30.10.2011

Psycho-Holmes

Über den Blog meines sehr geschätzten Kollegens Udo Seelhofer bin ich auf den Blog von Reziratte gestoßen und dort auf eine Hörspielserie, in der Sigmund Freud die Hauptfigur darstellt. Leider ist das ganze eine Art von Krimi, eine Verwurstung der historischen Figur und zeigt (zumindest lassen die Rezensionen darauf schließen) starke Ähnlichkeiten mit der literarischen Figur des Sherlock Holmes.


28.10.2011

Arroganz des Sozialwissenschaftlers

Eine Lernstrategie muss immer reduktiv vorgehen: Sie muss über Zusammenhänge vereinfachen. (Mit Lernstrategien umzugehen gehört also dicht an die Strukturwissenschaften herangetragen: an die Mathematik und die Logik. Zusammenhänge erkennen ≠ nachahmen/nachplappern; dies die Arroganz der Sozialwissenschaftler: Sie ersetzen die ungleich komplexere (diffusere) Logik des sozialen Lebens durch die Nachahmung von "demokratischen"/"kritischen" Meinungen.)

(Dies ist ein Kommentar, den ich vor anderthalb Jahren geschrieben habe. Da ich gerade etwas zu Lernstrategien schreibe, kam er mir wieder auf den Schreibtisch. Später, ich glaube diesen April, habe ich nochmal Notizen zu dem Thema gemacht, wie mimetisch die Meinung sein darf und wie "hilfreich" es ist, mit Meinungen zu brechen oder zu provozieren.)


27.10.2011

Frustriert

Frustriert bin ich, weil ich mich heute mit einem Kollegen unterhalten habe. 

Er wollte mit mir Inhalte eines Fortbildungstages absprechen, kam dann mit einer recht seltsamen Interpretation der Neurophysiologie und als ich ihm sagte, dass das so nicht richtig sei und dass er in seinen Schlussfolgerungen für die Praxis lieber auf Erfahrungswerte zurückgreifen solle, sagte er fast wörtlich zu mir: 

Das sei doch egal. Das könnten die [also die Teilnehmer] eh nicht überprüfen und Gehirn verkaufe sich immer gut.

Liebes Leben! Wie war das mit den griechischen Schauspielen? Erst kam die Tragödie, dann der Bocksgesang. Nicht umgekehrt.


Araberweg

Heute bin ich ziemlich frustriert. Dabei war ich vorher noch lustig. Bleiben wir bei der zeitlichen Reihenfolge.

Ich fuhr heute zu einer Besprechung. Auf dem Weg dorthin haben drei junge Araber den ganzen Gehweg samt Fahrradweg versperrt.


Ich: Das ist ein Fahrradweg, kein Araberweg.


Eins: Was willst du? (im besten klischeehaften Tonfall)


Ich: Fahrradweg.


Eins: Warum sagst du dann Araberweg?


Zwei (zu Eins): Der hat doch gesagt, dass das kein Araberweg ist.


Eins: Warum machst du Witz, über den man nachdenken muss?


26.10.2011

Lesekompetenz

Ich habe gestern Abend meine ganze Schrift zur Lesekompetenz noch einmal in eine Mindmap umgesetzt und diese begonnen, neu zu verschriftlichen. Ich bin jetzt bei knapp 10.000 Wörter. Wahrscheinlich schreibe ich heute nochmal 5000 dazu. Das hört sich viel an, ist aber nicht so viel, wenn man bedenkt, dass ich mich mit diesem Thema gut auskennen. Zudem habe ich den Text ja schon einmal geschrieben und möchte nur ein wenig die Struktur und die Atmosphäre verändern. Neulich sagte ein Kunde zu mir, meine Texte läsen sich wie ein schöner Vortrag. Das liegt natürlich auch daran, dass ich über das Spracherkennungsprogramm sehr dicht an der Mündlichkeit bleibe, auch mit allen ihren Schwächen, Wiederholungen zum Beispiel oder alltagssprachlichen Wendungen, die man in (populär-)wissenschaftlichen Texten nicht erwartet.

25.10.2011

Close encounter of ...

... the Herd Hind. Or: Ruby, the rednosed reindeer.
Grins.



Hyperbeln bei Thomas Bernhard

Insbesondere wird aber die von ihm virtuos-aggressiv gehandhabte Übertreibung zu einer sprachlichen Massenvernichtungswaffe, die großflächig ihre diskursiven Angriffspunkte mit Superlativen und Verallgemeinerungen auszulöschen vermag, indem sie ihre Differenzen tilgt oder sie zum Implodieren bringt, zugleich aber auch den Standort des Sprechers zu sprengen droht; denn Bernhards Hyperbeln sind selbstreflexiv und zeigen im Rahmen seiner “Sprache der Ausschließlichkeit” die totalitäre “Anmaßung” hinter jeder sich allgemein gerierenden Aussage.
aus Ruthner, Clemens: Macht-Spiele
Besonders fasziniert bin ich von den ähnlichen Schlussfolgerungen, die der Autor über die Hyperbel/Übertreibung aufstellt.


Außerdem mein Tag:

Lektoriert (nichts aufregendes), ein Cover gemacht, geschrieben.
Etwas Lustiges oder Sinnvolles zu erzählen gibt es nicht.


Habe ich eigentlich …

… schon erzählt, dass ich mir ein weiteres Buch von Roland Barthes gekauft habe? Das Reich der Zeichen. Frankfurt am Main 1981. Jetzt fehlt mir eigentlich nur noch Über mich selbst.


