30.05.2014

Goethe und Meer

Mich selbst hat an diesem Abend eine Stelle aus einem Brief von Goethe beschäftigt. Diesen schrieb er am 11. Januar 1815 an Karl Ludwig von Knebel (den Goethe seinen Urfreund nannte).
So habe ich mich die Zeit her meist im Orient aufgehalten, wo denn freilich eine reiche Ernte zu finden ist. Man unterrichtet sich im Allgemeinen und Zerstückelten wohl von so einer großen Existenz; geht man aber einmal ernstlich hinein, so ist es vollkommen, als wenn man ins Meer geriete.
Indessen ist es doch auch angenehm, in einem so breiten Elemente zu schwimmen und seine Kräfte darin zu üben. Ich tue dies nach meiner Weise, indem ich immer etwas nachbilde und mir so Sinn und Form jener Dichtarten aneigne.
Die Stelle ist reich an Metaphern. Auffällig ist die Allegorisierung ab dem zweiten Satz, der den Wissensstoff mit dem Meer parallelisiert. Diese Allegorie wird im letzten Satz in einen pragmatischen Kontext gefasst: die Methode ist das Nachbilden; Ziel die Aneignung von Sinn und Form jener (orientalischen) Dichtarten. Diese Pflicht zur Tätigkeit findet sich öfter bei Goethe, z.B. im Faust: Was du ererbt von deinen Vätern hast, erwirb es um es zu besitzen.

Der Brief spricht von Goethes Arbeit am westöstlichen Divan. Die zitierte Stelle korrespondiert mit dem Gedicht Nachbildung (das siebte Gedicht im Buch Hafis). Der erste Teil dieses Gedichtes lobt die Auseinandersetzung mit dem orientalischen Stoff emphatisch; der zweite (folgend zitierte) enthält eine Warnung, die man wohl manchem Schriftsteller in sein Arbeitsbuch schreiben muss:
Zugemessne Rhythmen reizen freilich,
Das Talent erfreut sich wohl darin;
Doch wie schnell widern sie abscheulich,
Hohle Masken ohne Blut und Sinn.
Selbst der Geist erscheint sich nicht erfreulich,
Wenn er nicht, auf neue Form bedacht,
Jener toten Form ein Ende gemacht.

Seltener finden sich Bezüge zum Meer. Das Meer erscheint aber gelegentlich als das eigentliche Territorium des Dichters, so z.B. hier (aus dem Buch Suleika):
Hier nun dagegen
Dichtrische Perlen,
Die mir deiner Leidenschaft
Gewaltige Brandung
Warf an des Lebens
Verödeten Strand aus.
Der Dichter ist hier „ins Meer gefallen“. In den großen Hymnen findet sich das Gedicht Seefahrt, einer Allegorie auf den Dichter als Seefahrer.

Zu Goethe kehre ich gerade zurück, weil mich die aktuelle politische Rhetorik ziemlich langweilt; zum Teil sind mir auch diese ganzen Tautologien (siehe meinen letzten Beitrag Kleiner Lacher am Rande) herzlich zuwider.

Kleiner Lacher am Rande (Hilflose Tautologien und ein wenig Paranoia)

Sehr unruhige, ständig in Bewegung befindliche, unkonzentrierte und impulsive Kinder fallen insbesondere in Schulen auf.
Dieses Zitat schickte mir (gestern) ein ehemaliger Kunde zu, der ein ähnlich unaufgeregtes Verhältnis zur Theorie besitzt wie ich. Zu finden ist dieses Zitat in dem Buch Einführung in die Verhaltensgestörtenpädagogik von Clemens Hillenbrand auf Seite 173.
Es besagt, dass ein Kind dann auffällig ist, wenn es auffällt.
Rhetorisch gesehen fungiert eine solche Argumentationsweise als symptomatisch für unsichere, wenig abgrenzbare Disziplinen. Die Argumentation lässt sich auf eine Tautologie zusammendampfen. Die Tautologie selbst kann, sobald sie etabliert ist, als Element in einem paranoiden Wahnsystem genutzt werden.

Gender-Mainstreaming

Eine andere hübsche Tautologie, die mir immer wieder auffällt, findet man in der Definition des gender-Begriffes. Gender sei, so die Kurzform, wer Frau oder homosexuell sei und umgekehrt haben Homosexuelle und Frauen ein gender und damit Anspruch auf gender-Mainstreaming. Hier hat sich der paranoide Gegenbegriff, der Feind, stark etabliert: es geht um hegemoniale Männlichkeit, um Heteronormativität, um patriarchale Denk- und Handlungsstrukturen. Eigentlich sollte man sowohl bei dem Wort Struktur als auch bei dem Adjektiv patriarchal aufhorchen.
Bei einer Struktur, vor allem einer Struktur, die Interaktionen prägt, kann man eine Verdinglichung in einzelnen Menschen ausschließen. Regelmäßig aber wird die Hegemonialität dann bei einzelnen Menschen (insbesondere Männern) vorgefunden. Der Anti-Essentialismus, durch den sich z.B. Judith Butler auszeichnet, wird hier gründlich missachtet.
Auch das Adjektiv ist nicht ganz so unschuldig, wie es zunächst aussieht. Wenn es z.B. patriarchale Denkstrukturen gibt, dann auch anti-patriarchale. Und genau an dieser Grenzlinie pocht bereits das paranoide Denken an die Tür.

