20.03.2013

Subkulturelles Senfgelb

Lea hat vor einem Monat eine Glosse in der taz veröffentlicht. Gehüllt in Erde und Schlamm. Besonders lustig fand ich die Behauptung von Axel Venn, einem Professor für Farbgestaltung, senfgelb sei subkulturell. Häh? Seit wann ist denn eine Farbe kulturell? Geschmäcker, Trends sind kulturell. Aber eine Farbe?

Ansonsten: ich habe viel zu tun und komme nicht zum Schreiben. Ihr werdet also in den nächsten Wochen wenig von mir hören und wenn, dann eher kurze Sachen.

09.03.2013

Vorurteile und die junge Islamkonferenz

Es ist faszinierend (und ärgerlich), wie falsche Begriffe und falsche Methoden zu recht seltsamen Aussagen führen. Ein solches Wort ist das Wort Vorurteil. Gauck wünscht sich einen vorurteilsfreien Dialog mit Muslimen. Doch das ist natürlich absoluter Unsinn. Man tritt in einen Dialog, weil man sich nicht so gut kennt. Man muss Vorurteile haben. Man muss eben nur mit ihnen umgehen können.
Ein Vorurteil ist erstmal nichts Schlimmes, nichts Böses. Es ist eine Aussage, die vor dem Urteil geführt wird und in der Argumentation revidiert wird.
Die Gefahr an dem Verbot von Vorurteilen besteht unter anderem in dem hohen Druck, der auf die Diskutanten aufgebaut wird. Man weiß es noch nicht oder hat eben undifferenzierte Urteile. Zudem müssen es ja Vorurteile sein, denn sobald es ein Urteil ist, kann man darüber nicht mehr diskutieren.
Freilich gehe ich hier von einem Begriff des Vorurteils aus, der sich eher auf einen philosophischen Begriffsapparat bezieht. Der alltäglich benutzte Begriff ist ja mit "böse", "schlecht", mindestens "gedankenlos" konnotiert. Und das ist auch deshalb kritisch zu sehen, weil eine mögliche Wahrheit suggeriert wird: man könne, so macht die Rede vom vorurteilsfreien Dialog deutlich, die Fehlbarkeit menschlichen Zusammenlebens überwinden. Den philosophischen Begriff des Vorurteils dagegen muss man als notwendiges Moment einer Diskussion nehmen. Zwar ist er noch bei Kant, auch später, auf die mögliche Wahrheit bezogen, aber er ist eher methodischen als moralischen Charakters.

Nicht also die Vorurteile sind schlecht, aber der Umgang mit ihnen. Vor allem der Umgang mit den eigenen Vorurteilen braucht viel Disziplin.

04.03.2013

und jetzt brauche ich doch den gesamten Aristoteles

Im Internet ist allerlei Widersprüchliches zum Enthymem zu finden. 
Aristoteles hat sich ausführlich zu den Enthymemen geäußert, nur besitze ich diese Werke eben nicht. Lediglich das Organon kann ich mein nennen. Jetzt nervt mich aber, dass ich die widersprüchlichen Behauptungen zum Enthymem nicht auf eine gute Lektüre-Basis stellen kann. Deshalb werde ich mir morgen, obwohl ich mir eigentlich ein Bücherkauf-Verbot verordnet habe, die Gesamtausgabe des Aristoteles holen.

Auch mein Göttert (Einführung in die Rhetorik, München 1991) bleibt hier etwas sehr oberflächlich und jedenfalls nicht so, dass sich für mich eine Klärung ergibt. Also eben doch der Aristoteles. Mein Bücherregal hat ja sonst nichts zu tun.

Und wo wir gerade beim Einkaufen sind: ich habe mir heute Hosen und Hemden gekauft, vor allem habe ich einige schöne Hemden gefunden, die etwas farbenfroher und gleichzeitig gediegen sind und wesentlich besser zu mir passen als diese (ich hasse sie) Business-Hemden. Und weil ich gerade dabei war, Geld auszugeben, habe ich mir noch zwei Paar Schuhe gekauft, unter anderem zum ersten Mal (glaube ich) in meinem Leben braune. Ich bin immer noch ganz fertig von meiner eigenen, innovativen Kraft.

Politik oder Quoten-Zoten?