24.10.2011

Schlechte Charaktereigenschaften und Führungsqualität

Schlechte Charaktereigenschaften bringen Menschen in die Chefetage. Das haben Forscher der University of Nebraska herausgefunden. "Wir haben uns die dunkle Seite des Charakters angeschaut und wie sie die Leistung und Entwicklung von Führungspersönlichkeiten beeinflusst", berichtet Studienautor Peter Harms. Das Ergebnis: Menschen, die zum Überdramatisieren und zu Narzissmus neigen, die häufig andere kritisieren und die extrem auf die Einhaltung von Regeln achten, steigen eher in Führungspositionen auf als solche, die diese negativen Charaktereigenschaften nicht haben. Die Wissenschaftler hatten 900 Soldaten der US-Offiziersschmiede West Point über Jahre untersucht. "Zusammengenommen spielten die negativen Eigenschaften eine wichtige Rolle dabei zu bestimmen, welche Kadetten Führungsqualitäten entwickelten", sagt Harms. Waren die negativen Eigenschaften allerdings zu stark ausgeprägt, behinderten sie den Aufstieg. Übergroße Skepsis erschwerte in jedem Fall den Weg nach oben. Das Fazit der Forscher: In Maßen ist ein schlechter Charakter gut für die Karriere.
Eigentlich ziemlich erschreckend.

Aber ich kann es nachvollziehen. Ich bin zum Beispiel kein Mensch, der überdramatisiert. Gerade in Bezug auf mich neige ich eher zur Untertreibung und zu Rücksicht und Höflichkeit. Gedankt wird einem das selten. Und wenn ich einen Kunden anpflaume (zum Beispiel, weil er seine Übungen nicht macht und über das, was er schreibt, nicht nachdenken möchte), habe ich doch relativ häufig einen guten Erfolg damit. Nicht, dass ich das gerne tun würde. Aber es wirkt.

Warum ich mich gerade damit beschäftige? Immer noch wegen der Hyperbel. Mittlerweile aber auch: Humor. Ich systematisiere gerade alle meine Anmerkungen im Zettelkasten zum Thema Humor und Witz. Systematisieren heißt in diesem Falle nicht: ordnen; sondern aufdecken, wo und wie die rhetorische Figur der Hyperbel gebraucht wird. Ansonsten springe ich (wie es mir mein Zettelkasten vorgibt) von Camilleri (Commissario Montalbano) über Wilhelm Busch über Liechtenstein und Heine, Bastian Sick, Eoin Colfer (Artemis Fowl). Selbst Schopenhauer! Doch wer Schopenhauer gelesen hat, wird das nicht so ungewöhnlich finden. Er ist ein brillanter Spötter!



23.10.2011

Hyperbel und Pornografie

In den letzten drei Tagen (ich sagte es ja schon) habe ich mich mit der Hyperbel beschäftigt. Jetzt habe ich dazu drei Artikel geschrieben:
Ein Artikel allerdings fehlt noch: der zur masochistischen Hyperbel. Dieser bezieht sich auf Gilles Deleuze und seinen Aufsatz "Sacher-Masoch und das Problem des Masochismus". Im Moment bin ich aber von der vielen Denkerei etwas abgeschlafft. Außerdem reichen ja wohl drei Artikel zu Rhetorik und zur Gender-Theorie.


22.10.2011

Gute Parade

Aus der Krimiserie "Life", erste Staffel, erste Folge:
"Haben Sie nichts besseres zu tun?"
"Nein, im Moment nicht."
Ebenfalls sehr schön:
"Machen Sie sich lustig über mich?"
"Das ganze Universum macht sich lustig über uns."
"Warum sollte sich das Universum über uns lustig machen?"
"Vielleicht ist es unsicher."

20.10.2011

Das Problem von Hyperbole oder Hyperbel:

Selbst wenn die Hyperbel als "falsch" angesehen wird, suggeriert sie unter der Hand nicht nur, dass es ein richtiges Maß gäbe, sondern vor allem auch, dass es EIN Maß sei.

Und hier müsste man dann auch noch zahlreiche andere, zum Teil recht pragmatische Aspekte mit dazu nehmen, zum Beispiel wie sich der Sprechende durch eine Hyperbel inszeniert.

Eventuell: die Hyperbel als Paralogismus, als eine Extrapolation. Natürlich ist die Extrapolation bereits eine Übertreibung, da sie einen Aspekt bevorzugt und alle anderen möglichen Aspekte vernachlässigt. Sie bezeichnet auf der logischen Ebene das falsche Lesen, das tendenziöse Lesen.


Das tendenziöse Lesen kann auch polemisch gemeint sein.


Zum Beispiel:
"Er [die triadische Form des Ödipus] beruht auf dem Paralogismus der Extrapolation, der die formale Ursache von Ödipus begründet und dessen Illegitimität insgesamt auf folgender Operation lastet: von der signifikanten Kette ein transzendentes ganzes Objekt, gewissermaßen als despotischen Signifikanten, von dem in der Folge die ganze Kette abzuhängen scheint, herauszuziehen, einer jeden Wunschposition einen Mangel zuzuschreiben, den Wunsch an das Gesetz zu schmieden, die Illusion einer Ablösung zu erzeugen."
(Deleuze/Guattari: Anti-Ödipus, Seite 142)

Dabei geht es aber nicht nur darum, ein positives Objekt zu erstellen (das wohl am wenigsten), sondern vor allem ein interessantes (der Ödipus, die Weiblichkeit, um zwei typische Beispiele von Freud zu zitieren) oder ein gefährliches (wie Scholz in den Spielregeln des Lebens die Wissenschaft als ein nur scheinbar hilfreiches Objekt, in Wirklichkeit aber ein verlogenes, neurotisches und irreführendes Objekt einführt).


Das Problem von Aufzählungen: auch sie setzen gleich, allerdings setzen sie Funktionen gleich. Man kann dies ab Seite 7 bis Seite 9 gut studieren: beispielhaft werden Fehlentwicklungen unserer Gesellschaft gebrandmarkt und dabei unterstellt, dass alle die gleiche Wurzel haben. Hier werden nicht nur einzelne Symptome miteinander vermischt, sondern diese Symptome auch als Einheit gesehen. Tatsächlich aber sind es metaphorisch arbeitende Textabschnitte, die zwei Beispiele in einer ähnlichen Art und Weise gleichsetzen, wie die Metapher zwei Wörter "gleichsetzt".