Analytische und politische Begriffe

Gender, so hatte ich mir schon vor längerer Zeit als Arbeitsauftrag notiert, betrifft allerdings auch die verschiedenen Typen von Männlichkeit. Gender-Mainstreaming kann auch hier stattfinden, muss es sogar. Allerdings muss dann das gender-Mainstreaming andere Abgrenzungskriterien entwickeln als durch den Begriff des gender gegeben ist.
Schlimmer noch taugt der Begriff des gender überhaupt nicht in Kombination mit dem Mainstreaming. Begrifflich gesehen hängt das auch damit zusammen, dass gender eine analytische Kategorie darstellt, dagegen Mainstreaming politisch zu lesen ist, also performativ. Die Tautologie soll diese etwas absurde Kombination verwischen.
Verhaltensauffälligkeiten kann man auch nicht so einfach als politischen (oder pädagogischen) Begriff ansehen. Verhalten muss auffällig sein, wenn es in Gesellschaft ausgeführt wird. Auffälligkeit ist also, ähnlich wie beim gender, kein abgrenzender Begriff. (Man hofft ja auch, dass Kinder in Klassen auffallen und der Lehrer nicht am Ende des Schuljahres sagt: zu Sandra fällt mir nichts ein, sie ist mir nicht aufgefallen.)

13.05.2014

Hans-Ruedi Giger

Nun ist er gestorben, jener "Erfinder des Alien".

Giger, der mich in meiner wilden Jugendphase interessiert hat, zeigt vor allem eines: das bestimmte Innovationen aus Mischungen bestehen. In seinem Fall könnte man von einer Mischung biologischer und mechanischer Formen sprechen, zu denen die Oppositionen Gewalt/Hingabe und Kultur/Tod querliegen.

Innovationen bestehen häufig aus solchen Mischungen und Giger ist dabei nicht gerade subtil. Sein Werk übertreibt, karikiert, parodiert. (Siehe dazu: Die Kreativität der Schriftsteller.) 
Soll also heißen: seine Kunst ist mir zu grob, zu selbstverliebt in der Provokation.

Ich verstehe allerdings die düstere Faszination, die von seiner Kunst ausgeht. Man muss nicht lange suchen, um ähnliche Konstellationen in Werken anderer Autoren wiederzufinden, zum Beispiel bei Sybille Lewitscharoff und ihrer einsamen Aufmerksamkeit für "Halbwesen" und dem Tod von Gynäkologen.

Die deutsche Abhörangst

Worte gibt es, da kann man sich nur wundern. Deutsche Abhörangst z.B. Für die zeigt nämlich der neue NSA-Chef Verständnis. Schließlich gäbe es historische Gründe. Gemeint damit ist wohl die Stasi. Genaueres allerdings verrät uns der Artikel auf Spiegel-online nicht.
Was ist das für ein Wort, die deutsche Abhörangst? Zunächst fokussiert es eine Tätigkeit, nicht deren Folgen. Hätte Abhören keine Folgen, dann bräuchte man davor ja auch keine Angst zu haben. Es ist vielleicht gar nicht so wichtig, dass der Fokus auf die reine Tätigkeit gelegt wird, als vielmehr, dass sie zu einer Art homogener Tätigkeit wegdiskutiert wird. Abhören ist eben nicht immer gleich abhören. Es geschieht aus vielerlei Gründen und führt zu vielerlei Folgen. Und wie bei manchen Tätigkeiten, so kann auch hier eine Folge sein, dass gar nichts passiert. Oder es kann dazu führen, dass man die Veränderungen nicht merkt, weil durch das Abhören nichts passiert, was ohne das Abhören durchaus passiert wäre.

Vereinheitlichung und Isolation

Einheitlichkeit, unterstellte Einheitlichkeit, das ist hier der rhetorische Trick.
Der zweite ist, wie eigentlich immer, wenn es um Einheitlichkeit geht, die Isolation. Wenn es um das Abhören geht, dann wird gerne auf die DDR verwiesen. Das mag ja alles richtig sein. Was aber ist mit all den Menschen, all den deutschen Menschen, die nicht die Erfahrung der DDR gemacht haben? Warum haben diese Menschen Angst? Vor allem aus historischen Gründen? (Siehe dazu: Isolation und Vereinheitlichung.)

