeres Spiel von Argumenten aus verschiedenen Blickwinkeln entfalten.
Dialoge schreiben
Dialoge sind für viele Autoren das Eichmaß ihrer Qualität. Und, so kann ich dazusetzen, obwohl ich selbst mittlerweile ganz schöne Dialoge zustande bringe, so fällt es mir doch schwer, zu vermitteln, wie ich das tue. Für meine Kunden habe ich zwar einen ganz gutes Schema, das sich an Konflikten entlanghangelt (und dass ich witzigerweise aus einem Schema zur Lösung von Bürgerkriegskonflikten der UNO abgeleitet habe), aber mir war bis jetzt immer noch nicht so ganz klar, wo dann trotzdem die Qualitätsunterschiede in Dialogen herstammen.Die letzten Stunden habe ich damit verbracht, explizite und implizite Propositionen in dem oben genannten Roman von Wilks zu analysieren, und hier die verschiedenen semantischen Verknüpfungen zu identifizieren. Dabei zeigt sich, dass die (sehr schönen) Dialoge bei Wilks recht komplex verknüpft sind, und dadurch (vermutlich) ihre Dramatik erhalten.
Übrigens wirkt diese Herangehensweise, die ich pflege, nämlich die analytische, auch eine Gefahr: mit der Dramatik ist es wie mit dem Witz. Versucht man, diese zu erklären, verschwindet sie. Nichtsdestotrotz: in den nächsten Tagen werde ich wohl einige konkretere Fragmente dazu veröffentlichen.
Aebli
23.10.2010
Gefühle als dynamische Figuren
"Gefühle kann man nicht direkt erzeugen, so wie man Gedanken erzeugen kann. Es gibt auch kein Sprechen über Gefühle neben dem Sprechen über die Sache. Selbst wenn wir über Gefühle sprechen, so tun wir das in sachlichen Begriffen. Auch ist das Sprechen über Gefühle selbst kein Gefühl, und es erzeugt es in der Regel nicht. Im Gegenteil: Jedermann weiß, dass das Sprechen über Gefühle dieser häufig gerade zerstört."Aebli, Hans: Zwölf Grundformen des Lehrens, Seite 135Eine ärgerliche Darstellung, genauso wie die Darstellung zur Lebendigkeit des Erzählens ab Seite 37.
Kognitionen und Emotion
Worum Aebli sich hier drückt, ist eine präzisere Verbindung zwischen Gefühlen und Gedanken. Für mich kulminiert dieser ganze Absatz in der Hyperbel "zerstören". Man weiß, zumindest heute, dass Gefühle ein hochkomplexes Netzwerk darstellen, deren Beziehung zum Denken zwar nicht präzise geklärt ist, aber deren ständige Verstricktheit in kognitive Vorgänge nicht mehr weggeleugnet werden kann.
Das allerdings bestreitet Aebli auch nicht.
Die Frage, was mit dem Begriff der Zerstörung hier überdeckt wird, ist die Frage nach der Dynamik der Gefühle und deren kognitiven Reflektion. Denn der Eindruck, dass die Gefühle verschwinden, wenn man über sie nachdenkt, sie reflektiert, oder mit jemandem darüber spricht, entsteht nicht dadurch, dass Reden die Gefühle "kaputt macht", sondern dadurch, dass der Fokus der Aufmerksamkeit auf dem Wandel der Gefühle liegt (auch das ist eine höchst vage Umschreibung, ich weiß).
Gefühle und Aufmerksamkeit
Man hat es hier mit einem doppelten Kontrast zu tun. Normalerweise schenkt man seinen Gefühlen im tagtäglichen Leben nicht so viel Aufmerksamkeit, sondern nimmt sie hin. Durch dieses Aufmerken auf die eigenen Gefühle werden sie kognitiv fassbarer. Zugleich entsteht aber eine andere Differenz, die durch den ständigen Wandel der Gefühle, durch ihr "Fließen" erzeugt wird. Unterscheidet man diese beiden Kontraste nicht, dann entsteht der Eindruck, dass ein Gefühl "kaputt geht", "zerstört wird", sobald man ihm Aufmerksamkeit schenkt.
Und bei diesem Aufmerksamkeit-schenken ist es wiederum so, dass die diesen Vorgang begleitenden Gefühle "unterhalb" der entsprechenden Kognition liegen und dadurch latent werden. Man müsste von hier aus jeweils immer wieder auf das entsprechende Gefühl fokussieren, ein mühsamer, und, wie ich mir das vorstelle, unfruchtbarer Vorgang.