Solche metaphorischen Gleichsetzungen sind alleine deshalb schon gefährlich weil zum Beispiel die Unzufriedenheit, auch die zielelose Unzufriedenheit, so der psychiatrischen Erkrankung ähnlich erscheint. Zumindest könnte man beim Lesen des Textes darauf kommen (Seite 7).


Die metaphorische Gleichsetzung von Textpassagen stellt auf der Ebene der Textrhetorik das dar, was auf der Ebene der Argumentation entweder einen Bruch oder eine Parenthese ist.

(Die Parenthese müsste ich auch noch einmal genauer untersuchen, bzw. den Exkurs. Gerade hier erscheint mir Robert Walser seit Jahren als ein mögliches zentrales Forschungsobjekt.)


Im übrigen ist das Zitat von Deleuze/Guattari schon allein deshalb klasse, weil auch Scholz (ähnlich wie Freud) mit dem Mangel arbeitet, mit einem (wissenschaftlichen) Wissen, das sich als Vollständigkeit behauptet, in Wirklichkeit aber die wichtigen Aspekte des Lebens nicht thematisiert, ja diese sogar verdrängt.

Die Spielregeln des Lebens

Ich habe gerade einen Artikel (Rezension) zu dem Buch Die Spielregeln des Lebens. 12 Gesetze, die unser Schicksal lenken verfasst; neben meiner ersten Lektüre, die der Rezension galt, folge ich einer zweiten, die der Rhetorik gewidmet ist, mit der dieses Buch arbeitet. Damit nehme ich eine alte Arbeit auf, in der ich mich mit der Rhetorik von Osho (also der Praxis, nicht der Theorie des Darstellens) beschäftigt habe.

Ein Fragment aus meinen Anmerkungen möchte ich euch hier zu lesen geben, weil es auch für die Politik einige bedeutsame rhetorische Mechanismen anspricht.


Wie baut man ein Bedrohungsszenario auf?
Die durchaus gute Schreibweise dieses Autors (viele aktive Verben) suggeriert, dass abstrakte Begriffe handlungsfähig seien: die Wissenschaft zum Beispiel; und handlungsfähig suggeriert weiter, dass dahinter eine Absicht, eine Art strukturell böser Willen stecke.

Wie also baut man ein Bedrohungsszenario auf?

Indem man (1) ein heterogenes Phänomen wie die Wissenschaft vereinheitlicht; dies geschieht vor allem grammatisch, indem es immer DIE Wissenschaft heißt (also immer im Singular); (2) indem diese abstrakte Einheit Handlungen ausführt; dies wird durch aktive Verben erreicht; (3) durch übertreibende oder verabsolutierende Adjektive, die entweder durch das Prädikat, durch ein beigefügtes Modalwort ("angeblich gesichertes Wissen" (Seite 6)) oder durch einen nachfolgenden Widerspruch disqualifiziert werden.

Dabei wird die Wissenschaft personifiziert, als eine Art tragischer Protagonist. Der Leser dagegen wird in die Position eines Zuschauers gerückt, der die Geschehnisse auf der Weltbühne jetzt distanziert betrachten kann und das Scheitern des Protagonisten aufgrund seiner Blindheit moralisch beurteilen kann.

So wiederholen die esoterischen (oder spiritualen) Texte die grundlegenden Mechanismen der Aufklärung und des aufklärenden Theaters.



19.10.2011

Facebook, Bundes-Trojaner ...

Über den Bundes-Trojaner muss ich wohl nichts sagen. Hier noch ein Artikel über Facebook; genauso schlimm (in den letzten Tagen bin ich kaum noch auf Facebook gewesen).
Das Problem ist allerdings auch, dass die Unterscheidung öffentlich/privat immer eine öffentliche Entscheidung ist, eine sprachliche. Der Streit um sie ist auch nicht neu, siehe zum Beispiel Vergewaltigung in der Ehe oder die Gefährdung des Kindeswohls. Es gibt also aus der Struktur heraus ein Ungleichgewicht, wo und wie über die Differenz öffentlich/privat entschieden wird.
Allerdings gibt es hier auch eine Alternative, nämlich diese Bedeutungen zu vervielfältigen und streitbar zu machen. Es scheint mir, dass das zur Zeit der große Sinn der Piraten-Partei ist.
(Der gläserne Bürger ist übrigens eine wunderschöne Metapher. Ich frage mich, was sie bedeuten soll.)

17.10.2011

mein Montag wird mein neuer Sonntag

Wieder einmal entgegen meinen Vorsätzen, am Sonntag nicht mehr zu arbeiten, habe ich natürlich am Sonntag gearbeitet. Zum Teil sind das Kommentare zur Lesekompetenz und zur Metapherntheorie, die ich in meinem Zettelkasten eingepflegt habe. Beides möchte ich gerade in meinem Blog nicht veröffentlichen, da sie für zwei Bücher gedacht sind.
Dafür bin ich heute leicht kränklich, nicht schlimm, aber es reicht, um meine Aktivitäten zu hemmen.


16.10.2011

Tommy Jaud

steht unter Belletristik mit seinem Buch "Hummeldumm" auf Platz 3 der Spiegel-Bestseller-Liste.
Kommt Belletristik nicht von "schön und traurig"?


15.10.2011

Werbefilmchen

Mein zweiter Monitor ist sehr angenehm. Derzeit arbeite ich mich in AfterEffects ein, ein Programm, um Filme zu erstellen, vor allem Werbefilme oder kleine Animationsfilme (ein typisches Beispiel ist South Parc). Ich habe das schon einmal gemacht, allerdings in einer Zeit, in der ich wenig Ruhe hatte. Meine Ergebnisse damals waren lausig. Auch jetzt kann man nicht von irgendetwas Ansehbarem sprechen, aber es geht zumindest in die richtige Richtung.

Nebenbei: solche Filme herzustellen ist anstrengend und zeitaufwändig. Gestern habe ich irgendwann dann den Computer ausgeschaltet und mich mit einem Buch aufs Sofa verkrochen.


