29.06.2015

Schon wieder Göttingen

Ich soll ja nicht über meine Schüler schreiben. Aber mancher Schreibfehler ist einfach zu niedlich:
Aphrodite war eine der Göttingen, die den Trojanischen Krieg ausgelöst hat.
Das andere Göttingen findet ihr hier: Bad Nauheim.

28.06.2015

Verspäteter Schreibtipp

Es sollen ja, meinte ein Freund vorhin zu mir, keine sprachlichen Kunstwerke werden, als ich ihm mein Leid wegen der Zeugnisse klagte: ich bin mittlerweile beim dritten oder vierten Durchlesen und Überarbeiten.

Insgesamt bin ich ganz schön urlaubsreif.
Heute Nachmittag, als ich die warme Luft auf meinem Balkon genoss, erwischte ich mich dabei, wie ich mehrere Seiten aus Skulduggery Pleasant gelesen habe, ohne zu wissen, was ich überhaupt gelesen habe. Ich habe stattdessen über meine Schüler nachgedacht und den Text als Hintergrundrauschen genutzt.
Nicht ganz so gut.

Spannungsaufbau

Das ist eine schicke Geschichte: man schreibt etwas nicht ganz so Angenehmes (zum Beispiel Zeugnisse) und denkt an ganz andere Sachen (zum Beispiel Spannungsaufbau).

Hintergrund

Alte Blogeinträge

Vor vier Wochen habe ich endlich begonnen, was ich vor anderthalb Jahren schon einmal vorhatte: ich wollte meine ganzen Blogeinträge in meinen Zettelkasten eintragen. Oftmals habe ich doch wieder neu geschrieben, was ich schon einmal formuliert hatte, teilweise meine Blogeinträge auch verändert und erweitert, und gelegentlich, so merke ich, finden sich dabei ganz glückliche Formulierungen. Jedenfalls bin ich mittlerweile im Winter 2007 angekommen.
Dies war die Zeit, in der ich mich sehr viel mit Spannungsaufbau beschäftigt habe; später habe ich dieses Thema beiseite gelegt, weil eine linguistische Beschreibung immer wieder an die Grenzen stößt, dass jeder Mensch Spannung ganz anders empfindet und so eine linguistische in eine psychologische Beschreibung übergeht. Mich selber als Protagonisten der Spannungsliteratur zu nehmen ist allerdings etwas gewagt, da ich doch einen recht kühlen Blick auf Unterhaltungsliteratur gewonnen habe.
(Trotzdem werde ich weiter unten einige Sachen dazu schreiben.)

City of Bones

Vor etwa zwei Monaten habe ich auf einem Wühltisch die Trilogie Chroniken der Unterwelt gefunden und gekauft. In den letzten Tagen habe ich es geschafft, die ersten 90 Seiten zu lesen. Die Spannung ist mäßig. Dabei ist die Geschichte eigentlich gut. Was mich an dem Roman stört, sind die vielen statischen Sätze, vor allem all die Beschreibungen, die einem Raum, einer Person oder einem Gegenstand einfach nur Eigenschaften zuschreiben.
Aktive Verben, darum geht es. Aber nicht nur: es geht auch darum, die Beschreibungen durch Verbalmetaphern zu dramatisieren (siehe dazu Metaphorik: Strategien der Verbildlichung).

Skulduggery Pleasant

Diese Bücher sind gerade bei uns in der Schule der Hit (neben Gregs Tagebuch und Warrior Cats). Das erste Buch habe ich mittlerweile ebenfalls bis auf Seite 90 gelesen. Dazu sind auch zahlreiche Notizen entstanden, die ich wohl in der ersten Ferienwoche mal systematisieren und dann veröffentlichen werde. Was mich an diesem Buch stört, sind die zahlreichen Wortwiederholungen; nun sind Wortwiederholungen nicht an sich schlecht, wie dies häufig behauptet wird: gelegentlich sind sie sogar notwendig, um bestimmte Effekte zu erzeugen. Sie betonen bestimmte Zusammenhänge, rhythmisieren den Text, verlangsamen den Lesefluss und gehen gelegentlich mit dem Wechsel in eine auktoriale Erzählerperspektive einher, erzeugen also zugleich eine Distanz auf der Erzählebene und der Sprachebene (da die Wiederholung die Sprache, bzw. den Akt des Erzählens in den Vordergrund rückt).
Nun weiß ich nicht, ob dieses Buch einfach nur schlampig übersetzt worden ist, oder ob schon im Original mit den Wörtern zu einfallslos umgegangen worden ist. Für eine Analyse ist das allerdings nicht wichtig. Sie soll nur zeigen, was gut und was nicht so gut funktioniert, also Material dafür bieten, über das eigene Schreiben nachzudenken.

