29.10.2007

Konflikte für Schriftsteller ...

Nein, diesmal geht es nicht um Schreibblockaden, sondern darum, wie man Konflikte in einer Geschichte gut entfalten kann. Ich beschäftige mich jetzt seit über einem Jahr mit der Spannung, also dem, was eine Unterhaltungsgeschichte - unter anderem - lesenswert macht. So ganz genau blicke ich da noch nicht durch. Eine längere Zeit habe ich mich mit Szenen beschäftigt, also den kleinen Einheiten, die sich zu einer Geschichte zusammensetzen. Dann habe ich mich mit Rätseln befasst: hier vor allem viel mit Kriminalromanen und Schauerliteratur wie Wuthering Heights. Jetzt also sind es Konflikte.
Ich mag auch hierzu noch nicht allzuviel sagen.
Aber zumindest kommen hier jetzt für mich stärkere Strukturen in das Gebiet hinein und - was ich mir sehr erwünsche - eine bessere Orientierung an dem, was für den Leser eine "angenehme" Geschichte ausmacht. - Die Ergebnisse sind zuallererst sehr trocken.
So basiert die Einteilung einer Geschichte in Szenen auf bestimmten Textsignalen, allen voran solchen Signalen, die einen Bruch markieren und damit den Beginn oder das Ende einer Szene.

Spuren und Rätsel
Rätsel dagegen nutzen Zeichentypen wie die Spur: die Spur deutet eine Nachbarschaft zwischen zwei Gegenständen an, die jetzt weit voneinander entfernt sind. Hört sich das abstrakt an? Ja, und so ist es auch abstrakt. Nehmen wir ein konkretes und altbekanntes Beispiel: die Fußspur im Sand. An ihr kann man lesen, dass Fuß und Sand "dicht beieinander" waren, der Fuß hat sich ja in den Sand eingedrückt. Das Ergebnis ist eine Spur. Ähnliches sind Lippenstift-Spuren auf einer Zigarettenkippe. Und wenn ich hier eine Übung vorschlagen sollte, dann die, einmal sehr langsam und aufmerksam durch den eigenen Wohnort zu gehen und sich zu überlegen, wo man überall Spuren finden kann. Man muss sich hier sozusagen immer etwas vorstellen, was früher einmal "da" war, jetzt aber "fort" ist. So haben vielleicht tausend Hände auf dem verchromten Türknauf eine abgeschabte Stelle entstehen lassen. So zeigt der leere Pizzakarton in einem Mülleimer, dass auf der Bank daneben eine Pizza gegessen worden ist und das sich in der Nähe ein Imbiss befindet, wo man Pizzas mitnehmen kann. So zeigen die Brotkrumen zwischen dem Kies, dass dort jemand Brot für die Vögel ausgestreut hat, und diese dann verjagt worden sind oder satt waren. Eine Gardine, die zurückgezogen im Fenster hängt, zeigt auf die Hand, die diese zurückgezogen hat. Und, und, und. - Hier kann man sich, um sich ein wenig zu disziplinieren, ein Skizzenbuch mitnehmen und aufschreiben, was man an Spuren entdeckt hat.
Rätsel bestehen nun aus Spuren, die man nicht oder nicht vollständig entschlüsselt hat. Was - als Beispiel - machen die beiden Einkerbungen in der Säule, an deren Fuß man eine Leiche entdeckt? Warum befindet sich in der zerbrochenen Lampe eine Stelle, in der das Glas nicht scharfkantig zersplittert ist, sondern wie ein kreisrundes Loch aussieht? Ein Rätsel basiert also darauf, dass man eine Spur sieht und einen der beiden Teile, die einmal nachbarschaftlich waren, nicht aber den anderen Teil. Das ist in etwa so, als würden wir eine Fußspur im Sand entdecken, zwar wissen, was Sand ist, aber wir kennten keine Füße und würden uns jetzt Fragen, was diese komischen Abdrücke verursacht hat.

