31.01.2008

NetBeans

Heiko Böck hat ein Buch über NetBeans 6.0 geschrieben. Man braucht ein wenig Vorkenntnisse in Java, ansonsten ist das Buch ein Selbstgänger. Sehr empfehlenswert.

Und wieder meine Empfehlung:
Kauft Bücher im Buchladen! Helft den Buchläden zu überleben!

Leichenwagen

In Rio de Janeiro soll am kommenden Sonntag ein Wagen an der Start gehen, der nicht die mondäne Welt des Sambas präsentiert, sondern eine Skulptur einer Holocaust-Darstellung zeigt.
Geschmacklos?
Nun: der Karneval an sich ist eine verunstaltete Feier, und deren Ursprung in den mittelalterlichen Totentänzen mit ihren makabren Masken und obszönen Figuren weitgehend vergessen. Zumal der Karneval kaum noch einen Sinn macht, außer Konsumereignis zu sein und in den Büttenreden mal die alltäglichen Comedy-Events zu überbieten oder zu unterbieten.
Vielleicht ist dieser Wagen tatsächlich so etwas wie eine Rückkehr zur ethischen Bedeutung des Karnevals. Vielleicht kann man hier tatsächlich das Verschmelzen von Leben und Tod, von Elend und Glamour erleben, wie es der Karneval in früheren Zeiten weit eher war. Vielleicht rührt auch dieser Wagen an der Scheinwelt des brasilianischen Karnevals, der sexistisch und ausbeuterisch ist, und der mit seinen Sambatänzerinnen schnell verheizte Gogo-Girls produziert. Man mag sich über Sinn und Zweck dieses Wagens streiten: aber er weist in eine andere Richtung als die schöne Oberfläche, die die hässlichen Hintergründe kaschiert.
Jedenfalls kann ich die Aussagen des Vorsitzenden der jüdischen Gemeinde von Rio de Janeiro nicht nachvollziehen:
Der Präsident der jüdischen Vereinigung von Rio de Janeiro bezeichnete den Wagen hingegen als "unpassend". Angesichts hunderttausender Menschen in Feierlaune sei es nicht angemessen, an die rund sechs Millionen ermordeten Juden in Nazi-Lagern zwischen 1938 und 1945 zu erinnern.
We're here, so get fuckin' used of it. lautet ein Schlachtruf der Schwulenbewegung. Auch hier mag das Unangemessene genau das Richtige sein, ist doch der Holocaust eine Monstrosität.

Nachwehen - Joan Rowling

"Das war die schlimmste Trennung meines Lebens - viel schlimmer als jede von einem Mann"
So lässt sich Joan Rowling vernehmen, nachdem der siebte Harry Potter-Band veröffentlicht ist und der Wirbel so langsam nachlässt.
Trennung ist vielleicht nicht das richtige Wort; Trauerarbeit wohl passender, denn anders als bei vielen Fans dürfte sich Joan Rowling gerade damit beschäftigen, von Harry Potter Abschied zu nehmen, der zwar weiterleben durfte, aber trotzdem gestorben ist, gestorben auf die Art und Weise, in der alle fiktiven Helden sterben, den papierenen Tod. Insofern kommt der Verlust eher dem gewaltsamen Tod eines Verwandten gleich, als der Trennung von einem Ehepartner.

Jedenfalls darf man gespannt sein, was mit dieser Hauptfigur, diesem Menschen, der unser aller Leben in den letzten Jahren so geprägt hat, weiter passiert. Vermutlich wird Potter den Weg gehen, den alle Helden gehen: er wird in Comicheften adaptiert und in einer unerträglichen Vorabendserie zur Animefigur ruiniert. Vielleicht gibt es auch Cross-Over, etwa Potter vs. Hellboy, oder Aliens in Hogwarts, oder Zombie-Potter.
Der Kapitalismus absorbiert ja alles.

Kino: Into the wild

Sean Penns neueste Regie-Arbeit Into the wild (andere Arbeiten: Das Versprechen nach dem Roman von Dürrenmatt) ist ein wunderbares Road-Movie, leise, durchgehend spannend, trotzdem unkonventionell, da es ohne hysterische Dramatik auskommt. Lohnenswert, wenn man einen guten Film sehen möchte; überragend und ein Muss ist er allerdings nicht.