Die Vergangenheit

Zu einer isolierenden Strategie gehört auch dazu, etwas als vergangen darzustellen. Auch hier werden Ursachen und Wirkungen gekappt.
Wenn man sich die Diskussion in Deutschland ansieht, dann sind zahlreiche politische Gründe genannt worden, die nicht eine Vergangenheit oder gar eine vergangene Staatsform betreffen, sondern sich vor einem ethischen und politischen Horizont stellen lassen und der Frage, wie wir (in Zukunft!) miteinander leben wollen.

Transparenz

So gesehen ist zumindest der Artikel auf Spiegel-online äußerst fragwürdig in seinen Implikationen. Transparenz und damit Nachvollziehbarkeit sind in einer komplexen Gesellschaft gerade dort wichtig, wo es um politische Grundrechte geht.
Der NSA-Skandal hat schließlich nicht nur gezeigt, dass man gegenüber der amerikanischen Regierung oder vielmehr gegenüber deren Staatsapparat ein tiefes Misstrauen besitzt, sondern auch, dass dieses Misstrauen innerhalb Deutschlands gegenüber der politischen Oberschicht herrscht.

Edward Snowden

Auch die Bewertung von Edward Snowden durch Michael Rogers fällt einseitig aus. Snowden hat durchaus komplexere Gründe für sein Verhalten genannt. Die Diskussion um die Reichweite der Abhöroperationen wurde, soweit ich mich erinnere, im Vorfeld abgewürgt. Und damit muss schließlich auch, ob die Diskussion nun möglich gewesen wäre oder nicht, immer auch gerechnet werden: dass jemand die Situation so einschätzt, dass Widerstand geleistet werden muss. Im Falle von Snowden kann man sogar von einem sehr rücksichtsvollen Widerstand sprechen, der gut überlegt und relativ dosiert erfolgte. Ob das hinterher alles richtig war, ist eine andere Sache. Es gibt zwar Grenzen des Widerstands und auch Grenzen des guten Geschmacks, aber so wie sich Regierungen und Behörden gerne auf das Recht zurückziehen, eine Situation falsch eingeschätzt zu haben, so muss dieses Recht auch Menschen im Widerstand zugesprochen werden.

Streitkultur

Es geht also nicht darum, wenn man meine Motivation betrachtet, eine Person oder eine Praxis mit Zähnen und Klauen zu verteidigen (im Gegensatz zu manchen radikalen „Linken“ halte ich den Schutz vor Terrorismus für ein durchaus sehr wichtiges Ziel des Staates). Ich möchte nur die Diskussion darüber nicht einseitig geführt wissen und einseitig entschieden wissen. Deshalb mag es manchmal so aussehen, dass ich mich zu sehr gegen die Rolle des Staates oder Amerikas oder bestimmter Werte stelle. Das allerdings ist nur bedingt richtig. Die meisten demokratischen Grundwerte müssen gegeneinander abgewogen werden und dieses Abwiegen geschieht dann teilweise durch sehr deutliche Empörungen und durch Streit. Keinesfalls aber darf diese Ruhe der Grund sein, dass nicht mehr diskutiert wird. Dass der Weg der Diskussion falsch verlaufen mag und ebenfalls ständig korrigiert werden muss, macht die Ziele nicht unwichtig.

Zum Spiegel-Artikel: NSA und Deutschland: Chef Rogers hebt Beziehung zu Deutschland hervor

Die notwendige und die nicht notwendige Grammatik

Videos

Die Videos habe ich in den letzten Wochen ruhen lassen müssen, weil bei mir einfach zu viel Chaos im Leben geherrscht hat. Seit einigen Tagen bin ich wieder am Ausprobieren. Die schöpferische Pause hat mir ganz gut getan. Zu Beginn einer neuen Tätigkeit entwickelt sich die Fantasie langsam.

Unterricht

Ich habe in einer Schule unterrichtet. Eine Stunde hat ganz wundervoll angefangen. Die Schüler mussten sehr lachen (weil ich herumgealbert habe) und waren hoch motiviert. Und dann habe ich einen ganz großen didaktischen Fehler begangen: ich habe die Schüler nicht schnell genug zum Handeln gebracht. Es gab auch noch einige weitere Kritikpunkte an dieser Stunde. Genauer gesagt habe ich übers Wochenende hinweg 24 gefunden.

Grammatik

Aber zur eigentlichen Sache, zur Grammatik.
Das Thema habe ich einem Kunden zu verdanken, einem Kunden, der vor drei Jahren über meine Ausführungen zu Gilles Deleuze gestolpert ist. Wir hatten dann einen etwas intensiveren Kontakt. Mittlerweile war er sehr fleißig und hat alle meine Anregungen gedanklich weitergeführt. In einem recht speziellen Fall, in der Grammatik, hat er mich gerade noch einmal kontaktiert und um eine Stellungnahme zu einem Text gebeten. Hier ein Zwischenergebnis.