Verdinglichung der Gefühle
Es ist auf der einen Seite ärgerlich, dass bestimmte Kognitionspsychologen (und Aebli gehört dazu) den Gefühlen einen so mythischen Status einräumen (insgesamt sind Aeblis Bücher von "genialischen" Passagen durchzogen, die beim näheren Durchdenken ziemlich krude werden). Auf der anderen Seite sind solche Menschen ärgerlich, die behaupten, oder es einfach praktizieren, dass Gefühle immer offen und auf einfache Weise reflektiert werden könnten. Sowohl diejenigen, die nicht an den Gefühlen rühren wollen, wie diejenige, die ständig an ihnen rühren, verdinglichen diese Gefühle und sehen sie nicht als "dynamische Figuren in einem Prozess".
Dies ist auch mit einer der Gründe, warum ich der so genannten emotionalen Intelligenz überhaupt keinen Wert beimesse.
Seltsam ist auch, …
Das ist aber auch meiner Lust am Herumwühlen geschuldet. Mit Dragon NaturallySpeaking ist es so einfach geworden, von Text zu Text zu hüpfen und trotzdem immer genau die Fundstelle zu bezeichnen, dass ich im Moment einfach nur am produzieren bin, kommentierte, assoziiere und wenig Lust an fertigen Texten habe.
Adam Faust, und ich: Ghostwriter
Zudem habe ich zur Zeit einen "lustigen" Auftrag. Ich bin Ghostwriter für Adam Faust, so jedenfalls sein "Künstler"Name, einem wohl ziemlich exklusiven Callboy.
Wir verstehen uns gut, lachen viel, und die Geschichten, die er erzählt, sind ziemlich unglaublich. Die meisten seiner (wirklich reichen) Kundinnen kenne ich nicht. Eins aber weiß ich ziemlich genau, wenn ich mir seine Geschichten anhöre: Geld verdirbt wirklich den Charakter, und garantiert auch keinen besseren Sex.
Nora Roberts
Das allerdings dürfte nicht weiter wundern, da die Bücher von Roberts teilweise völlig wirr sind, und die Frauengestalten so seltsam unterwürfig, zumindest aber charakterlos, dass man keiner Frau diese Romanfiguren als Vorbild wünscht. Dagegen ist die Heldin von Wilks eine Frau, die denkt! Sie ist widersprüchlich, weiß darum, ist intelligent, hat aber auch ihre Mucken, und ihre einzige Lebensaufgabe besteht in allem möglichen anderen, als einen Kerl ins Bett und sich selbst in den Hafen der Ehe zu bringen.
Anders gesagt: Wilks schreibt gut, Roberts schlecht.
Verlockende Gefahr
Meine Sache sind sie nicht. Zum Glück sind meine Kundinnen, die solche Romane schreiben wollen, sehr nett.
Wolf Shadow
Seit gestern bin ich allerdings auf eine kleine Perle stoßen, einen - für einen unterhaltsamen - gut geschriebenen Roman mit einer ordentlichen Leserorientierung, einer guten Charakterzeichnung, und einer, wenn auch auf den typischen Konventionen beruhenden, spannenden Geschichte.
Die Autorin heißt Eileen Wilks, der Roman ist der erste aus einer Reihe, die sich Wolf Shadow nennt, und der Titel lautet Verlockende Gefahr.
Die Sätze von Wilks sind teilweise ganz wunderbar. Einige ihrer Sätze mitten im Roman eignen sich wundervoll für neue erste Sätze in anderen Geschichten. Hier der erste Satz aus diesem Roman:
"Viel war von seinem Gesicht nicht mehr übrig."Auf der einen Seite ist dieser Satz eine Art "Schock", weil er indirekt auf eine höchst brutale Gewalt hinweist, und auf der anderen Seite lässt dieser Satz eine ganze Menge offen.
Regel für erste Sätze: Überschreitung der Norm und Unklarheit!
11.10.2010
Zitat
Das Erforschliche in Worte sieben; das Unerforschliche ruhig veralbern ...Arno Schmidt: Seelandschaft mit Pocahontas
05.10.2010
Udo Reiter und Sarrazin
Udo Reiter twittert
"Einheitstag 2030: Bundespräsident Mohammed Mustafa ruft die Muslime auf, die Rechte der Deutschen Minderheit zu wahren."
Die Richtung der Parodie
Shitstorm
Parodie lernen
01.10.2010
Ein toller Satz!
»Sie duftete nach Seife und wirkte frisch und geschlechtslos.«
Gefunden in Roberts, Nora: Der Maler und die Lady, Seite 32.
Übrigens bin ich sowieso immer wieder fasziniert, wie verwirrend diese Geschichten werden, wenn man die Logik ihrer Sätze tatsächlich verstehen will. Ich weiß nicht, ob das nur an der Übersetzung liegt, oder ob diese Verwirrung schon im Original herrscht. Jedenfalls kann man sich rhetorisch unendlich über diese Texte auslassen. Seit gestern kommentiere ich (nebenbei) diesen Roman von Roberts durch.