12.10.2011

Vampirromane rezensieren

Es ist mir egal ob der Vampir Deutsch, Englisch oder Französisch spricht, solange er sich irgendwann für eine Sprache entscheidet.
Joelle zu dem Buch Tochter der Dunkelheit von Tanya Carpenter auf amazon
Und ich mag euch dieses hier nicht vorenthalten. Ebenda zu finden, Hervorhebung von mir:
Charakterbeschreibung - unglaubwürdig. Ein Vampir, der nachts nackten Frauen in ihrem Schlafzimmer auflauert, ausgerechnet Armand heißt, lange schwarze Haare hat, einen Umhang trägt, ihnen in einem schwülstig-französischen Akzent bereits in der ersten Nacht gesteht, dass er ein Vampir ist (zugegeben, ich musste zwanghaft an Pepe, das Stinktier aus den Bugs-Bunny-Filmen denken), sie direkt als Gefährtin fürs Leben angräbt, sich dann quer durch die Weltgeschichte schläft und seinem potentiellen Opfer erklären muss, dass er nicht als Fledermaus dreimal nachts um den Kirchturm flattert (kein Scherz), braucht dieses inzwischen sehr ausgereifte und vielschichtige Genre nicht.
AngelicBeast



11.10.2011

Kleine Monatsstatistik

Vielleicht bin ich über Twitter etwas zu penetrant. Jedenfalls twittere ich einige gute Artikel recht regelmäßig, z.B. den zu Metaphern, was mir ein Plus von fast 300 Besuchern und eine um etwa hundert Stellen bessere Google-Platzierung gebracht hat.

Der Blog wurde im letzten Monat von 110.000 Usern besucht, was umso erfreulicher ist, als das im Gegensatz zum Vormonat ein Plus von 20.000 Besuchern darstellt.

In der Platzierung meiner am häufigsten besuchten Seiten ändert sich aber nicht viel. Aktuelle Einträge tauchen eine Woche lang auf und verschwinden dann wieder. Meinen (hervorragenden) Artikel zum semantischen Gedächtnis liest niemand, weil ihn niemand sucht. Bei Google steht er auf Rang 9, also erste Seite.


Buchcover: Nacht des Begehrens

So, jetzt habe ich meine Facebooker bereits mit dem Cover beglückt, jetzt zeige ichs auch nochmal im Blog. Das habe ich heute tagsüber zusammengebastelt. (Vorher: zwei Stunden lektoriert, eine Stunde selbst geschrieben.)

Nicht schlecht. Jedenfalls nicht schlecht für meine Photoshop-Kenntnisse. Diesmal sind sogar die Farben ganz in Ordnung.


Wortumfang bei E-Books

Um hier mal einen kleinen Service zu liefern (und gleichzeitig zu gestehen, dass ich einige Bücher, die es noch nicht elektronisch gibt, bereits vor langer Zeit eingescannt habe): hier folgen einige bekanntere Titel plus Anzahl der Wörter (in fett) und Anzahl der Zeichen (mit Leerzeichen).

Der Räuber Hotzenplotz 16.268 - 101.734

Charlie und die Schokoladenfabrik 27.845 - 177.418

Pippi Langstrumpf 25.024 - 149.611

Harry Potter und der Stein der Weisen 81.162 - 502.835

Harry Potter und der Feuerkelch 196.845 - 1.234.437

Needful things (Stephen King) 256.070 - 1.590.814

Herr der Ringe: Die Gefährten 184.427 - 1.133.565

Die Rebellin (Trudi Canavan) 134.159 - 834.991

Tanz mit dem Schafsmann (Murakami) 148.057 - 936.997

Negative Dialektik 118.381 - 853.947

Rahmen-Analyse 174.566 - 1.213.294

Tausend Plateaus 239.133 - 1.685.941

Soziale Systeme 169.114 - 1.281.137

Vorlesungen zur Einführung in die Psychoanalyse
139.137 - 949.866


10.10.2011

Drollig: Romane schreiben

Den halben Tag habe ich an meinen Fragmenten weiter gebastelt, genauer gesagt, seit 14:00 Uhr (ungefähr). Um kurz nach fünf hatte ich dann keine Lust mehr (oder war einfach von der langen Arbeit schon zu unkonzentriert) und habe mich (wieder einmal) an dem kleinen Proberoman ausgetobt, den ich gar nicht weiter schreiben wollte. Mittlerweile war diese Geschichte allerdings so weit gediehen, dass ein Ende in Sicht war. Und jetzt habe ich innerhalb von anderthalb Stunden über 6000 Wörter geschrieben und ihn abgeschlossen. Das hätte ich nun nicht gedacht. Allerdings ging es auch deshalb so flott, weil ich dieses letzte Kapitel schon zu Beginn gut entworfen habe und ich nicht mehr nachdenken musste, welche Wendungen und welche Drehs die Geschichte nehmen muss. Zudem sind solche letzten Konfrontationen fast immer völlig konventionell. Und hier habe ich nun gar nichts Neues überlegt, sondern mich einfach auf diese Konventionalität verlassen.

Insgesamt sind es fast 60.000 Wörter geworden. Geschrieben vom 10. September an, mit zwei Wochen Pause mitten drin und weiteren drei Tagen, an denen ich nichts hinzugefügt habe. Zu einem größeren Teil habe ich auch schon die Rechtschreibung überprüft. Irgendwie tut mir das ganze jetzt gut. Dass ich eine so umfassende Geschichte geschrieben habe, ist schon fast vier Jahre her. Zum Vergleich: der erste Band von Harry Potter umfasst 80.000 Wörter.

Zweifel sind angebracht

Heute sind 13 Schriften bekannt, die Hildegard als Verfasserin angeben, wobei deren Identität mit der Äbtissin angezweifelt wird.
aus: wikipedia, Hildegard von Bingen
Ich schließe mich diesem Zweifel an. (1) ist deren zweideutig reflexiv; (2) ist die Angabe eines Verfassers nicht identisch mit einer realen Person. Besser wäre hier von einer begründeten Urheberschaft zu sprechen.
Als ich den Satz zuerst las, musste ich erstmal lachen, so missgestaltet kommt er daher.