Valenzgrammatik

In der Grammatiktheorie gibt es bekanntlich verschiedene Auffassungen, so unter anderem die Valenzgrammatik. Diese beruht auf der Auffassung, dass das Verb die anderen Satzteile bestimmt und kontrolliert (vereinfacht gesagt). Dementsprechend haben Verben eine bestimmte Wertigkeit, eben jene Valenzen. Jedes Verb, zumindest in den indogermanischen Sprachen, besitzt eine Wertigkeit von eins; zu jedem Prädikat gehört ein Subjekt.

Unbestimmte Subjekte, Befehle und personifizierende Metaphern

Folgt man der Grammatik von dieser Theorie aus, gibt es einige interessante Probleme. Das erste Problem sind die Sätze mit einem völlig unbestimmten Subjekt, wie z.B. »Es regnet.« Diese müssen übrigens von den Sätzen, die einen Subjektschwund zeigen, unterschieden werden. Ein Satz mit einem Subjektschwund ist z.B. »Es lässt sich nicht so einfach sagen.« Solche Sätze sind Passivkonstruktionen, die durch eine Umstellung in eine aktive Form ein Subjekt hätten. »Es regnet.« dagegen lässt sich nicht sinnvoll mit einem Subjekt versehen.
Personifizierende Metaphern werden von Schriftstellern häufig genutzt, um eine an sich eher statische Beschreibung zu dynamisieren. »Der Wald warf sich mit voller Wucht in das offene Land hinein wie eine Armee, die auf Eroberung drängte.« Solche Metaphern sind allerdings nur Scheinprobleme. Grammatisch gesehen muss ein Subjekt nicht handeln. Hier ist lediglich der Begriff des Subjekts zweideutig. Einmal ist er grammatisch zu verstehen als Position in einem Satz, und einmal ist er metaphysisch zu lesen als Geburtsort von Handlungen, Wahrnehmungen und einer (menschlichen) Vernunft.
Ein drittes Problem sind die Befehle. »Schreibt auf!«, »Folgt mir!«, usw.; all das sind zunächst sinnvolle Sätze ohne grammatisches Subjekt. Man kann sich sogar Sprachen denken, die nicht einmal mehr eine grammatische Markierung der Anrede kennen und in denen man solche Sätze äußern würde wie »Hunger!«, »Stein!«, usw. — Trotzdem müsste man sich für solche Sätze doch einen Grund denken, warum Menschen sie äußern und so miteinander sprechen.

Die Grammatik und die Situation

Dies führt uns zu der Beobachtung, dass eine Grammatik verstümmelt werden kann, wenn eine Situation Alternativen bereitstellt. Das ist z.B. bei den Befehlen der Fall, aber auch bei der direkten Anrede. Man setzt einfach voraus, dass die Gesprächspartner alle möglichen fehlenden Satzteile aus der Situation ergänzen können. Die Grammatik wird nicht korrekt geäußert, aber eventuell doch korrekt gedacht und die Folgen der Grammatik auch korrekt vollzogen.

Korrektheit und Situation

Dementsprechend ist es auch nicht die geäußerte Grammatik, die richtig sein muss. Selbst in geschriebenen Texten wird die Grammatik eines Satzes durch den umstehenden Text mitbestimmt und teilweise obsolet. Deshalb kann man auf der einen Seite sagen, dass eine Grammatik richtig befolgt wird, wenn grammatisch richtige Sätze geäußert werden; und zum anderen kann man von einer korrekten Grammatik dann sprechen, wenn sich ein Satz aus dem Umfeld sinnvoll ergänzen lässt.
Bei der ersten Auffassung wird die Grammatik von sprachlichen Normierungen bestimmt und bei der zweiten von praktizierbaren Zusammenhängen.

Gewöhnung und Kultur

Beide Betrachtungsweisen beruhen aber nicht auf einer außermenschlichen Wahrheit, sondern auf stillschweigenden Übereinkünften zwischen den Menschen einer Sprachgemeinschaft. Sie beruhen auf Gewöhnung. (Deshalb ist es auch so unsinnig, wenn manchmal der Ruf nach einer korrekten Grammatik geäußert wird, wobei der Kontext auch ganz andere Möglichkeiten zulässt. Z.B. schwache oder fehlerhafte Syntaxformen in einem insgesamt praktikablen Zusammenhang.)