Empathie-Forschung

Überhaupt ist im Moment bei mir vieles im Fluss. Die Empathie-Forschung, die durch die Entdeckung der Spiegelneuronen in den Mittelpunkt zahlreicher Arbeiten gerückt ist, bewegt auch im Bereich der Narration und der narrativen Kompetenz eine ganze Menge. So sieht zum Beispiel Fritz Breithaupt die Empathie als eine Kompetenz an, die drei Personen (und nicht, wie man annehmen sollte, zwei) miteinander verbindet, wobei zwischen zwei Personen eine empathische Situation entsteht, während die dritte Person ausgewiesen wird: dazu gehört auch, dass zwischen zwei Personen, der einen Person, für die man empathisch ist, und der anderen Person, die man zurückweist, eine Art Konflikt herrscht. Die Lösung des Konflikts und der Beweis der Empathie wird dann über Mikroerzählungen geregelt.
Empathie ist, so könnte man sagen, eine Mischung aus Nachahmung, Problemlösen und symbolischer Repräsentation. Streng genommen ist Empathie damit eine völlig fiktive Angelegenheit. Pragmatisch gesehen existiert sie aber trotzdem, obwohl sie unwahrscheinlich, ja sogar eigentlich unmöglich ist.
Auch dies müsste ich ausführlicher darstellen: das ist nicht nur für die Autoren interessant, sondern überhaupt für die ganze Gestaltung des Zusammenlebens.
Die Narration als Effekt grundlegender (also biologischer) Bedingungen des Menschseins ist die eine Sache. Eine ganz andere Herangehensweise bietet Tomasello in seinem Buch Die kulturelle Entwicklung des menschlichen Denkens. Dort liefert der Autor im fünften Kapitel (Sprachkonstruktionen und die Kognition von Ereignissen) eine schön lesbare, ganz wissenschaftliche Begründung dafür, warum wir Leser aktive Verben so gerne mögen.

Spannungsaufbau

Metonymien

Was Metonymien sind, habe ich mehrfach in meinem Blog erklärt. Wenn man zahlreiche Metonymien benutzt, entstehen Umschreibungen. Etwas wird nicht direkt benannt, sondern die Benennung dem Leser überlassen.
Man könnte also zum Beispiel einen Gegenstand, nehmen wir einen Blumenstrauß, durch seine Farben, durch die Formen, die einzelnen darin befindlichen Blumen, usw., umschreiben. Dies ist tatsächlich eine schöne Möglichkeit, um einen Gegenstand (meist einen zentralen, zum Beispiel in einem Konflikt wichtige Rolle spielt) in den Mittelpunkt zu rücken.

Off

Es gibt aber auch noch eine andere Möglichkeit, Metonymien einzusetzen. Und die ist zunächst nicht ganz so einsichtig. Man kann nämlich jede Beschreibung, jede Szene, jede Handlung ebenfalls als Metonymie verstehen. Jede gute, sinnliche Erzählung versteht den zentralen Konflikt als eine Komposition aus zahlreichen einzelnen Szenen. Diese Szenen sind gleichsam Metonymien des Konfliktes. Und ebenso werden die Charaktere einer Erzählung nicht direkt, also psychologisch beschrieben, sondern metonymisch durch ihre Handlungen und den Gegenständen, mit denen sie sich umgeben.
Dies nenne ich, angelehnt an einen Ausdruck aus der Kinotheorie, das Off. Das Off ist gerade nicht alles andere, was außerhalb eines Bildes liegt, sondern etwas Bestimmtes, was jederzeit in den Blick (der Kamera) rücken könnte, aber in den konkreten Bildern (noch) ausgespart wird.

Sinnliches Erzählen

Und hierin liegt ein weiterer Vorteil des sinnlichen Erzählens, oder, wie dies gerne auch genannt wird, im Show, don't tell! Indem sich die Szene auf konkrete Handlungen und konkrete Gegenstände konzentriert, hält sie den eigentlichen Konflikt, das große Ganze im Off, gleichsam am Rande der Aufmerksamkeit.
Die Kunst besteht nun darin, trotzdem solche Konflikte oder Bedrohungen zu schreiben, da sie ja nicht irgendwo anders, sondern jenseits des Randes der aktuellen Szene, aber eben doch dicht dabei, stattfinden müssen.

Zentrale Konflikte

Skulduggery Pleasant ebenso wie City of Bones schaffen gerade dies nicht. Teilweise verliert sich der Konflikt. Cassandra Clare bietet zu viele gleichberechtigte, aber ungelöste Konflikte an, so dass man extrem aufmerksam sein muss, welcher Konflikt nun angesprochen wird. Gegen eine solche Vorgehensweise ist nichts zu sagen; man braucht aber erfahrene und gute Leser, oder solche, die generell gerne dieses Genre lesen und so schlampig sind, dass ihnen eine leicht verworrene Erzählweise nichts ausmacht.
Derek Landy wiederum kann den zentralen Konflikt ebenfalls nicht deutlich herausarbeiten. Ganz anders als Rowling, bei der nach dem ersten Kapitel von Harry Potter der zentrale Konflikt benannt ist (Harry-Voldemort), ebenso wie ein zweiter wichtiger Konflikt (Harry-Dursleys), ist bei Skulduggery Pleasant auch nach 90 Seiten noch nicht deutlich, welcher zentrale Konflikt diesen Roman strukturieren wird. Nun ist die Geschichte schlicht genug, durch ihre skurrilen Einfälle und so insgesamt ganz angenehm zu lesen, wodurch die Leselust nicht sonderlich leidet. Aber hat man das Buch erst mal aus der Hand gelegt, fühlt man sich keineswegs dazu gedrängt, es weiterzulesen.