09.10.2011

Sonstiges vom Tage

Den Morgen habe ich damit verbracht, meine Notizen der letzten Tage durchzulesen und Rechtschreibfehler, bzw. falsche Erkennungen (durch das Spracherkennungsprogramm) zu korrigieren.


Emotionale Intelligenz
Was mir im Moment Kopfzerbrechen macht, ist die Systematisierung funktionaler kognitiver Prozesse anhand von Emotionen. Meine intensiven Bemühungen um dieses Thema sind offensichtlich nicht ausreichend gewesen, um hier eine Klärung zu erreichen.
Besonders unfruchtbar erscheinen mir heute all diese Sudelbücher, die sich den Begriff emotionale Kompetenz oder emotionale Intelligenz in den Titel kleben. Meist unterhalten sie nur mit netten Anekdoten, betonen die Wichtigkeit von Gefühlen und arbeiten nichts, aber auch gar nichts aus. Weder neurophysiologisch noch philosophisch sind diese Bücher ein Gewinn, allen voran natürlich der Bestseller Emotionale Intelligenz von Goleman. Das ist nur Bodennebel.


Kompetenzaufbau
Genau dieser Punkt hält mich allerdings auch auf. Mein Buch zum Kompetenzaufbau liegt fertiggeschrieben auf meinem Computer; da es aber nur die kognitive Seite beachtet und ich die emotionale Seite aus Bequemlichkeit, allerdings auch ein wenig aus der Furcht, nicht verstanden zu werden, bereits in ein zweites Buch ausgelagert habe, kämpfe ich mit dem Gefühl des Mangels.


Roman

Im Roman, den ich eigentlich nicht fertig schreiben wollte, habe ich eine weitere Szene eingefügt. Es ist eben zu angenehm, zwischendurch einfach darauf los zu schreiben und sich nicht darüber Gedanken zu machen, wie sinnvoll das ist. Selbstverständlich ist dieser Roman nicht zur Veröffentlichung geeignet.
1300 Wörter. 8000 Zeichen. Der Erfolg einer halben Stunde.



Eigenbewegungen des Geistes

Bei Kant gibt es eine Eigenbewegung der Vernunft, die nach den Gesetzen der Vernunft aus den Reizen Begriffe formt. (Das ist natürlich eine Kurzform.)

Uexküll ersetzt in seinem Buch Theoretische Biologie diese von Kant postulierte Eigenbewegung der Vernunft durch ein sensualistisch-kognitivistisches Modell. An deren Basis stehen die so genannten Lokalzeichen, die hier nicht einen wahrgenommenen Ort bezeichnen, sondern eine Stelle auf einem Reize aufnehmenden Organ (zum Beispiel das Auge oder die Haut), die in der Lage ist, genau einen Reiz zu liefern.

Der Witz an dieser ganzen Überlegung ist, dass die Sinnesausstattung des Menschen (aber auch jedes anderen Tieres) selbst eine räumliche, da körperliche ist. Im Unterschied zum geometrischen Raum wird allerdings dieser sinnliche Raum durch verschiedene Qualitäten ganz anders aufgeteilt, eben sinnlich qualifiziert.

Diese je spezifische Qualifizierung, die zugleich den Raum einteilt, als auch erschafft, diese Qualifizierung also, die zugleich konstruiert und produziert, versteht Uexküll als die Basis der  Eigenbewegungen des Geistes. Von hier aus bewegt er sich über eine differenzierte Abfolge bis hin zur Handlungsregulation bei komplexen lebenden Wesen.

Anders gesagt könnte man die Abfolge seiner Argumentation mit dem Weg von der Anschauung zu den Begriffen vergleichen, die man bei Kant und Schopenhauer findet. (Das ist natürlich nichts verwunderliches, da man Uexküll getrost zu den Neokantianer rechnen darf und er an markanten Stellen auch Kant zitiert.)


Emotionen
Ich hatte ja schon in den vergangenen Tagen geschrieben, dass ich die Verbindung zwischen Plutchik und Uexküll suche.
Emotionen sind, und die Lektüre von Uexküll bestätigt mich in dieser Vermutung, so etwas wie alternative Richtlinien für eine Eigenbewegung des Geistes. Das bedeutet, dass die Vernunft sich von allen Gefühlen leiten lassen kann. Und auf dieser abstrakten, d.h. inhaltsleere Ebene sind alle Gefühle auch gleichwertig, oder besser gesagt gleich funktional.

In Bezug auf die Interaktion mit der Umwelt oder Objekten in der Umwelt werden Gefühle allerdings spezifisch. Dies ist nun keine Qualität der Gefühle selbst, sondern eine nachträgliche Qualifizierung durch kognitive Ergebnisse gefühlsgesteuerter Prozesse.

(Es ist auch dieses Ineinander von Kognitionen und Emotionen, dieser dynamische und iterative Prozess, der mich interessiert. Neben Kant und Uexküll war ich heute bei Freud und Adler (Menschenkenntnis), bei Leon Wurmser (Die Maske der Scham, Flucht vor dem Gewissen) und bei dem wunderschönen und leider wenig bekannten Buch Labyrinth Kindheit von Dorothy Burlingham. Zudem habe ich im Buch Coaching-Tools II (herausgegeben von Christopher Rauen, Verlag: managerSeminare) herumgestöbert, welches mir persönlich viel zu psychoanalytisch ist und zwar psychoanalytisch in einem fast schon pejorativen Sinne, weil inhaltlich sehr eingeschränkt, sehr begrenzt, das aber ganz gut zu den psychoanalytischen Büchern passt. Nebenher, allerdings wirklich nur im Überflug, Bachelard. Seine Interpretation kultureller Symbole stellen schon fast so etwas wie eine Eigenbewegung des kollektiven Geistes dar, also etwas, das Canguilhem deutlicher, Foucault weniger deutlich an Kant zurück bindet.)