28.01.2008

Personentypen bei Kai Meyer

Kai Meyer entwirft - im Wellenläufer-Zyklus - seine Personen nach einem ganz bestimmten Stil, man könnte ihn die enttäuschende Idealisierung nennen: fast jede Person weist eine besondere Fähigkeit oder eine besondere Stellung auf, aber jede dieser Personen hat auch einen Makel, eine Charakterschwäche, ein Geheimnis.
Es dürfte auch klar sein, warum dies so ist: da die Welt, in der der Roman spielt, eine phantastische Welt ist, fällt eine realistische Identifikation fort. Statt dessen muss man sich mit den Personen idealistisch identifizieren.
Doch das ist nur der eine Aspekt. Der andere weist auf ein Kompositionsprinzip hin: die Fähigkeit hilft der Person, sich gegen den Feind zu behaupten - dies ist der Hauptplot. Doch der Makel öffnet die Möglichkeit für Nebenplots und machen die Personen untereinander kompliziert. Dem Hauptplot gehört der Handlungs- und Aktionsraum, den Nebenplots der Gefühls- und Reaktionsraum.

Insgesamt gibt es sechs Typen von Personen bei Meyer:
1.) die noch in der Lehre sind: die Hauptfiguren (Munk und Jolly, eventuell Griffin)
2.) liebe, aber meist nicht außergewöhnliche Personen (Munks Eltern)
3.) mit Makeln behaftete Figuren mit einer großen, recht einseitigen Kompetenz (Urvater, Walker)
4.) groteske Figuren (Buenaventure, der hexhermetische Holzwurm)
5.) undurchsichtige Figuren (der Geisterhändler)
6.) Figuren von sozialer Wichtigkeit (Soledad, d'Artois)

Bei den Bösen gibt es die Schwärme (Klabauter), die Protagonisten dieser Schwärme (Anführer der Klabauter, Boten des Mahlstroms), die Randfiguren (der Wyvern, die Klabautermutter) und die Komplizen (Tyrone).

Meyer konstelliert seine Personen zu etwas, das ich segregative Kriegsfamilie nennen möchte: mit dem Verlust der Ursprungsfamilie - diese ist nicht immer biologisch, siehe Jolly - erzählt das erste Buch (Wellenläufer) auch, wie sich diese Familie erzeugt: sie sammelt ihre Mitglieder zufällig auf, Soledad, Griffin, selbst Munk und Jolly treffen sich durch einen "Zufall". Erst die Ereignisse schweißen sie nach und nach zusammen und jede Person findet einen Moment, in dem sie in diese Familie aufgenommen wird: Jolly und Munk durch der Verfolgung des Geisterhändlers und den Kampf gegen den Boten des Mahlstroms, Soledad und Jolly durch ihr Treffen beim Piratenkaiser Kenndrick, Walker und Buenaventure durch die Flucht aus der brennenden Stadt, ... und so fort.
Die segregative Familie ist bei Meyer nicht nur eine Kriegsfamilie, sondern auch nomadisch: ihr gehört zunächst kein fester Ort, oder: ihr fester Ort ist die Reise. Im zweiten Band wird diese Familie sesshaft (zumindest sesshafter), unternimmt aber dennoch Ausflüge, bzw. sammelt noch verstreute Familienmitglieder ein. Der Exkurs ist der Modus des zweiten Bandes.
Diese exkursive Familie löst sich wieder auf, wenn es um den Krieg selbst geht - im dritten Band -: auflösen vielleicht nicht, aber was an einzelnen Personen zuvor eingesammelt wurde - das ganze Schicksal der Patchwork-Familie - wird nun dorthin gebracht, wo sie ihre Funktion am besten erfüllen: aus den Nomaden sind Forscher und aus den Forschern Partisanen geworden.
Die Familie ist bei Meyer immanent, getragen durch konflikthafte Wünsche. Sie kämpft gegen die Transzendenz an: gegen das Grauen der totalen Ordnung (die zugleich das totale Chaos ist). Sie kann sich durch inklusive, nomadische und vielstimmige Mechanismen auf diesen Krieg einlassen. Aber der Krieg ist nicht der Selbstzweck der Familie, er transzendiert diese nicht: eher schafft es die Familie, sich selbst aus diesem Kriegszustand heraus zu produzieren.

Wir haben es hier also mit einem typischen Werdegang zu tun: durch verschiedene Ereignisse wird die Ursprungsfamilie zerstört und der Protagonist zu einem freien Radikal. Dadurch definieren sich die Protagonisten nicht mehr durch Orte wie die paranoide Familie, sondern durch Ereignisse.