Erste Zusammenfassung

Für einen Spannungsaufbau ist es also wichtig, dass es einen zentralen Konflikt gibt, der gleich zu Beginn fest im Bewusstsein des Lesers verankert wird. Trotzdem darf dieser Konflikt nicht direkt benannt werden (und man lese dazu noch mal das erste Kapitel aus Harry Potter und der Stein der Weisen), sondern muss stark verdeutlicht werden, zum Beispiel, weil der Protagonist durch denselben Konflikt einen schweren Verlust (zum Beispiel die Eltern) erlitten hat.
Der Konflikt muss also im Off „anwesend“ sein; und für den Spannungsaufbau ist es günstig, wenn dies von Anfang an geschieht, zum Beispiel durch die Technik der dramatischen Ironie (vergleiche dazu: Simon Beckett: Leichenblässe. Perspektivwechsel). Durch diese kann man den Konflikt, in dem der Protagonist geraten wird, erzählen, dem Leser also einen Informationsvorsprung bieten, und trotzdem den Protagonisten zunächst von diesem Konflikt fernhalten.

Attributionen

Wenn man sich mit guten Erzählsätzen befasst, landet man ganz schnell bei Problemen der Grammatik und der Logik.
Kurz gefasst bieten gute Erzählsätze vor allem (aber nicht nur) akzidentelle Merkmale. Dazu muss man wissen, dass jeder Satz als eine Zuweisung von Merkmalen gelesen werden kann. Wissenschaftliche Sätze werden meist mit substantiellen Merkmalen und der Copula ›sein‹ gebildet: „Ein Wolf ist ein vierbeiniges Raubtier aus der Gattung der Hundeartigen, usw.“.
Erzählende Sätze dagegen kann man oftmals als veränderliche Kompositionen betrachten, wobei veränderlich heißt, dass man aus dem Satz schließen kann, dass es jetzt so ist, aber in Zukunft nicht so bleiben muss. Typischerweise gehören dazu auch solche Sätze: „Sie trug einen grünen Hut.“ Der grüne Hut gehört jetzt, aber nicht immer zu dieser Person. Er ist ein Merkmal der Umstände halber, also ein akzidentelles. Der Umstände halber betreten die Protagonisten bestimmte Räume, fahren bestimmte Autos, essen bestimmte Lebensmittel, und was auch immer. Der Umstände halber heißt also nicht, dass die Erzählung unkonkret werden müsste. Sie zeigt nur Satz für Satz, dass der Protagonist bestimmte Sachen dauerhaft bevorzugt und andere Sachen gerne rasch ändern möchte. Die bevorzugten Sachen können verloren gehen, und die ungewünschten Sachen können abgeschafft werden. Und dies kann natürlich nur möglich sein, wenn die Merkmale nicht zum Wesen einer Person, eines Gegenstandes oder eines Raumes gehören.

Aktive Verben

Im Mittelpunkt der Erzählung steht ein Protagonist (manchmal auch mehrere). Eine der wichtigsten akzidentellen Merkmale eines Protagonisten sind seine Handlungen. Was auch immer der Protagonist und macht, es bleibt flüchtig, weil er später etwas anderes zu tun hat und weil er vorher etwas anderes getan hat. Trotzdem charakterisiert jede Handlung den Protagonisten und auch seinen Umgang mit dem Konflikt. Und vermutlich ist deshalb das aktive Verb, welches solche Handlungen ausdrückt, auch ein so starkes Mittel, um eine Geschichte spannend zu machen.

Nebenfiguren und Verbalmetaphern

Viele Erzählungen leiden daran, dass es nur einen zentralen Konflikt gibt und nur zwei Personen, die diesen austragen. Insbesondere bei unerfahrenen und schlechten Schriftstellern (wie zum Beispiel bei der frühen Nora Roberts oder dem späten Konsalik) gibt es so wenig Nebenfiguren, dass die Handlung automatisch auf den großen Konflikt zugespitzt werden muss. Das führt den Autoren allerdings vor ein riesiges Problem: die Figuren müssen handeln, ohne irgendetwas zu tun (zumindest, wenn das Buch 250 Seiten und mehr lang werden muss). Und sofern man nicht völlig einen an der Klatsche hat, wird man sich bei solchen Büchern doch eher veralbert fühlen.
Nun hatte ich zu den Nebenfiguren auch schon mehrfach etwas gesagt, was ich hier nicht wiederholen muss. Ganz interessant allerdings ist, dass in Erzählungen ein Phänomen auftaucht, welches durch metaphorisch genutzte Verben erzeugt wird. Viele metaphorisch genutzte Verben übertragen eine Handlung auf ein unbelebtes Ding, wird dieses Ding selbst wie ein Akteur, wie eine handelnde Person.
Ein Beispiel dafür ist:
Die Sonnenstrahlen durchfluteten das klare Wasser und färbten es azurblau.
Dieser Satz klingt beweglicher, aktiver, als folgender:
Das Wasser war azurblau.
Im ersten Satz werden die Sonnenstrahlen aktiv behandelt.
Dieser Effekt mag im Einzelnen minimal erscheinen. Im Ganzen aber dramatisiert er die Erzählung. Wer das nicht glaubt, der nehme sich wiederum eine Stelle aus den Harry Potter-Büchern oder von Stephen King vor, und ersetze alle Verbalmetaphern und damit alle erzählenden Sätze durch wissenschaftliche Sätze. Der Effekt wird rasch deutlich: das Erzählte wirkt hölzern und unlebendig.