Modellieren
Auf jeden Fall ist mein eigener Arbeitsprozess, in dem ich mich gerade befinde, ein deutlich modellierender und d.h. auch spekulativer. Es geht mir nicht um eine empirische Abstützung meiner Arbeit durch Wahrscheinlichkeiten, sondern um eine Sensibilität für die "Reibungshitze" (man entschuldige mir diese ungenaue Metapher) zwischen Sinnesdaten (Wahrnehmung) und Ordnungsaufbau (Begriffsbildung).



08.10.2011

Sollte Mathematik an den Schulen unterrichtet werden?

Miss Arizona sagt (in einem Video, das ich leider nicht aus Facebook heruntergeladen kriege):
Oh, das ist eine schwere Frage. Es gibt hier zwei Seiten der Geschichte. Auf der einen Seite haben wir Mathematik und auf der anderen Seite haben wir ... äh ... Nicht-Mathematik.
Miss Idaho sagt:
Wir sind in Amerika, nicht in Russland.
Und Miss Montana behauptet:
Zahlen sind großartig. Doch sie sollten ebenso Farben, Gerüche und Vibrationen lernen.
Miss Delaware:
Nicht den Mädchen.
Miss Alabama:
Mathematik? Nein. Ich glaube nicht an Mathematik und wir sollten niemanden dazu ermutigen.
Miss Vermont allerdings fragt:
Ja, das ist Mathe. Soll das jetzt ein Witz sein?
Allerdings sollten wir uns jetzt nicht auf die Schultern klopfen. Eine mir bekannte, quantitative Sozialforschung unterrichtet habende wissenschaftliche Mitarbeiterin scheiterte an der sogenannten Päckchenrechnung (auch: schriftliche Addition). Von Statistik und Stochastik hat sie gar keine Ahnung. Wie bitteschön will so jemand ordentlich Daten quantifizieren und interpretieren?

Fingerübungen

Geschrieben (gesprochen). Dragon NaturallySpeaking läuft im Moment ohne Probleme und erkennt selbst den Dativ gut. Normalerweise macht das m am Ende von Adjektiven und Pronomen einige Probleme. Wenn man sich angewöhnt, alle Korrekturen mithilfe des Spracherkennungsprogramms vorzunehmen, stellt es sich nach und nach darauf ein. Allerdings ist das am Anfang erstmal umständlich. Und wenn man mitten in einem Gedankenfluss steckt, in einem Schreibfieber, dann kann es einen ziemlich aus dem Prozess reißen, wenn man solche Korrekturen vornehmen muss oder gar ungewöhnliche Wörter eintrainiert.
Hilfreich ist auch, viel einzudiktieren. Für mich war es in den letzten Tagen sehr bequem, nur kurze Texte einzusprechen, meist Fragmente für den Zettelkasten oder kurze Anmerkungen für Kunden. So sind die Texte überschaubarer und Fehler schneller zu korrigieren. Ansonsten war das in den letzten zwei Jahren tatsächlich ein größeres Problem für mich. Durch das Einsprechen waren die Texte noch dichter an mir dran, als wenn ich sie geschrieben hätte. Normalerweise mache ich keine Grammatikfehler. Zumindest äußerst selten. Derzeit finde ich relativ viele, auch in älteren Blogartikeln.
Auf der anderen Seite gewöhne ich mich jetzt daran, bestimmte Stellen für mögliche Fehler sofort zu überprüfen und dadurch zu vermeiden.
Von allen Anschaffungen, die ich mir letztes Jahr geleistet habe, ist das Spracherkennungsprogramm jedenfalls ein Highlight.
Nachdem ich meinen Computer wechseln musste und der Datenbank noch zahlreiche Wörter eingefüttert habe, läuft alles wie am Schnürchen. Gerade heute Morgen merkte ich, dass ich komplett intuitiv kommentiere, ganz anders, als ich es früher in meinem Tagebuch getan habe. Derzeit werden meine Texte auch länger, auch meine Anmerkungen zu Büchern.
Heute Morgen habe ich noch ein wenig Uexküll kommentiert (zu meinen Kommentaren in den letzten Tagen habe ich mein Leben nach "Beispielen" und "Illustrationen" durchforscht); vor allem habe ich fünf Dialoge geschrieben, alles Fragmente, alle in irgendeiner fiktiven Situation verortet. Fingerübungen, nur eben am Mikrofon.


06.10.2011

Shakespeares Sisters - Stay

Immer noch ein richtig geiles Lied.


neue Zusammenhänge

Wie immer, wenn ich mir die Zusammenhänge neu erarbeitete, bzw. neue Themengebiete oder Theorien vergleiche, verwischen sich für mich die großen Strukturen. Nach den letzten anderthalb Jahren, die mich deutlich von meinen Themen weggeführt haben, kehre ich jetzt wieder zu diesen zurück, insbesondere auch zu der Narration.

Mathematikdidaktik
Als nachteilig empfinde ich, dass zum Beispiel die ganze Mathematik, bzw. Mathematikdidaktik nur halb verdaut in meinem Gehirn herum liegt. Schopenhauer hat hier einige interessante Sachen gesagt, Wittgenstein und — sehr bedingt — auch Leibniz, dessen Werk ich neulich erworben und gelesen habe (allerdings nur gelesen im einfältigsten Sinne des Wortes). (Übrigens gibt es hier eine weitere Verbindungslinie zu Uexküll. Friedhelm Zech hat mit seinem Grundkurs Mathematikdidaktik ein eigentlich sehr schönes Werk vorgelegt. Insgesamt erscheint mir die Begriffsbildung zu kompliziert, nicht scharf genug gegeneinander ausgeprägt. Noch habe ich dazu nichts geschrieben, aber in letzter Zeit nehmen Uexküll und Schopenhauer, auch Kant und Mach diese Mathematikdidaktik immer mehr in die Mangel, zumindest in meinen Gedanken.)

