03.01.2008

Noch einmal: yWriter

Schickerweise spielt mir yWriter - ich hatte es oben als ein besonders gutes Programm für Autoren angepriesen - sehr in die Hände. Ich versuche mich ja immer wieder in Kolportagen zu den Büchern, die ich gerade untersuche, und so entsteht gerade der Entwurf einer Trilogie, die ihre poetischen Mittel bei Kai Meyer ausleiht. Nach einem knappen Entwurf, den ich noch gestern Nacht zustande gebracht habe, wächst die Geschichte rasch: dreitausend Wörter habe ich geschrieben und einen ziemlich rasanten Anfang angefertigt. Drei von fünf Szenen des ersten Kapitels sind damit im ersten Entwurf fertig; dreizehn weitere Kapitel umrissen, und die Szenen der Kapitel zwei bis vier näher ausgeführt.
Das Programm ist klasse. Umfangreiche Tabellen und Übersichten, eine leichte Bedienung durch Karteireiter und raschen Verknüpfungen, sowie ein intuitives Drag&Drop-System helfen bei der Planung. Zudem zählt das Programm automatisch Wörter und Zeichen mit. Als ich es vorgestern gelobt habe, konnte ich mir nur aufgrund einiger Versuche ein Bild machen. Jetzt habe ich eine umfangreichere Geschichte zustande gebracht, die nach einem langen Roman aussieht. Planen und Schreiben gehen Hand in Hand. Hier noch einmal der Link: yWriter.

Meine Arbeit mit yWriter sieht derzeit folgendermaßen aus: Ich habe natürlich ungefähr die Geschichte im Kopf. Zu einzelnen Strängen entwerfe ich Szenen und Szenenabfolgen. Die ersten Kapitel haben dabei bereits ihre festen Gerüste. Für die späteren Kapitel habe ich Szenen mit in die Kapitel eingegliedert, die mir (derzeit) notwendig erscheinen, aber eigentlich nicht in die betreffenden Kapitel gehören. Da sich Szenen leicht von einem Kapitel in ein anderes verschieben lassen, ist das aber eine gute Lösung.
Gleichzeitig beginne ich von Anfang an die Geschichte zu schreiben. Drei Szenen sind derzeit geschrieben. Während des Schreibens habe ich immer wieder Personen in die Personenliste aufgenommen. Auch diese Personenliste lässt sich leicht nebenbei führen und kann recht intuitiv bedient werden.
Die einzelnen Szenen arbeite ich in Grobzügen mit dem Programm aus. Dann setze ich mich aber trotzdem mit einem Blatt Papier hin, entwerfe in etwa den Gang der Szene, indem ich Stichwörter auf ein Blatt Papier schreibe, die die Hauptwendungen markieren. Habe ich diese Stichwörter, werden diese durch weitere Stichwörter konkretisiert, die dann die erzählte Handlung schon recht genau erfassen. Erst wenn ich diese Arbeit getan habe, mache ich mich ans eigentliche Schreiben. Feinarbeiten lasse ich weg. Solange ich weiß, wohin ich will, mache ich mir hier noch nicht die Mühe, die Charaktere gut auszuarbeiten. Wo dies passiert, passiert es zwar, aber ich erzwinge nichts.

Wer sich mit solchen Schreibprogrammen noch nicht so gut auskennt, sollte sich bescheidener halten. Üppige Entwürfe nutzen nichts, wenn man sich noch nicht ans eigentliche Schreiben gewöhnt hat. Kurzgeschichten und Gedichte sollten den Anfänger wie den Fortgeschrittenen begleiten. Vor allem Kurzgeschichten sind sehr zu empfehlen: durch sie lernt man, Anfang, Mittelteil und Ende gut zu gestalten. Auch wenn man einen Roman schreiben will: in einer gewissen Hinsicht besteht ein guter Roman immer aus einer Kette von Kurzgeschichten mit einem je offenen Ende, so dass sich eine weitere Kurzgeschichte daran anschließen kann. Solche "Kurzgeschichten" innerhalb eines Romans nennt die amerikanische Schreibbewegung auch sequence - Sequenz. Neben dem Plot und der Szene sind Sequenzen eine wichtige Struktur in einer langen Geschichte, und vermitteln zugleich den Zusammenhalt von einzelnen Szenen in einem großen Plot.
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