Identifikation

Folgt man den jüngeren wissenschaftlichen Ergebnissen, dann besteht ein wichtiger Bestandteil des empathischen Verhaltens darin, dass Menschen die Möglichkeit sehen, genauso zu handeln wie ihr Gegenüber. Das bedeutet nicht, dass sie so handeln müssen, nur, dass sie sich vorstellen können, dasselbe zu tun. Dabei scheint es auch nicht ganz so genau zugehen zu müssen, ob dies physikalisch möglich ist. Wichtiger scheint dabei zu sein, dass eine Aktivität als Aktivität wahrgenommen oder nahegelegt wird.
Identifikationen sind also über nachvollziehbare Aktivitäten zu erreichen.
Verbalmetaphern scheinen hier, so seltsam dies klingen mag, solche Identifikationen zu stützen. Und natürlich wird man, wenn man gefragt wird, nie sagen, dass man sich mit einer Landschaft oder einem Gegenstand identifiziert (außer vielleicht in ganz seltenen Fällen). Und trotzdem ermöglicht die Sprache, dass wir auch Unbelebtes personifizieren, und dass wir darüber die Möglichkeit minimaler Identifikationen bieten.

Zusammenfassung

Genauso wie ich betont auch mein Kollege Johannes Flörsch in seinem Blog wortport.de die Wichtigkeit aktiver Verben. Und natürlich sind wir nicht die ersten. Diese Empfehlung lässt sich bis ins 18. Jahrhundert zu Lessing zurückverfolgen. Im Gegensatz zu Johannes, der sich auf sein gutes Gespür verlässt, mag ich es gerne gründlicher, wissenschaftlicher, anthropologischer. Gelegentlich macht dies meinen Blog mühsam zu lesen; obwohl ich gerade hier, in diesem Artikel, recht oberflächlich argumentiert habe, betrachtet man die eigentliche wissenschaftliche Literatur. Trotzdem sollte deutlich geworden sein, dass das aktive Verb nicht nur einem Zeitgeist angehört, der alles besonders dramatisch und handlungsorientiert haben möchte, sondern zu einer Grundausstattung des Menschen gehört, die wirksam ist, bevor er überhaupt sprechen kann. Und das es bis in die feineren und komplexeren Techniken von Schriftstellern hineinwirkt.
Wer das ganze besser ausgearbeitet haben möchte, muss wohl bis zu den Sommerferien warten, wo ich hoffentlich mehr Zeit finden werde, um dazu zu schreiben.
Oder er greife selbst zu folgenden Büchern:

09.06.2015

Was der Zettelkasten noch erzählt

Angeblich hat Niklas Luhmann seine Bücher gar nicht selbst geschrieben, sondern sein Zettelkasten. Er habe diesen nur hinreichend gefüttert, so dass dieser so komplex geworden ist, dass er scheinbar einen eigenen Geist entwickelt habe.
So weit bin ich mit meinem Zettelkasten noch nicht. Trotzdem kann er einiges über mich erzählen. 

Literatur

Das Buch, welches ich am häufigsten zitiert und kommentiert habe, ist Soziale Systeme von Niklas Luhmann. Das ist insofern verwunderlich, als ich seit über fünf Jahren nicht mehr hineingeschaut habe. Freilich bleibt Luhmann für mich ein wichtiger Horizont.
Ein zweites Buch, welches ich mit zahllosen Kommentaren bedacht habe, ist die Einführung in Wittgenstein von Joachim Schulte. Diese habe ich bis in den letzten Herbst hinein gelesen, wobei ich ungefähr Anfang des Jahres begonnen habe. Dass dieses doch sehr schmale Werk für mich so wichtig geworden ist, lag wohl an meinen Lebensumständen: über längere Zeit kriselte es schon in meiner Gedankenwelt. Schuld daran hatte wohl vor allem Immanuel Kant und meine recht umfangreiche Kommentierung der Kritik der Urteilskraft. Insbesondere hat mich dort die Trennung von Begriffen und Ideen, bzw. Verstandesbegriffen und Vernunftbegriffen, recht ratlos zurückgelassen. Seitdem habe ich, vor allem auch bei Hannah Arendt, dieser Trennung zu folgen versucht.
Erst das dritte Buch bezieht sich dann vor allem auf meinen Beruf: es ist das Lehrwerk Psychologie von Gerrig und Zimbardo. Danach folgt eine Einführung in das Werk von Hannah Arendt, geschrieben von Thomas Wild. Dieses Buch habe ich eigentlich nicht ausführlich kommentiert; aber zahlreiche Passagen, die ich bei Hannah Arendt selbst dann durchgearbeitet habe, sind hier versammelt. Hätte ich diese getrennt, wäre Zahl der Kommentare wesentlich geringer gewesen.
Erst auf der neunten Stelle kommt ein fiktives Werk: Homo Faber von Max Frisch. Knapp dahinter folgt dann Harry Potter und der Stein der Weisen. Und noch etwas weiter unten Es von Stephen King.