Eine Zeitschrift, die – wie der Stern – ihrem Publikum peinliche Zotengeschichten aus dem Leben eines Politikers verkauft, kann sich selbstverständlich auf die Pressefreiheit berufen, aber wenn sie – wie ebenfalls der Stern – ihrem Publikum diese Geschichten in der Rubrik „Politik“ verkauft, dann stellt sie dem politischen Journalismus den Totenschein aus. Damit steht der Stern nur an der Spitze eines Trends im Journalismus, der den Blick auf politische Probleme und gesellschaftliche Prozesse zunehmend durch den Blick in die Hose oder unter den Rock der daran beteiligten Akteure ersetzt. 
Frankfurter Rundschau: Ein Sexist wird besichtigt
Und mehr muss man dazu auch nicht mehr sagen, oder?

Homosexuelle, Manager-Gehälter und Gauck und der Sexismus

Statt ernsthaft zu schreiben, krame ich den ganzen Tag in den aktuellen Nachrichten herum. Besonders regt mich die Debatte über die Gleichstellung Homosexueller im Steuerrecht und Adoptionsrecht auf. Meinetwegen darf die christliche Ehe ja noch die nächsten 1000 Jahre heterosexuell bleiben. Doch das hat mit dem Grundgesetz, dem Recht auf Gleichstellung und der säkularisierten Ehe wenig zu tun. Dementsprechend muss, ich fordere es ja seit Jahren, die christliche von der juristischen Ehe strikt getrennt werden. Eine Vermischung ist fatal. Ihr Endergebnis lässt sich an den religiösen Staaten des Islamismus ahnen.
Besonders kühn (oder dämlich) war allerdings Dobrindt: er argumentierte, dass es viel zu wenig Daten gebe, um etwas über die Qualität homosexueller Eltern zu sagen und deshalb kein Anlass bestehe, diesen das Adoptionsrecht einzuräumen. Das allerdings ist eine äußerst verquere Ansicht: weil wir noch nicht wissen, ob etwas gut ist, verbieten wir es einfach mal (oder lassen es erst gar nicht zu).
Scheinheilig finde ich auch die CDU und CSU, die die erste Gesetzesnovelle, die zumindest die homosexuelle Ehe möglich gemacht hat, als ihre eigene Leistung verkauft. Da hat jemand ein ganz ganz schlechtes Gedächtnis. 
Im übrigen bin ich überhaupt kein Freund von solchen Veranstaltungen wie dem CSD. Ich sehe zwar ihre Notwendigkeit ein, finde sie aber zu sexualisiert und zu wenig politisch. Außerdem sind die vielen Kundgebungen oft nur noch ein reines wirtschaftliches Geschäft. Der Kampf um Gleichberechtigung in der öffentlichen Meinung als Marketing-Strategie. Gerade wird man auf Facebook mit Unterhosen-Werbungen zugeschüttet, die weniger die Unterhosen, als die Inhalte in den Vordergrund stellt. Und genauso geschieht es mit den „heiratswilligen“ Frauen. (Doch darüber regt sich keiner auf, nicht vor der Sache mit Brüderle und auch nicht danach.)

Gefreut allerdings hat mich, dass die Schweizer ein recht revolutionäres Gesetz auf den Weg gebracht haben: die Beschneidung von Manager-Gehältern. Auf solche Gesetze dürfen wir hier in Deutschland wohl noch einige Zeit verzichten. Angela Merkel hat zwar zurzeit der so genannten „Bankenkrise“ groß herumgetönt. Nur ist wenig passiert.
Wer hat's erfunden?
Die LINKEN, wie fast alle wichtigen Lösungen, die derzeit im wirtschaftlichen Bereich debattiert werden.

Gauck spricht im Fall Brüderle von einem Tugendfuror. Jeder beeilt sich (das sagt aber nicht Gauck, sondern ich), diese Art des Sexismus als besonders schlimm zu empfinden und dem ganzen eine weitere Anekdote hinzuzufügen.
Was uns die Debatte nicht sagt, ist, dass der strukturelle Sexismus und der Einzelfall nicht vermischt werden dürfen. Was im Einzelfall eine dumme Zote ist, die eine Reporterin zwar nicht ertragen, aber auch nicht so auswalzen muss, ist in einem anderen Einzelfall, der aus Vergewaltigung oder Nötigung besteht, eine ganz andere Sache. Diese Wichtigtuerei ist tatsächlich nur eine moralische Hülse. Den Frauen, denen es in Deutschland wirklich noch schlecht geht, wird sie sicherlich nicht helfen. Sie geht an deren Lebenswirklichkeit komplett vorbei. Der Sexismus-Vorwurf wird zu einem Privileg der Gebildeten. Eigentlich ist das ziemlich widerlich.

Immerhin habe ich mich aber mit den Enthymemen bei Aristoteles intensiver beschäftigt. Und ich habe mir einen Schreibtisch (auf dem Zettelkasten von Daniel Lüdecke) zur mathematischen Förderung angelegt. Ich war also nicht nur politisch zugange.