27.01.2008

Jean-Christoph Grangé: Das Herz der Hölle

Ich dagegen lese im Moment Das Herz der Hölle (fr.: Le serment des limbes - Der Schwur der Vorhöllen), von Grangé, der auch Das Imperium der Wölfe geschrieben hat. Der Thriller ist ziemlich packend.

Besonders auffällig ist, dass Grangé zwar den modernen Ein-Satz-Stil anwendet, aber mit einer ganz anderen Wirkung als andere Autoren. Bei Grangé wirkt dieser Ein-Satz-Stil nicht abgehetzt und zerhackend, sondern eher hingetupft. Grangé schreibt nämlich nicht solche Sachen wie Schmerz! Im ganzen Körper! Brüllen. Um die Qualen loszuwerden. sondern: Der Schreibtisch akribisch gesäubert. Ein Bleistift. Notizzettel, leer. Das Telefon.
Man muss sich auch hier fragen, was die Funktion dieses Telegramm-Stils ist und welche Wirkung man damit erzielt. Grangé nutzt ihn hier, um Beschreibungen abzukürzen, vor allem, wenn es sich um konventionelle Beschreibungen handelt. Das heißt natürlich auch, dass er gerade dann auf diese elliptischen Sätze zurückgreift, wenn es nichts Dramatisches zu erzählen gibt. Dagegen sind andere Autoren genau an den dramatischsten Stellen so atemlos. Grangés Einsatz finde ich da wesentlich angenehmer zu lesen.
An anderen Stellen wird (bei Grangé) der elliptische Satz verwendet, wenn ein Sachverhalt präzisiert werden soll. Dann wird wie eine beigefügte Erklärung der vorangegangene Satz differenzierter erläutert.
In einer dritten Verwendungsweise steht der elliptische Satz wie ein Thema oder eine Überschrift für das folgende. Damit geht der Autor schon ein Stück weit in Richtung stream of consciousness, denn hier handelt es sich eher um ein Aufblitzen einer freien/wilden Assoziation, die dann in den Kontext durch vollständige Sätze eingebunden werden.

Grangés Buch erzählt die Geschichte des Protagonisten Mathieu: der ist Kommissar bei der Pariser Mordkommission. Als sein bester Freund Luc überraschend Selbstmord begeht, zwar gerettet wird, dann im Koma liegt, als dies passiert, ahnt Mathieu bereits schon, dass dahinter Abgründe lauern. Luc, ein gläubiger Christ, hat sich Zeit seines Lebens mit den Manifestationen des Teufels auf der Erde beschäftigt. Als Mathieu mühsam die erste Spur zusammenrecherchiert, stößt er in ein Wespennest: ein kleines Dorf in der französischen Jura, in dem ein halbes Jahr zuvor ein unheimlicher Leichnam gefunden wurde. Dieser weist alle Stadien der Verwesung auf, von der vollständiger Skelletierung der Füße bis hin zu einem vollkommen erhaltenen Kopf. Laut dem Gerichtsmediziner musste das Opfer erst wenige Stunden tot sein, nachdem sie gefunden wurde. Zudem wurde die Leiche in einer obszönen Stellung bei einem Kloster abgelegt.
Spätestens an dieser Stelle kann man das Buch nicht mehr aus der Hand legen. Je wilder der Fall sich gebärdet, umso kühler, distanzierter erzählt Grangé. Dabei fährt er keinen Hokuspokus auf, sondern einen intelligent konstruierten Plot, der immer leiser wird, je mehr sich die Situation zuspitzt. Gerade das aber, dass Grangé die Sprache drosselt, den Aufruhr durch die Worte, aber nicht in den Worten passieren lässt, gerade dies erregt.
Mich erinnert das an die Musik von Bizet: Bizet lässt seine Orchestrierung an dem Höhepunkt öfter auf einem Ton verharren und nimmt ganz die Akkorde und jeden tonalen Zusammenhang heraus. Und dieser einzelne, reine Ton drückt die ganze Inbrunst der Bizetschen Musik aus.

Es ist also nicht die Kühnheit der Stilmittel, die Spannung erzeugt, sondern oft genug das Gegenteil: das konventionelle Erzählen, die dramatische Mimesis, wenn sich die Schlinge für den Kommissar zuzuziehen beginnt. - Vielleicht sollte das der eine oder andere Jungautor berücksichtigen, wenn er seinen Romanerstling auf einen Höhepunkt zusteuern lässt.