Verfälschend allerdings ist, dass ich zahlreiche Werke noch gar nicht in meinem Zettelkasten habe, sondern noch auf OneNote. Vieles von Kant gehört dazu, aber auch Kassandra von Christa Wolf, Haruki Murakami, Annette von Droste Hülshoff und Ernest Hemingway.
Fasst man die dicht beieinander liegenden Gedichte von Goethe, Brecht und Ausländer zusammen, ergeben diese mit Sicherheit auch eine recht ordentliche Summe.

Andererseits gibt es auch Werke, die ich bisher noch kaum mit schriftlichen Anmerkungen versehen habe. So finden sich gleich zu Beginn zahlreiche Aufsätze von Adorno, Barthes und Benjamin, aber auch zum Beispiel Sartre und die Philosophische Grammatik von Ludwig Wittgenstein. Letzteres wundert mich tatsächlich, da ich dieses Buch recht ausführlich gelesen habe; allerdings habe ich mir nicht so viele Notizen dazu gemacht, und, wie ich gerade feststelle, stehen diese Notizen weitestgehend auch noch OneNote selbst.

Schlagwörter

Fast alle häufig benutzten Wörter für die Verschlagwortung entstammen der Literaturwissenschaft, der Rhetorik oder dem Bereich des kreativen Schreibens. Die ersten zehn lauten:
Metapher, narratives Rätsel, Konnotation, Kreativität, Begriffsbildung, Aufmerksamkeit, Metakognition, Sprachspiel, semantische Opposition, Wortgebrauch.
Das erste Wort, welches deutlich nicht mit Sprach- oder Literaturwissenschaft zusammenhängt, ist das Wort Winnenden. Doch auch das scheint nur so, denn damals habe ich zahlreiche Artikel, die sich zu diesem Ereignis geäußert haben, zudem auch viele Leserbriefe und Internetforen, durchgearbeitet. Es ist also nicht verwunderlich, dass dieses Wort eine so prominente Stelle bekommt; und da ich hier tatsächlich die ganze Rhetorik aufgerollt habe, ist es dann doch kein aus einem ganz anderen Bereich stammendes Wort. Schätzungsweise ist tatsächlich das allererste Wort, welches wirklich nicht mehr auf ein sprachliches Phänomen hinweist, das Wort ADHS.

Jedenfalls habe ich jetzt vor, zumindest all die Bücher, die ich selbst besitze und die bisher nur mit einem Stichwort bedacht worden sind, „anzureichern“: ich werde sie weiter kommentieren und dann in den Zettelkasten übertragen, so dass hier auf den unteren Rängen nur die Bücher übrig bleiben, für meine Kunden gelesen habe, mir selbst aber wenig bedeutet haben.

Swen - ein Held der operativen Logik (die natürlich sinnlos ist)

Ich liebe mich selbst, und das durchaus unpathetisch. Wie es sich für einen vernünftigen Menschen gehört. Grippe, Rückenschmerzen und zum Teil bohrende Kopfschmerzen (aber warum eigentlich? gerade im Moment klärt sich für mich so vieles: gelegentlich habe ich einen Hang zum Psychosomatischen, aber das kann es diesmal doch wohl nicht sein); diese elendigliche Dreifaltigkeit hat mich heute ans Bett gefesselt. Mein Arzt dagegen war zufrieden mit meinem Gesundheitszustand und hat mir gleich noch eine Tetanus-Impfung angedeihen lassen.
Die nette Krankenschwester, mit der ich sonst gerne herumflachse, hat mir jedenfalls gut getan. Danach bin ich recht fröhlich nach Hause marschiert.

Gehirngerechtes Lernen

Und weil ich am Donnerstag eine Fortbildung im gehirngerechten Lernen habe; und weil ich dieses Wort so scheußlich finde, weil es daher stolziert wie ein Mister Oberwichtig, wollte ich natürlich vorbereitet sein. Gelegentlich bringe ich Dozenten zum Weinen.
Gegen diese Vokabel, also gegen das gehirngerechte Lernen, habe ich nichts anderes einzuwenden, als dass diese völlig aufgebläht und damit natürlich ideologisch und deshalb falsch ist. Die Methoden jedoch sind teilweise hervorragend. Warum? Weil sie dem „Original“ das tun, was ich Transmedialisieren nenne: Sie übersetzen den Inhalt in ein anderes Medium. Damit erzeugen sie Abweichungen. Sinn, so werde ich nicht müde Niklas Luhmann zu zitieren, entsteht durch Abweichung. Sinn ist ein Differenzbegriff (so sagt der postmoderne Logiker).
In der Theorie also hapert es, in der Praxis keineswegs.