Grade der grammatischen Normierung

An diesem Punkt kann man weitere Feststellungen machen. Es gibt „verzeihliche“ und „unverzeihliche“ grammatische Fehler. »Er liebte.« ist ein unvollständiger Satz, da es immer jemand oder etwas sein muss, den man liebt. Doch aus dem Kontext kann man durchaus verstehen, wer oder was hier geliebt wird und in einer praktischen Situation sind wir bereit, das hinzunehmen, oder notfalls nachzufragen.
Anders dagegen sieht es mit folgendem Satz aus: »Er schenkte dem Ring seiner Geliebten.« Der Satz ist durch das doppelte Dativobjekt zweideutig geworden. Wir können zwar seinen Sinn verstehen, müssen dies aber ebenfalls aus dem praktischen Zusammenhang sehen, denn würden wir uns nur auf die sprachlichen Norm verlassen, dann könnten wir lediglich sagen, dass in einem Satz keine zwei Objekte im Dativ stehen dürfen. Wir könnten aber nicht entscheiden, bei welchen Objekt der Kasus falsch angewendet worden ist.
Solche Abstufungen, bis wann ein Normbruch hinnehmbar ist und ab wann nicht mehr, gibt es wohl in jeder Sprache. Sie werden zudem auch individuell gehandhabt.
Witzigerweise wird ein grammatischer Normbruch umso weniger hingenommen, je weniger pragmatische Relevanz die Grammatik hat. Die Markierung des Dativs ist in einer Situation, in der es vorwiegend um Handlung geht, sicherlich nicht sonderlich wichtig. Dagegen wäre es schon ganz sinnvoll, wenn man bei einem Befehl wie »Hausaufgaben!« wüsste, was man mit den Hausaufgaben denn nun machen soll. Doch genau das wird häufig wieder vom Kontext klargestellt. Am Anfang einer Unterrichtsstunde heißt dies, dass die Schüler ihre Hausaufgaben herausholen sollen; am Ende der Unterrichtsstunde werden dadurch die Hausaufgaben angekündigt.

Die Grammatik einer gemeinsamen Welt

Es gibt vermutlich keinen einheitlichen Grund, die Grammatik zu benutzen. Zumindest aber gibt es verschiedene Aspekte, warum eine Grammatik sinnvoll ist. Und natürlich gibt es dann auch Aspekte, die der einen, wie der anderen Grammatik, der normativ fixierten, wie der situativ ergänzbaren, gemeinsam sind. Versuchen wir es mit einem ganz unwahrscheinlichen Beispiel, der Intersubjektivität. Grammatische Kompetenz wird sehr gerne als psychische Kompetenz ausgegeben. So spielt bei der generative Transformationsgrammatik (den Adepten von Noam Chomsky) die Kultur kaum eine Rolle für die Entstehung der Grammatik. Die Tiefengrammatik ist eine Sache des Denkenkönnens, und der Weg zur Oberflächengrammatik ebenso. Dass Chomsky das nicht in einem so strikten Sinne gemeint hat, wird selten deutlich.
Tatsächlich kann man aber auch von der Oberflächengrammatik aus argumentieren und entlang der philosophischen Vertragstheorien. Demnach kann man eine Parallele zwischen der Arbeitsteilung und der situativen Grammatik ziehen. Und eine andere Parallele könnte zwischen der politischen Sicherheit und dem Einhalten sprachlicher Normierungen gesehen werden. Beidesmal aber ist die Grammatik intersubjektiv. Sie ist ein Zeichen für die Geregeltheit menschlicher Verhältnisse. Dann wird auch klar, warum die Grammatik umso stärker normativ eingefordert wird, je weniger sie einen situativen Halt erfährt: wenn man nicht durch Arbeitsteilung etwas miteinander gemeinsam tun kann, dann will man sich wenigstens auf Verträge verlassen können.
So oder so dient die Grammatik einer gemeinsamen Welt. Zumindest unter diesem Blickwinkel, denn natürlich wäre es Unsinn, die Grammatik nur auf diese beiden Funktionen zu reduzieren.

Die nicht notwendige Grammatik

Grammatik, so sage ich manchmal, dient auch dazu, seine Vorstellungen präziser auszudrücken. Aus dieser Behauptung ergeben sich ganz andere Herausforderungen. Grammatisch korrekte Sätze können auf unterschiedliche Art und Weise präzise sein. Das sieht man leicht an den Ergänzungen, die man Sätzen einfügen kann und die nicht zu einer größeren grammatischen Korrektheit führen. Der Satz »Es regnete.« und »Es regnete schon den ganzen Tag wie aus Kübeln.« sind beide grammatisch korrekt und drücken doch nicht dasselbe aus. Man kann allerdings in beiden Sätzen unterschiedliche Bedürfnisse des Sprechenden vermuten, sich auf die eine oder die andere Weise auszudrücken.
Man könnte hier, ganz im Duktus Wittgensteins, fragen: Wie weiß ich denn, dass ich meine Vorstellung korrekt ausgedrückt habe?
Hier haben wir einen ganz anderen Übergang zwischen grammatischen Formen als eben besprochen. Auf der einen Seite gibt es den „notwendigen“ arbeitsteiligen oder vertraglichen Zusammenhang in der Gesellschaft, auf der anderen Seite finden wir die objektive und subjektive Notwendigkeit, an einer Gesellschaft teilzuhaben.