Konflikte
Konflikte nun funktionieren wieder ganz anders: solange ein Konflikt besteht, kann eine Geschichte eine Einheit aufrecht erhalten. Und über diesen Konflikt kann man als Autor dann das Spiel von Annäherung und Entfernung spielen, von Scheinlösungen, Hindernissen, plötzlichen Einfällen und überraschenden Wendungen. Zunächst sieht es so aus, als würden die Handlungen in einem Buch den Konflikt "erzeugen" - in Wirklichkeit aber scheint es komplizierter zu sein: der Konflikt richtet die Handlungen auch immer nach sich aus, wie ein Magnet Eisenspäne nach sich ausrichtet, und dabei ist es nur bedingt wichtig, was für Handlungen es sind, solange der Konflikt deutlich ist. So erzeugen also Handlungen zwar den Konflikt, zugleich aber richtet der Konflikt auch die Handlungen nach sich aus. Das kann man sich wie einen Regelkreis vorstellen. - Übung: Auch hier kann man sich wieder mit seinem Notizbuch in die Wirklichkeit begeben und einfach alle Konfliktmöglichkeiten suchen, die man so mit seiner Umwelt haben könnte, angefangen von irgendwelchen Autos, die am Straßenrand stehen, bis hin zu Müll, der in der Umwelt herumliegt oder Kleidungsstücke, die bestimmte Menschen tragen. Hier ist Phantasie gefragt, um einen Gegenstand, eine Szene, ein Ereignis nach möglichst vielen Konflikten abzuklopfen.
Ich bin nun seit mehreren Wochen dabei, genau dies zu tun. Auch Bücher durchforste ich von Anfang zum Ende nach solchen Konflikten, den kleinen, den großen, den vom Autor benannten und den von mir hinzugedachten. Die Arbeit ist manchmal mühsam. Ich komme mir wie ein Insektenforscher vor, der einen Quadratmeter Urwald nach Kerftieren durchsucht, viele gleiche findet und manchmal auch seltsame und bizarre Fliegen oder Käfer. - Und natürlich ist das Ganze kein Selbstzweck, sondern führt hoffentlich zu einer größeren Selbstverständlichkeit beim Entwurf einer spannenden Geschichte.

Hier nun ein etwas älterer Text, ein Arbeitspapier, auf dem ich kurz eine Typologie von Konflikten versucht habe - und zwar nicht von realen Konflikten, sondern von solchen, wie sie in Romanen zu finden sind. Der Text ist etwas unübersichtlich, kurz und stellenweise missverständlich. Nehmt euch heraus, was ihr braucht und lasst den Rest beiseite.