Mein Ruf

Widerspenstig sei ich, irgendwie aber auch genial. Um einen ehemaligen Kollegen zu zitieren. 2007 habe ich es mir geleistet, mich auf einem Trainertreffen blicken zu lassen. Change Management war der Titel (oder so ähnlich; man verdrängt ja so einiges in seinem Leben). Damals habe ich mich unter anderem mit Edward deBono intensiver beschäftigt. Dieser hat nette, kleine Methoden geschaffen, die es durchaus in sich haben. Es sind, so interpretiere ich das, verkürzte Modelle, die ohne jegliches wissenschaftliches Brimborium auskommen, die also „sinnlos“ operativ arbeiten.
Am bekanntesten ist das PMI: nachdem man ein Kapitel gelesen hat, eine Vorlesung angehört hat, eine Unterrichtsstunde absolviert hat, legt man sich eine Tabelle an, in der die Wörter ›plus‹, ›minus‹ und ›interessant‹ stehen. Dann trägt man in diese Tabelle alles ein, was einem zu dieser Stunde einfällt, jeweils in die Spalte, die einem am Sinnvollsten erscheint. Macht man dies öfter, übernimmt man dieses Muster in sein Denken und vollzieht es automatisch. Tatsächlich stellen wir beständig solche kleinen Denkmuster in unserem Leben selbst her. Es spricht also nichts dagegen, wenn wir dies methodisch und bewusst übernehmen.
Auf dem besagten Treffen jedenfalls habe ich mir den Spaß gemacht, innerhalb einer Dreiviertelstunde etwa 60 solcher Methoden, die ich mir selbst ausgedacht hatte, zu präsentieren. Selbstverständlich hat das die Zuhörer erschlagen. Das war ja auch meine Absicht. Aus (wahrscheinlich völlig) irrationalen Gründen machen mich Trainer aggressiv. 

SWEN

Dies ist eine der Methoden. S steht für Situation, W für Werte, E für Emotionen und N für Normen. Diese Methode dient dazu, die positivierenden und ausschließenden Mechanismen in einer bestimmten Situation zu verdeutlichen. Dabei habe ich recht präzise Begriffe zu Werten und Normen. Ein Wert versprachlicht ein bestimmtes Verhalten als positiv, besonders förderlich, besonders wertvoll. Eine Norm dagegen setzt eine Grenze, deren Übertretung besonders beachtet wird, vor allem im Hinblick auf das förderliche Verhalten. Emotionen schließlich strukturieren Entscheidungen. In gewisser Weise vermitteln sie also zwischen Werten und Normen.
Damit ist dieses kleine Instrument für tagtägliche Erlebnisse im Berufs- und Familienleben nützlich.
Ich habe den Abend damit verbracht, das letzte halbe Jahr, gelegentlich aber auch ältere Erfahrungen, zu reflektieren.
Diese Methode hat mir erste Stichworte und Einteilungen geliefert, um von dort aus zu schreiben.

Erfahrungswissenschaft

Gerhard Roth beklagt in seinem Buch Bildung braucht Persönlichkeit, dass das gehirngerechte Lernen eine Modevokabel sei. Dem stimme ich zunächst zu. Weiterhin beobachtet er richtig, dass in der Coaching-Literatur so voneinander abgeschrieben wird, dass die wirklichen neurophysiologischen Forschungen aus dem Blick geraten. Allerdings weist dies darauf hin, dass der Anspruch der Coaching-Literatur in einem ganz anderen Bereich liegt. Roth beklagt die zirkuläre Argumentation; dies weist aber darauf hin, dass das Coaching auf der Suche nach einer operativen Geschlossenheit ist, nicht nach einer wissenschaftlich relevanten Darstellung. Operative Geschlossenheit kann äußerst sinnvoll sein. Solange sich ein solches System noch nicht etabliert hat, sucht es sich häufig Dogmen aus, um darüber eine Einheit zu erzeugen, die es selbst noch nicht hat.
Solche Fixpunkte mag man als Dogmatismus tatsächlich beklagen. Sie dienen aber auch als Ausgangspunkte für weiteres Denken; da jegliches Denken sich auf solche Ausgangspunkte stützt, sind sie nur dann schlecht, wenn hier ein gewisser Dogmatismus ins Spiel kommt. Der Weg jedenfalls führt über die Erfahrung. Und wie Immanuel Kant sehr richtig gesagt hat, ist Erfahrung immer Erfahrung mit Begriffen. Die Neurophysiologie, so schlecht sie rezipiert sein mag, liefert genau solche Begriffe.
Und das scheint der Grund zu sein, warum die aktuelle Coaching-Literatur sich so sehr auf das Gehirn stürzt. Nicht das Gehirn ist ihr wichtig, sondern die Erfahrung. Aber um solche Erfahrungen machen zu können, braucht es ein „dogmatisches“ Ausgangssystem, will (freundlicher gesprochen) sagen: eine Art geistige Heimat, ein geistiges Elternhaus.
DeBonos Methoden, ebenso wie meine, verdecken nicht die Absurdität solcher Werkzeuge, sondern betonen gerade das Sinnvolle an ihnen. Deshalb habe ich mir zum Beispiel überhaupt keine Gedanken gemacht, ob meine Werkzeuge nützlich sind; sie sind es, weil sie abweichen oder Abweichungen produzieren. Mehr braucht es nicht!

