24.05.2019

Grammatik als Heilmittel

Analogiebildung

Dabei, bei der unterstellten Ähnlichkeit, kann man auch von komplexeren Konstellationen ausgehen, etwa, dass es mehrere Elemente gibt, für die eine gewisse Ähnlichkeit unterstellt wird, da sie untereinander zusammenhängen. Wenn diese Elemente dann untereinander auch noch so verbunden sind, wird hier nicht nur mehrfach eine Ähnlichkeit unterstellt, sondern ein ganzes Modell auf eine wahrgenommene Situation oder ein wahrgenommenes Phänomen projiziert. Dies ist dann die Verbindung zur Analogiebildung und zur Wissenschaftlichkeit, die in empathischen Prozessen mit enthalten ist.
Breithaupt macht das dann an dem (berühmten) Beispiel der Fledermaus fest:
Wenn wir etwa versuchen, uns in eine Fledermaus einzufühlen, so das berühmte Beispiel von Thomas Nagel, so tun wir es, indem wir die Gleichartigkeit der Erfahrung unterstellen, und etwa das Echolot in Sicht zurück übersetzen und das Flügelschlagen als Armbewegung auslegen (was es evolutionär ja auch war).
Breithaupt, Fritz: Kulturen der Empathie. Frankfurt am Main 2009, S. 18f.

Grammatik als Heilmittel

Insofern hat aber auch Wittgenstein recht, wenn er die Grammatik, bzw. die Betrachtung der Grammatik als Heilmittel gegen die Empathie, bzw. die unterstellte Ähnlichkeit ansieht. Er fragt immer wieder danach, was wir aus einem Schmerzausdruck schließen können, inwieweit wir in der Lage sind, ihn zu verstehen.
Wenn Wittgenstein also nach Regeln und Gesetzen fragt, dann auch in der Art und Weise, dass er nach der Kombination von Ähnlichkeiten und Differenzen fragt, nach dem Aufbau unserer Welt entlang von Ähnlichkeiten und Differenzen und dass er diese Kombinationen genauestens betrachtet wissen will.