"Schlechte Karten": Alice' neues Buch

Alice hat ein neues Buch veröffentlicht. Es heißt Schlechte Karten. Ich habe es noch nicht gelesen, aber nach allem, was Alice angedeutet hat, wird es ähnlich hervorragend sein wie ihr Erstling Blackout.
Ich habe es mir wieder über media-mania bestellt. - Wer Interesse an dem Buch hat: holt es euch bitte über einen lokalen Buchhändler. Die Bücher kosten genausoviel und helfen den Buchläden zu überleben. Außerdem verlangt amazon von jedem Verlag für die Bücher einen kleinen Obulus, was den kleinen Verlagen schwer an den Geldbeutel geht.

24.01.2008

Tage später

Ich habe mich rar gemacht: da mein Computer kurz vor Weihnachten die Biege gemacht hat, musste ich mir einen neuen bestellen. Ich habe auf ein ganz billiges Angebot zurückgegriffen, einen für 200,- €; und der Computer ist ganz hervorragend. Ich bin ziemlich begeistert.
Dann habe ich natürlich alles neu einstellen müssen. Das hat mich Zeit gekostet.
In den letzten Tagen kamen dann weitere Computerbücher dazu, mit denen ich mir gerade meine Freizeit um die Ohren schlage: Java natürlich, wie ich es weiter oben schon mal geschrieben habe. Leicht fällt mir das Thema nicht: ich bin zu lange draußen, und diese ganzen Begriffe wie eventHandler, LookUp und ProxyCookie lassen mich noch ein wenig im Regen stehen.
Und eine weitere Sache kommt dazu: ich arbeite an Kai Meyers Roman Wellenläufer. Zahlreiche Notizen dazu sind entstanden und warten darauf, umgesetzt zu werden. Einiges habe ich auch schon geschrieben.

05.01.2008

Segeltörns und Enthymeme

Wie hübsch unser sagenhafter Alltag ist: da tickern kurz hintereinander mehrere Jugendliche aus und verprügeln, verletzen und berauben Menschen. Keine schöne Sache! - Hübsch dagegen ist, dass in den empörten Leserbriefen nicht nur härtere Strafen gefordert werden, sondern gleich wieder von den Segeltörns geredet wird, die diese Jungs dann sozusagen noch als Belohnung für ihr schlimmes Verhalten bekämen.
Tatsache ist, dass von den vielen jugendlichen Straftätern bisher die wenigsten Segeltörns bekommen haben. Tatsache ist auch, dass in Hamburg zum Beispiel die Segeltörns nicht einfach so gemacht wurden, sondern nach einem Jahr harter Arbeit: die Boote wurden von den Jugendlichen selbst gebaut. Und dann ist es nur gerecht, wenn die Jugendlichen mit ihrem eigenen Boot auch mal zwei Wochen "Urlaub" machen können. Segeltörns sind nicht unbedingt einfach, schon gar keine Zeit für Faulenzerei.
Aber dieser Mythos aus unserem sagenhaften Alltag hält sich hartnäckig als Argument, auch, dass diese Maßnahmen nicht nur nichts nützen, sondern die Jugendlichen auch noch belohnen. All dies um zu beweisen, dass das Gegenteil - harte Strafen und Wegsperren - bessere Mittel sind.
Rhetorisch gesehen sind die meisten Leserbriefe Ansammlungen aus Enthymemen. Enthymeme sind Beweise, bei denen das eine Argument keine empirische Feststellung ist, sondern ein moralisches oder unscharfes oder falsches Argument. Schlussfolgerungen basieren ja auf der Formel: A ist x und B ist a, also ist B x. Wird dieses empirisch ausgeführt, dann ergibt das zum Beispiel folgende Sätze: "Alle Menschen (A) sind sterblich (x). Sokrates (B) ist ein Mensch (a). Also ist Sokrates (B) sterblich (x)." Man nennt dies auch Syllogismus.
Ein Enthymem zeigt dies in etwa so: "X ist ein Straftäter. Straftäter dürfen Segeltörns machen. Segeltörns sind Belohnungen. Also werden Straftäter belohnt." - Satz 2 ist eine Behauptung, Satz 3 eine Unterstellung, beide Sätze sind Verallgemeinerungen.
Verkettungen mehrerer Verallgemeinerungen oder Schein-Argumenten zu einer oder mehreren Schlussfolgerungen nennt man soros; das ist griechisch und heißt Haufen. Sie waren schon bei den Griechen als Mittel der Überzeugung sehr beliebt.