Nachtrag

Ich liebe also mich selbst, weil es so absurd ist, sich selbst zu lieben. Unter allen Zirkelschlüssen ist dies der Unsinnigste. Wer Ohren hat, der höre!

07.06.2015

Das wird ein arbeitsreicher Sommer!

Meine Klagen darüber, dass ich nicht zum Schreiben komme, müsst ihr nicht allzu ernst nehmen. Auch wenn mein Blog dieses Jahr wohl mit recht wenigen Artikeln auskommen muss: ich schreibe ziemlich viel, wobei das meiste für meinen Zettelkasten ist.
Drei Gründe habe ich, warum ich so wenig veröffentliche: es unterliegt dem Datenschutz (ich schreibe viel über meine Schüler), es ist zu persönlich (nach vielen Jahren eines stark an die Darstellung von Theorien und Modellen gebundenen Schreibens kehre ich zum Tagebuchschreiben zurück), es ist zu unfertig. Zu unfertig? Ich habe nichts dagegen, Fragmente zu veröffentlichen. Derzeit allerdings probiere ich so viel aus, denke ich in so viele verschiedene Richtungen, dass ich tatsächlich kaum zu „guten“ Argumentationslinien komme.

Mein Zettelkasten

Ja, ich weiß: jener ominöse Zettelkasten. Auf dem Weg zur Klärung bestimmter Probleme, zum Beispiel dem Stundenbeginn, oder der Art und Weise der Benotung, arbeite ich mit dem, was ich in meinem Zettelkasten bereits niedergelegt habe. Ich kommentiere dazu alle Zettel, die ich zu einem bestimmten Thema finde, durch. Oftmals entstehen dazu mehrere Anmerkungen. Diese werde ich dann später als Folgezettel in den Zettelkasten einbringen.
Habe ich zum Beispiel einen Zettel zum Thema Symbole, und haben meine Schüler eine der beiden Wochenfragen zu Marc Chagall genommen, beides Aufgaben, bei denen die Symbole eine wichtige Rolle spielen, dann entstehen zu jedem Schüler Anmerkungen, meist nur eine, gelegentlich aber auch mehrere. Gerade zu diesem Thema habe ich sogar recht umfangreich geschrieben. Alle Schüler, die diese Aufgabe genommen haben, sind Schüler der vierten und fünften Klasse. Die meisten schreiben allerdings über die Anforderungen ihres Jahrgangs hinaus. Trotzdem habe ich den Begriff des Symbols nie eingeführt. Einige der Schüler kennen ihn allerdings aus dem Religionsunterricht.
Für mich stellt sich hier also die Frage, woher die teilweise sehr präzisen Aussagen kommen und wie ich mit diesen umzugehen habe.

Ergänzen

Gelegentlich versuche ich die losen Fäden in meinem Zettelkasten zu ergänzen. Zu vielen Texten Adornos, vor allem zu denen, die ich vor etwa vier Jahren gekauft habe (damals hatte ich eine längere Phase, in der ich wieder Adorno viel gelesen habe), existieren nur ganz wenige, manchmal nur ein einziger Eintrag. Diese Texte habe ich begonnen vollständiger durchzukommentieren. Weit bin ich noch nicht gediehen: gerade mal einen Aufsatz, und noch nicht mal einen langen, habe ich zur Hälfte fertig.
Spannend ist zumindest, dass sich von hier aus im Zettelkasten von Daniel Lüdecke Querverweise über die Stichwörter ergeben. Zu diesen gelangt man, wenn man ganz rechts im Zettelkasten auf den Reiter ›Verweise‹ klickt. Von dort aus kann man dann die korrespondierenden Zettel anwählen.
Ein solches Adorno-Zitat hat bei mir zum Beispiel die Schlagwörter ›Aufmerksamkeit‹, ›Denken, divergentes‹, ›Empfindung‹, ›Empfindungsvermögen‹, und einige andere mehr. Bei den Verweisen finde ich dann Zettel, die ebenfalls dieses Schlagwort beinhalten, so unter anderem meine zahlreichen Notizen zu dem Empfindungsvermögen bei Immanuel Kant, aber auch alle meine Kommentare zum divergenten Denken (also vieles zur Kreativität, zur Intention oder zu der von Edward deBono sogenannten Technik des lateralen Denkens) oder, was in diesem Fall sogar wirklich spannend ist, alle meine Anmerkungen zum Gebrauch des Rätsels im Krimi.
Wenn man also einen spannenden Zettel findet, dann kann man diesen sofort mit weiteren Gedanken anreichern, indem man über die Liste der Verweise korrespondierende Stellen aufsucht. Manche ergänzen, manche widersprechen.
Auch hier habe ich gerade erst begonnen, meine derzeitige Arbeit genauer zu betrachten. Meine Ziele sind eigentlich recht einfach: mir meine Arbeit gedanklich so aufzubereiten, dass ich sie leicht überschauen kann. Derzeit vieles noch aufschreiben und durchplanen, was sich eigentlich ohne großen Aufwand tun ließe. Vermutlich stelle ich mir hier mit meinem Zwang zur Perfektion selbst ein Bein; auf der anderen Seite habe ich überhaupt kein Problem damit, mit dieser hohen Erwartungen zu setzen: zwar bin ich immer etwas langsam, aber dann auch umso besser.