10.05.2014

Vom mangelhaften Zustand weiblicher Brüste

Frauen haben zwei Brüste und darin ist die Miltsch für die Beebys. Besser wäre rechts Milch und links Kakau oder Cola.
Im Fernsehen werden immer viele Brüste gezeigt. Beebys dürfen nicht fernsehen, weil sie davon ständig Hunger kriegen.
Text einer Schülerin, 2. Klasse

08.05.2014

Ach Wittgenstein

387. Der tiefe Aspekt entschlüpft leicht.
Wittgenstein, Ludwig: Philosophische Untersuchungen
Wittgenstein ist echt faszinierend.
Ich habe mich ja schon seit langer Zeit mit ihm beschäftigt: ich glaube, Wittgenstein war der Philosoph, den ich nach meiner Nietzsche-Phase gründlicher gelesen habe, also etwa mit 17; und natürlich kann man ihn auch für das Studium der Sprachwissenschaften wunderbar verwenden. 

Wittgenstein und Arendt

Im Moment entdecke ich Wittgenstein aus ganz anderen Gründen. Ich war ja mal bei Hannah Arendt (und werde demnächst auch wieder dorthin zurückkehren, weil ich mir gerade Eichmann in Jerusalem gekauft habe). Was mich bei Hannah Arendt sehr interessiert hat, das war diese Logik des »Zwischen«, also das, was ich mittlerweile die politische Logik nenne.
Von dort aus hat sich dann mein Lesen vervielfältigt. Klar, zunächst war das Judith Butler, die sich an bestimmten Stellen auf Hannah Arendt bezieht. Und über Judith Butler dann auch mal wieder Michel Foucault und, kurz und recht hineingezwängt, Claude Lévi-Strauss. Wie aber bin ich nun zu Wittgenstein gestoßen? Darüber rätsele ich jetzt seit zwei Stunden. Ich weiß es, ehrlich gesagt, nicht mehr. Irgendein Zitat muss mich aufgeschreckt haben. Oder es war eine Erinnerung.
Jedenfalls ist mir dann bei ihm (also Wittgenstein) als erstes der Begriff der Mannigfaltigkeit über den Weg gelaufen, den ich von Kant gut kennen und der mir bei Wittgenstein nie so richtig aufgefallen ist. Also bin ich zunächst diesem Begriff gefolgt. Dann kam die Grammatik dazu. Und dann verschiedene Bemerkungen von Wittgenstein, die so wunderbar zu Bemerkungen von mir zu Hannah Arendt passten. 

Essenz und Gebrauch

Worum geht es also? Schlichtweg um die Auseinandersetzung zwischen Essentialismus und Anti-Essentialismus. Der schlägt sich z.B. in der Frage nieder, ob es ein natürliches Wesen von Frauen gäbe oder nicht.
Wittgenstein ist dort sehr deutlich. Er schreibt:
371. Das Wesen ist in der Grammatik ausgesprochen.
Philosophische Untersuchungen
Und einiges anderes mehr. Die einzelnen Aspekte und Fragmente um diese eben zitierte Stelle herum sind darin sehr deutlich und sehr interessant.
Man könnte z.B. auch sagen, dass das Wesen der Frau in der Grammatik ausgesprochen wird, oder sagen wir einfach umfassender, im Sprachspiel. Und dass die Frau in verschiedenen Sprachspielen mitwirkt, so dass die Bedeutung der Frau aus diesem Sammelsurium von Sprachspielen entsteht, die sich aktuell, in einer Gesellschaft, spielen lassen. Dass die Frau ein biologisches Wesen sei, ist ebenfalls nur ein Sprachspiel. Man kann mit einer Frau auch andere Spiele spielen. 

Philosophie der Oberfläche

Was mich am meisten fasziniert, ist, dass Wittgenstein auf seine Art und Weise ganz an der Oberfläche bleibt, nie in irgendeiner Weise in die Tiefe hinabsteigt, zu einem Wesen, zu einer Essenz. Er schreibt sich nicht um das herum, was das Wesen eines Phänomens sei, sondern er schaut sich den Gebrauch dieses Phänomens an. Man könnte also sagen, dass bei Wittgenstein alles „flach“ wird. Es ist aber trotzdem nicht einfach, weil die Tiefe die Fähigkeit hat, alles einfacher zu machen, alles zu summieren. Jedoch hat die Tiefe einen entscheidenden Nachteil: es wird alles zum Geheimwissen.
Genau das macht eben Wittgenstein nicht. Auf seine Art und Weise liegt alles offen da, lesbar, sichtbar, ohne ein Rätsel und ohne ein Geheimnis. Und trotzdem ist alles, so empfinde ich das, wild und aufregend. 