03.01.2008

Noch einmal: yWriter

Schickerweise spielt mir yWriter - ich hatte es oben als ein besonders gutes Programm für Autoren angepriesen - sehr in die Hände. Ich versuche mich ja immer wieder in Kolportagen zu den Büchern, die ich gerade untersuche, und so entsteht gerade der Entwurf einer Trilogie, die ihre poetischen Mittel bei Kai Meyer ausleiht. Nach einem knappen Entwurf, den ich noch gestern Nacht zustande gebracht habe, wächst die Geschichte rasch: dreitausend Wörter habe ich geschrieben und einen ziemlich rasanten Anfang angefertigt. Drei von fünf Szenen des ersten Kapitels sind damit im ersten Entwurf fertig; dreizehn weitere Kapitel umrissen, und die Szenen der Kapitel zwei bis vier näher ausgeführt.
Das Programm ist klasse. Umfangreiche Tabellen und Übersichten, eine leichte Bedienung durch Karteireiter und raschen Verknüpfungen, sowie ein intuitives Drag&Drop-System helfen bei der Planung. Zudem zählt das Programm automatisch Wörter und Zeichen mit. Als ich es vorgestern gelobt habe, konnte ich mir nur aufgrund einiger Versuche ein Bild machen. Jetzt habe ich eine umfangreichere Geschichte zustande gebracht, die nach einem langen Roman aussieht. Planen und Schreiben gehen Hand in Hand. Hier noch einmal der Link: yWriter.

Meine Arbeit mit yWriter sieht derzeit folgendermaßen aus: Ich habe natürlich ungefähr die Geschichte im Kopf. Zu einzelnen Strängen entwerfe ich Szenen und Szenenabfolgen. Die ersten Kapitel haben dabei bereits ihre festen Gerüste. Für die späteren Kapitel habe ich Szenen mit in die Kapitel eingegliedert, die mir (derzeit) notwendig erscheinen, aber eigentlich nicht in die betreffenden Kapitel gehören. Da sich Szenen leicht von einem Kapitel in ein anderes verschieben lassen, ist das aber eine gute Lösung.
Gleichzeitig beginne ich von Anfang an die Geschichte zu schreiben. Drei Szenen sind derzeit geschrieben. Während des Schreibens habe ich immer wieder Personen in die Personenliste aufgenommen. Auch diese Personenliste lässt sich leicht nebenbei führen und kann recht intuitiv bedient werden.
Die einzelnen Szenen arbeite ich in Grobzügen mit dem Programm aus. Dann setze ich mich aber trotzdem mit einem Blatt Papier hin, entwerfe in etwa den Gang der Szene, indem ich Stichwörter auf ein Blatt Papier schreibe, die die Hauptwendungen markieren. Habe ich diese Stichwörter, werden diese durch weitere Stichwörter konkretisiert, die dann die erzählte Handlung schon recht genau erfassen. Erst wenn ich diese Arbeit getan habe, mache ich mich ans eigentliche Schreiben. Feinarbeiten lasse ich weg. Solange ich weiß, wohin ich will, mache ich mir hier noch nicht die Mühe, die Charaktere gut auszuarbeiten. Wo dies passiert, passiert es zwar, aber ich erzwinge nichts.

Wer sich mit solchen Schreibprogrammen noch nicht so gut auskennt, sollte sich bescheidener halten. Üppige Entwürfe nutzen nichts, wenn man sich noch nicht ans eigentliche Schreiben gewöhnt hat. Kurzgeschichten und Gedichte sollten den Anfänger wie den Fortgeschrittenen begleiten. Vor allem Kurzgeschichten sind sehr zu empfehlen: durch sie lernt man, Anfang, Mittelteil und Ende gut zu gestalten. Auch wenn man einen Roman schreiben will: in einer gewissen Hinsicht besteht ein guter Roman immer aus einer Kette von Kurzgeschichten mit einem je offenen Ende, so dass sich eine weitere Kurzgeschichte daran anschließen kann. Solche "Kurzgeschichten" innerhalb eines Romans nennt die amerikanische Schreibbewegung auch sequence - Sequenz. Neben dem Plot und der Szene sind Sequenzen eine wichtige Struktur in einer langen Geschichte, und vermitteln zugleich den Zusammenhalt von einzelnen Szenen in einem großen Plot.

02.01.2008

männlich, ledig, kinderlos

Rein von der juristischen Definition bin ich kinderlos. Cedric, mein Sohn, ist nicht biologisch von mir. Dass er seit knapp acht Jahren Papa zu mir sagt, ist wohl ein schwaches Argument. Dass ich für ihn das kleine Sorgerecht habe, das mir - nach zwei Jahren Ehe mit seiner biologischen Mutter - zusteht, manchmal nicht der Rede wert. Claudia hat ähnliches zu berichten: ihr Kind ist von ihrem Mann - mit dem sie nicht verheiratet ist - mit in die eheähnliche Gemeinschaft gebracht worden. HIER.