Gruppendynamik

Meine Klasse ist ein ganz schön wilder Haufen, mit vielen Individualisten. Das ist eine ziemliche Herausforderung, vor allem, wenn man diese als arbeitsfähige Gruppe braucht. Derzeit lese ich tatsächlich ein Buch wieder ganz gründlich. Dies ist ›Dynamik in Gruppen‹ von Eberhard Stahl, ein Buch, das ich vor über zehn Jahren schon einmal sehr genau durchgearbeitet habe.
Ich finde es äußerst anregend. Um Ideen zu produzieren, der sehr dicht an die Praxis gehalten sind, ist es hervorragend.

Weitere Sachen

Eine andere Sache habe ich in diesem Sommer allerdings auch noch vor: angeregt durch einige Schüler habe ich mich zunächst mit der Programmiersprache Scratch beschäftigt. Für jemanden, der bereits mit Turbo-Pascal und Java gearbeitet hat, ist sie in zehn Minuten zu verstehen. Sie ist tatsächlich für die Grundschule gut geeignet, auch, weil sie mit grafischen Blöcken arbeitet, die fast unmittelbar einsichtig sind. Die meisten meiner programmierenden Schüler sind aber mittlerweile bei Python oder Java Skript. Python hat es mir tatsächlich angetan, die eine zwar recht reduzierte, aber doch schon sehr leistungsstarke Sprache ist. Ich habe ohne großen Aufwand einige Programme schreiben können, zum Schluss auch solche, die die Ein- und Ausgabe über ein Fenster geregelt haben, mit komplexeren grafischen Elementen und einer kleinen, selbst programmierten Bibliothek.
Mit Java hatte ich irgendwann hinreichend viele Probleme. Das Programm ist einfach zu mächtig, um sich nicht zu verlieren: ich habe keinen roten Faden mehr gefunden, an dem ich mich entlanghangeln konnte, trotz einiger erster Erfolge. Komplett gescheitert bin ich an einem einfachen Texteditor. So werde ich zunächst mit Python programmieren: besonders wichtig dabei ist die Entwicklung von Algorithmen. Hier sehe ich derzeit mein größtes Problem.
Jedenfalls habe ich Lust, nachdem ich innerhalb einer halben Stunde ein laufendes Sprite, eine kleine Datenbank und eine Internet-Abfrage programmiert habe, es jetzt noch einmal mit einem Zettelkasten für mich selbst zu versuchen. Der soll es mir dann irgendwann ermöglichen, mich wieder ganz auf Java einzulassen. Meine Kritik an dem Zettelkasten von Daniel Lüdecke betrifft einige, wenige Punkte: insbesondere möchte ich eine bessere Kompatibilität mit dem Spracherkennungsprogramm erreichen. Dann kann ich mir sehr gut vorstellen, dass man mit einfachen Methoden die Eingabe von Schlagwörtern erleichtern kann: dies hatte ich sogar schon einmal in Java ausprobiert. Schließlich fände ich es ganz sinnvoll, wenn man mehrere Zettel, bzw. mehrere Fenster gleichzeitig öffnen könnte: auch das habe ich schon einmal in Java erstellt. Schließlich ist der Zettelkasten von Lüdecke nur auf eine bestimmte Art und Weise des wissenschaftlichen Arbeitens ausgelegt. Die Schreibtisch-Funktion ist großartig, aber keinesfalls für Essais oder gar fiktionales Schreiben gedacht. Da beides bei mir ineinander übergeht, muss ich mir wohl mein eigenes Schreibprogramm erstellen.

Und all die pädagogischen Themen

Was ich mir hier mittlerweile alles für Themen aufgeschrieben habe, reicht wohl für ein halbes Leben. Ich werde mir viele Gedanken zur Klassenlektüre machen müssen: vor allem die Differenzierung des sinnentnehmenden Lesens wird ein Schwerpunktthema sein. Dann muss ich mich noch einmal an die Begriffsbildung machen, die ich zwar von der Theorie her gut beherrsche, die ich aber bei einer so breit gefächerten Schülerschaft dringend neu überdenken muss: nicht der einzelne Schüler ist dabei so wichtig, sondern die gesamte Organisation. Eine andere zentrale Sache ist die Vermittlung von Argumentationstechniken. Dazu gibt es zwar einiges in den Büchern der Mittelstufe; aber wenn ich zum Beispiel an den Schüler denke, der bereits so hervorragend Symbole in seine Argumentation eingebunden hat, taugen selbst Bücher der Oberstufe nicht. Offensichtlich spart man die Techniken, die es in der Literaturwissenschaft gibt, in der Schule aus. Aber sie so zu vermitteln, wie dies zum Beispiel Lotman macht, kann natürlich auch nicht funktionieren. Also werde ich mir hier gründliche Gedanken zu didaktischen Reduktion machen müssen. Und das sind nur einige der Beispiele, die auf meiner Aufgabenliste stehen.
Wie gesagt: das wird ein arbeitsreicher Sommer!