Kreatives Schreiben
Mein kleines Romanprojekt ist ins Stocken geraten. Erstens habe ich nicht sonderlich viel Zeit dafür und zweitens habe ich erfahren, was ich erfahren wollte.
Geschichten lassen sich, zumindest, wenn man sie vorher gut durch geplant hat, mit dem Spracherkennungsprogramm recht flott einsprechen. Das mir diese Geschichte auch als Beschäftigung für zwischendurch nicht mehr reicht, liegt tatsächlich an einem Planungsfehler. Typischerweise.
Einer der wichtigsten Handlungsstränge in Spannungsromanen wird oft vergessen, gut auszuarbeiten, weil gerade junge Autoren glauben, dass dieser nicht so wichtig sei, weil man so wenig von ihm erzählt. Dieser Handlungsstrang betrifft den Antagonisten.
Irgendjemand sagte mal zu mir (oder schrieb es, ich weiß es nicht mehr genau): der Böse sei doch nicht so wichtig, der würde erst gegen Ende auftauchen. — Doch genau das ist falsch. Ein Spannungsroman muss doch von Anfang an eine Bedrohung aufbauen, mindestens das Übel durch seine Symptome (Leichen, verschwundene Menschen, gestohlenes Geld, usw.) einführen. Und Symptome entstehen natürlich nicht aus dem Nichts. Irgendjemand oder irgendetwas muss dafür gesorgt haben, dass diese erscheinen. Und im Falle eines Antagonisten kann dieser das nur durch Handlungen. Da diese Handlungen, selbst wenn sie im Roman nicht geschildert werden, für die Annäherung an den zentralen Konflikt so wichtig sind, müssen diese präzise ausgearbeitet sein. Anderenfalls passiert häufig das, was junge Autoren so gut kennen: der Roman wird von seiner Konfliktlosigkeit absorbiert und der Autor schildert das als Schreibblockade. Ich nenne so etwas Ziellosigkeit und Ziellosigkeit entsteht, wenn man nicht gut geplant hat.
Jedenfalls habe ich diesen Fehler auch begangen. Das war mir eigentlich schon vorher klar. Aber es ging ja auch nicht um das Fertigstellen.

Mein Spracherkennungsprogramm
Was mir besonders Spaß macht, ist, dass ich während des "Schreibens" (Sprechens) viel mehr gestikulieren kann. Gerade auch die Dialoge sind dadurch für mich einfacher geworden, weil ich zum Teil die entsprechenden Personen nicht nur stimmlich nachahme, sondern auch gestisch. Das sieht tatsächlich etwas seltsam aus, zumindest ungewohnt. Ich hoffe, dass mich meine Nachbarn nicht beobachten.


Jakob von Uexküll: Emotion und Metapher

Jakob von Uexküll hat mit seinem Buch Theoretische Biologie wohl eines der für mich fruchtbarsten Werke in diesem Jahr geliefert. Tatsächlich habe ich es erst vor ein paar Monaten zur Hand genommen. Peinlicherweise steht es nämlich schon seit Jahren in meinem Bücherschrank. Ich weiß gar nicht mehr, wann ich es mir gekauft habe, aber ich glaube 2008.
Uexküll bezieht sich sehr strikt auf Immanuel Kant, zumindest strikt in dem Sinne, dass ich (!) bisher keine Abweichungen von den Kernaussagen entdecken konnte. Widerrufe folgen später.
Ein zweiter, sehr faszinierender Aspekt ist der logische Aufbau von Zeichentypen, den Uexküll für lebendige Wesen postuliert. Dieser ist für mich zwar nicht sonderlich neu — ich hatte ja schon mal gesagt, dass Uexküll sowohl in Tausend Plateaus als auch in den Kino-Büchern von Deleuze eine wichtige Rolle spielt —, doch natürlich ist es ein Unterschied, ob man einem teilweise kryptisch verschlüsselten Bezug auf einen Autoren folgt, oder ob man dieses Werk selbst liest. Deleuze jedenfalls fand ich bisher nicht sonderlich klar, was den Einfluss von Uexküll auf sein Werk angeht.

Emotion (noch einmal Plutchik)
Nachdem ich das Werk von Uexküll ein erstes Mal durchkommentiert habe, kehre ich jetzt wieder dahin zurück, allerdings mit einer freieren, assoziativen Lektüre. Hier lasse ich mich von anderen Themen tragen, die zur Zeit für mich wichtig sind. Unter anderem ist dies die Emotionstheorie von Plutchik.
Plutchik postuliert jeweils ein Reizereignis, das einen ganzen Verhaltenskomplex auslöst und bei dem die Gefühle (bei Plutchik subjektive Reaktion genannt) nur einen Teil darstellen. So ist zum Beispiel das Reizereignis zum Gefühl der Freude als "Gewinn eines wertvollen Objekts" beschrieben.
Bedenkt man diese Umschreibung, dann ist sie viel zu kompakt gewählt. Das Attribut "wertvoll" ist zum Beispiel keineswegs ein Reiz und auch hinter dem "Gewinn" steckt keine einfache, physikalische Auswirkung der Umwelt auf unsere Sinnesorgane, sondern die Fähigkeit, ein recht kompliziertes Verhältnis zu denken, also ein Begriff.
Uexküll bietet hier ein gutes Schema an, um diese Reizereignis in einzelne Komponenten aufzuschlüsseln. Und zumindest für die Angst (Reizereignis: Bedrohung) ist Uexküll fast ein Selbstgänger. Gehören doch Räuber-Beute-Verhältnisse zu den wichtigsten Untersuchungsobjekten in der Biologie und damit natürlich auch das Verhalten von Angreifen und Fliehen, bzw. die Gefühle von Angst und Ärger (wobei Ärger natürlich nur lose etwas mit dem Verhalten von Raubtieren zu tun hat; der Hunger als (inneres) Reizereignis taucht bei Plutchik zum Beispiel gar nicht auf, ebenso der Geschlechtstrieb).
All diese Sachen sind jedoch zunächst einmal egal. Mir geht es nur darum, Uexküll und Plutchik gegeneinander oder miteinander auszudifferenzieren. Mein Denken zu erweitern, meine Wahrnehmung zu überprüfen. Und da ist Uexküll eben für mich sehr sehr fruchtbar.