»Zwischen« und Mannigfaltigkeit

Jenes »Zwischen«, aus dem Hannah Arendt ihre politische Logik entfaltet, schreibt sich in gewisser Weise auch bei Wittgenstein ein, allerdings weniger mit dem Menschen als Subjekt, als mit dieser Differenz als Subjektspender. Diese Mannigfaltigkeiten erschaffen nie das ganze Subjekt, sondern sind immer nur an seiner Konstitution neben anderen Mannigfaltigkeiten beteiligt, so dass das Subjekt (was man hier durchaus grammatisch lesen darf, denn es sind nicht nur Menschen, sondern auch Ideen oder Farben oder simple Gegenstände) wie ein Flickenteppich erscheint.
So gelesen ist Arendts großes Problem, dass sie heimlich immer noch von einer Einheit ausgeht, die all diese verschiedenen Richtungen und Strömungen versammelt und zu einem durchaus vielfältigen, aber letztendlich doch unteilbaren Körper versammeln.

06.05.2014

Wittgensteins Beulen

Ein Grund, warum ich gerade wenig (offiziell) schreibe, liegt an meinem großen Lesepensum. Ich habe gerade einige Bücher über Wittgenstein hinter mir und diese auch weitestgehend durchkommentiert (mein Spracherkennungsprogramm funktioniert im Moment ganz hervorragend).

Wittgenstein hat so wunderbare Bilder und Analogien. Z.B. diese aus den »Philosophischen Untersuchungen«:
190. Die Ergebnisse der Philosophie sind die Entdeckung irgendeines schlichten Unsinns und Beulen, die sich der Verstand beim Anrennen an die Grenze der Sprache geholt hat. Sie, die Beulen, lassen uns den Wert jener Entdeckung erkennen.

05.05.2014

Nehmen Sie den Körper ab

So bewirbt eine ominöse Seite eine Pille für Schlankheit.
Besser aber noch ist die für die Potenzpillen:
Müssen Sie für Stunden stehen?
die Frauen liegen Ihnen auf Füßen

02.05.2014

Noch einmal Dobelli: Denkfehler und Kohärenz

Ich mag dieses Buch nicht, dieses Buch von Dobelli, das Die Kunst des klaren Denkens heißt. Immer noch bin ich der Überzeugung, dass eine gute Einteilung der Merkmale viele Probleme anders darstellt und sich daran andere Argumentationen anschließen. Seit einigen Jahren bringe ich meinen Kunden als erstes bei, die Merkmale zu sammeln, zu gewichten und zu typologisieren. Denn das, was man üblicherweise Argumentation nennt, der Schluss und die Schlussfolgerung eben, sind dann nur noch billige Formalien.

Kohärenz

Hinter den ganzen Beispielen, die Dobelli aufzählt, gibt es ein gemeinsames Prinzip: das Prinzip der Kohärenz. Anders gesagt: nimmt man zwei Merkmale gleichzeitig wahr, muss eine Verbindung gedacht werden. Dabei gibt es drei typische Unterformen: einmal die Kausalität und einmal die gemeinsame Funktion, die sich wieder aufteilen lässt in "funktioniert nur zusammen" und "muss nacheinander benutzt werden". Als dritte Unterform schließlich kann man den Gegensatz nennen.
Anders ausgedrückt: wir neigen dazu, auch eher zufällige oder relativ unabhängige Ereignisse als eine Kausalität zu denken. Das eine muss Ursache und das andere Wirkung sein. Oder: das eine ist der Ausgangszustand, das andere der Endzustand; und dahinter findet sich eine treibende Kraft. Letzteres Spiel ist bei den Astrologen sehr beliebt. Nicht du hast dich doof benommen, sondern Uranus hat gravierende Strahlen zu dir ausgesendet.

Junge Schriftsteller

Was zusammen genannt wird, muss auch irgendwie zusammen gehören. Dieses Spiel ist zum Beispiel in Schreibratgebern beständig zu finden. Da steht dann zum Beispiel "Jeder Roman braucht ... Konflikte". Und schon rennt man dem großen, dem dramatischen, dem weltbewegenden Konflikt hinterher. Aber wer zum Teufel sagt uns denn, dass es so sein muss?
Ich möchte damit gar nichts gegen Konflikte sagen. Was mir allerdings auffällt, ist, dass die Konflikte so sehr in den Mittelpunkt gestellt werden, dass eine Geschichte zu erzählen gleichbedeutend ist mit einem Konflikt zu dramatisieren; dabei fällt vieles als nebensächlich unter den Tisch. Oder es wird nur noch als Werkzeug verstanden. Dass ein Text alleine wegen seiner Sprache schön sein könnte, das fällt dann vielen nicht mehr ein. Und es gibt tatsächlich Romane, die ohne einen großen Konflikt auskommen. Ich erinnere mich zum Beispiel an Der Bildverlust von Peter Handke. Das ist ein toller Roman. Aber einen echten Konflikt findet man darin nicht.
Weil es aber dicht beieinander steht, wertet man die Konflikte als besonders oder sogar als alleinig relevant.