Hier ist noch ein schöner Fund, diesmal von Seite 31:
»Lara drehte sich um. Durch Zufall oder Absicht fiel das Sonnenlicht auf ihr Profil. In diesem Augenblick sah sie atemberaubend aus. Aufseufzend betrachtete Lara ihr eigenes Gesicht.«
30.09.2010
Stationenunterricht und gute Erklärungen
Vor dem Hintergrund des Konstruktivismus ist das allerdings ein unsinniger Begriff. Denn im Konstruktivismus wird alles Wissen selbstständig angeeignet und alles Wissen basiert zunächst auf Handlungen, die kognitiv abgebildet und symbolisch verkürzt werden, so dass die Handlung schließlich gänzlich durch das Symbol zurückgenommen werden kann. Es gibt also gar nichts anderes als das selbstständige Aneignen von Lerninhalten. Tatsächlich erinnern solche Formulierungen eher an ein double-bind, in der Art, dass der Schüler sich selbstständig die Inhalte erarbeitet, die der Lehrer wünscht.
Tatsächlich erscheint mir der Wirkungszusammenhang zwischen Wissenskonstruktion und Verantwortung für das Lernen umgedreht, und mindestens wesentlich komplizierter. Indem die Stationen den Schülern die Verantwortung für einen bestimmten Aspekt oder ein bestimmtes Material geben, erzeugen sie ein gewisses Bewusstsein für die Selbstständigkeit. So verkürzt scheint das Ganze aber immer noch unsinnig. Man müsste zumindest noch die Rolle der Aufmerksamkeit und der Metakognition genauer beachten. Dies dürfte eine umfassende und weit reichende Aufgabe sein, zunächst für die Theorie, dann für die Praxis (sowohl der diagnostischen als auch der unterrichtlichen Praxis).
Kranz, Joachim/Schorn, Jens: Chemie Methodik. Berlin 2008
Veronika beschließt zu sterben und anderes
Dragon NaturallySpeaking 11.0
Gerade wieder nehme ich (zum vierten Mal) mein Dragon NaturallySpeaking in Betrieb. Am Anfang hatte ich einige Probleme (doch das war bereits im März, als ich so wahnsinnig viel zu tun hatte); jetzt hat mich eine Woche lang ausgebremst, dass die neue Version meine alten Benutzerdaten nicht übernommen hat und ich zahlreiche Vokabeln neu einsprechen musste. Aber es geht wesentlich schneller. Das Programm ist fantastisch.
Chemiedidaktik
Außerdem arbeite ich zur Zeit an der Chemiedidaktik. Dass ich hier so viel Zeit hineinstecke, mag manchen verwundern, doch tatsächlich sind es nicht nur die Inhalte der Chemiedidaktik, die mich interessieren, sondern auch die Querverbindungen zu anderen Themen, so zum Beispiel Kreativität, Kompetenzaufbau oder (aber das erkläre ich hier nicht genauer) zum kreativen Schreiben.
Suite101.de
Mit mal mehr, mal weniger Lust veröffentliche ich Artikel auf suite101.de. Um mich mit Politik zu beschäftigen, jedenfalls grundlegender, fehlt mir zur Zeit die Zeit. Dabei hätte ich schon Lust, hier mehr zu schreiben, und mir fehlt die Lust, weil mir die Gelegenheit fehlt, hier in die Tiefe zu gehen.
Doch gerade die aktuelle Debatte zur Integration braucht mich (und das sage ich mit aller Unbescheidenheit), um hier adäquat die rhetorischen Mechanismen aufzudecken und mit einer Ethik eines "gewissen Pluralismus'" in Verbindung zu bringen. Zumindest habe ich gemerkt (und rege mich darüber nicht auf), dass einige Ideen aus meinen politischen Kommentaren kurz darauf von anderen Autoren aufgegriffen wurden, um nicht zu sagen abgeschrieben. Aber ich rege mich darüber eben deshalb nicht auf, weil auch meine Ideen dazu nicht neu sind, sondern ich womöglich nur der erste war, der sie mit der aktuellen Debatte verbunden hat.
(Und ich höre schon wieder einen meiner Freunde sagen: Du Hengst!)
22.09.2010
Was Amok noch bedeutet
Amok: plötzliche, unmotivierte, wahllose Gewalttaten mit schrecklichen Folgen. Früher eigentlich eher ein Ereignis aus dem Fernen Osten. In letzter Zeit vermehrt aus dem Nahen Osten und den USA. Inzwischen auch in Mitteleuropa, insbesondere in Deutschland und der Schweiz ein Begriff, der Böses ahnen lässt.Drollig, und genauer nachzulesen auf www.psychosoziale-gesundheit.net.