Metaphern
In den letzten Tagen habe ich auch wieder begonnen, in den Metapherntheorie, bzw. in den Aussagen zu Metaphern herumzustöbern. Ich habe mir das Internet noch einmal vorgenommen, aber auch den berühmten Aufsatz von Max Black "Metaphors".
Blacks performativer Ansatz ist aus der Sicht von Uexküll äußerst interessant. Black selbst bezieht sich wohl eher auf die Handlungstheorien von Parsons. Allerdings kann ich dazu noch gar nichts sagen, da ich erst in den letzten Tagen über dieses Thema nachgedacht habe und ich hier noch einige Zeit lang sammeln muss. Übrigens ist die Metonymie ähnlich interessant, wenn man sie von den Begriffen von von Uexküll her aufdröselt.


05.10.2011

Verführung und Rechtschreibung

In der Schule bekommt man beigebracht, dass Rechtschreibung und Erotik wenig miteinander zu tun haben. Mit ein wenig Lebenserfahrung weiß man das auch ohne Schule. Andererseits ist eine fehlende Rechtschreibung ziemlich unerotisch. Auf Amazon entdecke ich gerade folgendes Buch: Twixster der Methode: Ein geheimer Leitfaden zu gewinnen Mädchen, starke sexuelle Vertrauen, Verführung und die schönsten Frauen der Welt. (Twixster der ... Verführung und Attraktion Geheimnisse)
Schon der Titel lässt schaudern. Man lese allerdings die Produktbeschreibung:
Die Methode Twixster proudly presents ...
Ein Master-Buch über die Geheimnisse der Verführung, die Anziehung und unterhielt sich mit schönen Frauen.
Dies ist der ultimative Leitfaden für die Attraktion, im Gespräch mit heißen Girls, Bauen & sexuelles Selbstvertrauen verführen exquisite Frauen auf der ganzen Welt.
Stell dir vor ...
Ein Buch mit der Macht, Ihr Gehirn neu zu programmieren und Ihr Leben verändern.
Für immer.
Twixster's Guide Methode stellt die Schaffung einer radikal neuen Art von Attraktion Geheimnisse und stellt eine originelle, erfrischende Methode in die Welt der Verführung.
Nach dem Verständnis dieser Methode werden Sie jemanden, der Aufmerksamkeit und sexuelles Interesse von Frauen Befehle zu allen Zeiten.

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Dieser hier nämlich, seit dem 30. August 2006.

Schwach, liebe Monster, extrem schwach

Wasser war schon immer ein gediegenes Markenzeichen gepflegten Horrors. Denken Sie nur an den weißen Hai oder die Duschszene aus Psycho. Neulich überraschte mich eine Freundin mit der Aussage, sie müsse bei Zombiefilmen immer weinen. Selbst das Alien sabbert fleißig vor sich hin. 
Die Zeiten haben sich geändert. Spätestens seit dem Crystal Lake breiten sich nur scheinbar unschuldige Jugendliche immer mehr im Horror-Genre aus. Das wäre noch hinzunehmen. Schließlich ist das Abschlachten von Kindern ein zutiefst europäisches Thema. 
Nicht hinnehmbar dagegen sind die schauspielerischen Leistungen dieser breitschultrigen und vollbusigen Amateure. Wer es schafft, einen ganzen Film lang mit demselben Gesichtsausdruck herumzuwandern (und ich rede jetzt nicht von Mike Myers), hat vielleicht sowieso nicht viel vom Leben. Wo bleibt da der Reiz? Wo die Identifikation? 
Neulich musste ich mir einen Horrorfilm ansehen, der besonders grausam war. Er wärmte das alte Untergenre "Hai frisst Teenager" auf und trug den sinnhaften Namen Shark Night. Die Kids waren nun besonders unleidlich und ich war froh, als ich mich, dank der fischgerechten Dezimierung, nur noch auf wenige von ihnen konzentrieren musste. Auch so werden Filme gegen Ende besser. Was mich allerdings besonders an diesem Film fasziniert hat, war, dass er an einem Süßwassersee spielt. Haie im Süßwasser? Da ist doch irgendetwas faul. 
Jedenfalls machen die Monster ihren Job nicht ordentlich. Nach soundsoviel hundert "Lass uns die Teens aufschlitzen"-Filmen müssten die inkompetenten Schauspieler doch endgültig von der Leinwand verschwunden sein. Doch nein! Es gibt sie immer noch und mehr denn je. Und das, liebe Monster, finde ich extrem schwach.

03.10.2011

Dialog: anfassen

"Becky, könnten Sie aufhören, mich anzufassen?"
"Nein!"


Black Dagger

Nachdem ich vorletzte Woche sämtliche Bücher der Black Dagger-Serie gekauft und gelesen habe, musste ich erstmal Pause machen. Es hat mich nicht wirklich gereizt und nur, weil eigentlich schon seit Jahren immer wieder Kundinnen mir von dieser Serie vorgeschwärmt haben, habe ich sie mir jetzt geleistet. Gestern und heute habe ich angefangen, die semantischen Verknüpfungen im ersten Buch zu untersuchen. Auch das ist nicht wirklich interessant.

Außer den typischen kopulativen und disjunktiven Verknüpfungen spielen vor allem explikative und temporale Verknüpfungen eine Rolle; dies sind zwar immer die typischsten Verknüpfungen in einer Erzählung, aber nicht notwendig die einzigen.

Insgesamt ist die Serie nicht schlecht geschrieben und auch die Geschichten finde ich ganz trickreich; mir gefällt allerdings nicht dieses weinerliche Selbstmitleid der Vampire. Alles ist ja so tragisch, so schwer zu entscheiden und das bei Wesen, von denen gesagt wird, dass sie absolute Killer seien.