Gestaltgesetze

Am besten bekannt ist dieses Prinzip der Kohärenz von den Gestaltgesetzen. Diese werden immer für visuelle Medien thematisiert, seltener für symbolische. Für die symbolischen Medien (aber nicht nur für die) gibt es aus der Literaturwissenschaft einen höchst nützlichen Begriff: den der Isotopie. Als Isotopie bezeichnet man eine Ebene, auf der ein Merkmal mit bestimmten Begriffen eines Textes verbunden ist. Dabei kann es sich um ganz sinnlichen Merkmale handeln, wie zum Beispiel rot, dunkel, bewegt, und anderes. Es kann sich allerdings auch um sehr abstrakte Begriffe behandeln wie gerecht, kinderlos, altertümlich, usw.
Solche Isotopien laufen unterhalb eines Textes mit und falten die rein syntaktische Ebene, die ein reines Nacheinander ist, zusammen. Dabei gibt es relativ deutliche Faltungen, zum Beispiel die Figuren eines Romans. Jedes Mal, wenn ich einen Peter erwähne, bildet sich eine solche Schleife. Figuren sind relativ einfache Faltungen. Man kann zum Beispiel bei Rilke und Kleist eine Isotopie bilden, die sich „Aufwärtsbewegung“ nennen lässt. Dabei geht es um typische Bewegungen nach oben. Das wiederum ist eine sehr unübliche Isotopie.

Klassiker

Dobelli missachtet solche Klassiker. Es müssen nun nicht gerade literaturwissenschaftliche Begriffe sein. Tatsächlich gibt es hier viele äußerst nützliche Konkurrenzunternehmen. Aber es ist schon echt erstaunlich, wie alt teilweise das Wissen ist, was uns dieser Autor in seinem Bestseller verkauft.

Die Gewichtung von Merkmalen also, die Einteilung der Argumente und die Ordnung der Urteile, damit hätte sich viel mehr erreichen lassen als mit den zahlreichen Beispielen, die Dobelli gibt und denen er keinerlei tiefer gehende Theorie beifügt. Falsch sind die Beispiele nicht, aber oberflächlich und unsystematisch. Keinesfalls aber ist sein Buch, wie der Klappentext verspricht, grundseriös.
Eine fundierte Grundlage bietet zum Beispiel das Buch Einführung in die Semiotik von Umberto Eco.

Die Theatralisierung des performativen Selbstwiderspruchs

In dem Buch findet sich zum Beispiel die Bestätigungsfalle als Denkfehler. Mit der Bestätigungsfalle ist gemeint, dass wir eine Information eher glauben, wenn sie unsere Annahmen und unser Weltbild bestätigt. Wenn wir zum Beispiel sowieso schon einen Groll auf eine Kollegin hegen, suchen wir nach weiteren Beispielen, die unseren Groll bestätigen. Problematischer ist das dann, wenn wir uns fast gezwungen sehen, uns solche Beispiele zu erfinden. Dann entsteht leicht der Vorwurf der üblen Nachrede. Aber schon vorher sollte man mit einem solchen Wissen äußerst vorsichtig umgehen.
Eine Möglichkeit, seine Ware an den Mann zu bringen, ist die Bildung von Oberbegriffen, die sich eindeutig gut oder eindeutig schlecht anhören. Und da man fast sämtliche Phänomene mal in eine solche gute oder schlechte Kategorie einordnen kann, kann man auch dasselbe mal verkaufen, mal die Menschen vom Kauf abhalten.
Nehmen wir dafür Dobelli selbst als Beispiel. Wer würde schon das klare Denken ablehnen? Wer möchte schon Denkfehler begehen? Der Titel von Dobellis Buch selbst wird fragwürdig, wenn man das Buch von Dobelli liest. Im Prinzip sagt er uns: Achtung, hier habt ihr ein Buch gekauft aufgrund einer Entscheidung, die ein Denkfehler ist. Konsequenterweise müssten wir jetzt das Buch zurückgeben und das Geld zurückverlangen.
Fast genau dasselbe schreibt Dobelli wenige Seiten später zu den Statussymbolen und der Autoritätenfalle. Ein Experte braucht solche Statussymbole, damit er erkannt wird. Allerdings geht es hier nur um das Erkennen, nicht um die Möglichkeit, ein solches Expertentum tatsächlich auszufüllen.
Wenn man sich also das Buch von Dobelli gründlicher anschaut, sich also darauf hin anschaut, was er sagt und was er tut, dann finden wir teilweise scharfe Widersprüche. In der Logik nennt man solche Widersprüche zwischen Inhalt und Form performative Selbstwidersprüche.