Die Wellenreiter

Aus einer Laune heraus habe ich von Kai Meyer die drei Bücher um Jolly und Munk aus der Bibliothek ausgeliehen: und meinem Sohn haben sie hervorragend gefallen. Wir haben innerhalb zweier Tage das erste Buch fast zu Ende gelesen.
Ich hatte mich schon einmal mit Meyer beschäftigt und einige seiner Werke analysiert. Mittlerweile stehe ich von meinem Nachdenken ganz woanders: und nehme seine Bücher neu in Angriff.
Was mich in meinen ersten Gehversuchen sehr frappiert hat, war eher, dass ich einen kurzen Artikel zu Meyer geschrieben habe, den ich immer noch sehr gut finde. Diesen hatte ich in die wikipedia-Seite integriert. Darum gab es dann unter den anderen wiki-Nutzern einen heftigen Streit: mein Artikel sei parteiisch - nun, er ist parteiisch, insofern ich Meyer mit einiger Ironie "gut" heiße. Aber all dies ist ironisch gemeint gewesen. Schließlich hat es mich genervt, über Sinn und Zweck einer Enzyklopädie zu streiten, und ob diese essayistische Inhalte haben darf, oder immer "objektiv" sein muss (objektiv ist ein scheußliches Wort, ein richtiger Totschläger). Enzyklopädien sind nicht objektiv. Selbst d'Alembert wusste darum (und d'Alembert ist Mitherausgeber der großen französischen Enzyklopädie gewesen). Schließlich habe ich den Teil des Artikels zu Kai Meyer entfernt.

Meyer selbst ist in seinen Büchern anti-enzyklopädisch: wenn man seine Werke betrachtet, dann sind es Entstellungen der offiziellen Geschichtsschreibung, Fantasyromane eben, die ein Stück realer Welt mit so viel Zauber anreichern, dass es genausogut Fantasyromane hätten sein können. Nur hat Meyer dabei immer wieder den Übergang zu wirklichem, zu "objektivem" Wissen im Blick. Der eigentliche Skandal bei Meyer ist, dass er uns die Flickschusterei, die wir Wirklichkeit nennen, vor Augen führt und behauptet, es könne alles auch ganz anders sein. Wie Nostradamus seine Prophezeiungen gemacht hat, so hat uns Meyer die Zukunft unserer Vergangenheit umrissen: als eine Vorratskammer aus Mythen.
Der zweite Band schwächelt etwas, insgesamt ist die Trilogie um Jolly und Munk, Die Wellenläufer, Die Muschelmagier, Die Wasserweber, aber sehr lesenswert.

Software für Schreiberlinge

Ich habe ja schon eine ganze Menge Software für Autoren empfohlen. Just heute habe ich ein neues Programm, und finde es rasend gut. Erstmal ist es besser als vieles, was ich bisher gesehen habe, und zudem ist es auch kostenlos. Es heißt yWriter und lässt sich HIER downloaden.
Warum diese Software toll ist? Nun, sie bietet einfache Bedienung; und ich meine wirklich einfach, denn auch wenn einen zuerst die ganze Vielfalt erschlägt, so hat sie einige sehr überzeugende Funktionen, mit denen man sich seine ganzen Skizzen ordnen kann. So ist zum Beispiel eine Funktion integriert, die eine Geschichte im Storyline-Modus anzeigt, und dadurch kann man selbst komplexe, vielperspektivische Geschichten in den Griff kriegen. Dann kann man nach Belieben Szenen entwerfen, und mit einfachem Drag&Drop hin und her schieben. So kann man sich eine Unmenge an Szenen entwerfen, und diese je nach ihrer Brauchbarkeit markieren, in einen Ordner verschieben, wo sie auf weitere Verwendung warten, oder dass man sie schließlich ganz verwirft.
Insgesamt: wie es schwierig ist, ein Buch zu schreiben, zumal ein komplexes Buch, so ist es zunächst nicht einfach, dieses Programm zu bedienen und abzuschätzen, was man mit ihm anfangen kann. Aber sehr rasch lässt sich feststellen, dass hier nicht nur ein guter Programmierer am Werk ist, sondern auch ein Mensch, der Ahnung vom Bücherschreiben hat.