Typen von Konflikten
1. Es gibt in Geschichten sechs Typen von Konflikten. Bevor ich diese selbst erläutere, ist es wichtig zu wissen, warum man ein Phänomen in Typen aufteilt. In einer Geschichte kommen diese verschiedenen Konflikttypen nebeneinander und nacheinander vor. Dabei gibt es dann typische Abläufe. Hat man Konflikttypen, kann man nicht nur die Geschichte gliedern, sondern auch Abläufe schematisch darstellen. Diese Abläufe kann man wie Schablonen für eigene Geschichten benutzen oder von ihnen abweichend schreiben.
2. Die verschiedenen Konflikttypen sind: 1. Zustandskonflikt; 2. Anpassungskonflikt; 3. Erkenntniskonflikt; 4. Informationskonflikt; 5. Werkzeugkonflikt; 6. Herstellungskonflikt.
3. Je zwei der Konflikt hängen eng zusammen. Wer mit einem Zustand im Konflikt ist, hat auch einen Anpassungskonflikt. Ebenso gehören Erkenntnis und Information zusammen, und Werkzeuge und Herstellung. - Wozu die Aufteilung in zwei unterschiedliche Konflikttypen gut ist, erläutere ich später.
4. Zustandkonflikte sind: arm sein, ungeliebt sein, missverstanden sein. Diese Konflikte weisen eine längere Dauer auf (man kann auch kurzzeitig missverstanden werden, ohne dass dies ein Zustandskonflikt ist). Kristin möchte Schriftstellerin werden. Keiner in ihrer Umgebung glaubt daran: im Gegenteil wird sie noch entmutigt. Das ist ein Zustandskonflikt. Zustandskonflikte weisen einen misslichen IST-Zustand auf.
5. Wer IST-Zustand sagt, sagt natürlich auch SOLL-Zustand. Wenn jemand nicht in eine bestimmte Zukunft treiben will, entsteht ein Anpassungskonflikt. Anpassungskonflikte sind: nicht Erzieherin werden wollen (aber dazu gezwungen werden), nicht zu den Großeltern fahren wollen (aber dazu gezwungen werden), nicht ins Gefängnis gehen wollen (aber dazu gezwungen werden). Anpassungskonflikte weisen einen misslichen SOLL-Zustand auf.
6. Natürlich gehen Konflikte dann meist so: ein misslicher IST-Zustand verknüpft sich mit einem noch viel schlimmeren SOLL-Zustand. Du glaubst, die Orkhorde war schlimm, die euren Bauernhof niedergebrannt und deine Familie umgebracht hat? Dann warte erstmal, bis die eigentliche Orkarmee hier eintrifft. - Diese Abfolge - misslicher Ist-Zustand, noch misslicherer Soll-Zustand - ist typisch für Spannungsromane.
7. Kriminalromane zeigen dahingehend eine etwas andere Grundstruktur: der Ist-Zustand ist unerwünscht (Mord z.B.), während der Soll-Zustand ohne große (innere) Anpassungen des Ermittlers geschieht. Zumindest oft. "Blackout" fällt da als untypisch heraus, da Alices Protagonist einen sehr starken Anpassungskonflikt hat. Auch Thriller zeigen öfter Anpassungskonflikte als Krimis.
8. Ein wesentlich auf einem Anpassungskonflikt aufgebautes Genre ist der Bildungsroman. Für den klassischen Fantasybereich: "Erdsee" von LeGuin, und "Herr der Ringe". Berühmt: Catcher in the Rye von Salinger, Beyond Eden von Steinbeck, Into the Heart of Darkness von Conrad, Lord of the Flies, Felix Krull, Die Blechtrommel, etc.
9. Erkenntniskonflikte sind mit einem Zwiespalt verbunden: bisher habe ich immer geglaubt, Mama wäre nur für mich da, und jetzt ist da dieser Peter, der nie mit mir spricht. Liebt Mama mich noch? Erkenntniskonflikte kommen im Herrn der Ringe vor: Frodo wird mehr und mehr vom Geiste Saurons besessen und will dies doch nicht. Er "erkennt", dass er zwiespältig handelt.
10. Im Gegensatz dazu sind Informationskonflikte immer mit Fragen an die Umwelt verbunden: was passiert hinter dieser Tür? wie ist dieser Mann umgebracht worden? warum wurde diese Frau entführt? weshalb schreit die Biologielehrerin immer so herum?
11. Erkenntniskonflikte bestehen also aus zwei widersprüchliche Informationen, mit denen ein Protagonist umgehen muss. Deshalb sind sie mit Informationskonflikten eng verbunden. Andererseits verlangen Erkenntniskonflikte vom Protagonisten, sich an eine neue Situation anzupassen und haben einen engen Bezug zu Anpassungskonflikten. - Informationskonflikte sind nicht nur mit Erkenntniskonflikten verbunden, sondern auch mit Zustandskonflikten. Wer nicht weiß, wo die bewunderte Kusine ist, aber darunter leidet, hat einen Zustands- und einen Informationskonflikt. Darauf baut Alice unter anderem ihren Krimi auf.
12. Schon hier merkt ihr: so ganz sauber lassen sich diese Konflikttypen nicht trennen. Man könnte hier klagen und sagen: alles noch nicht ordentlich ausgearbeitet. Frederik, machs noch einmal. Aber: soll Bewegung in die Konflikte kommen, müssen sich diese vermischen können. Keine Geschichte ohne Bewegung, und deshalb auch keine Geschichte ohne unklare Begriffe. Wer an dieser Stelle schon einen Drehwurm vor lauter Analyse hat, darf sich jetzt zurücklehnen und sagen: ich muss garnicht alles verstehen. Wer lebendig erzählen will, darf eben nicht totanalysieren. (Das sage ich wirklich, auch wenn ihr mir das nicht glaubt. Es gibt dazu natürlich auch eine etwas längere und wissenschaftlichere Ausführung, aber die erspare ich euch jetzt wirklich. Noch!)
13. Werkzeugkonflikte werden von einem bestimmten Fragetyp begleitet: "Mit was ....?" Mit was kann ich meine Mutter davon überzeugen, mich auf diese Party gehen zu lassen? Mit was kann ich den Drachen so ablenken, dass ich das Goldene Ei schnappen kann? Mit was kann ich den Mörder zu einem Fehler verleiten? Mit was kann ich den Lektor von meinen schriftstellerischen Qualitäten überzeugen?
14. Herstellungskonflikte betreffen dagegen Pläne. "Wie ...?", so lautet hier die Frage. Wie kann ich nach Mordor gelangen? Wie löse ich den Fall? Wie finde ich meine Kusine? Wie werde ich Schriftsteller?
15. Werkzeug- und Herstellungskonflikte sind wieder engstens miteinander verbunden: Wie überzeuge ich meine Mutter davon, dass ich auf die Party gehen darf? Mit was überzeuge ich sie? - Hier sind die Konflikte bis zur Unentscheidbarkeit verschmolzen. - Oder: Wie repariere ich das Auto? Mit was repariere ich es? Hier lassen sich die Antworten besser trennen.
16. Man kann die sechs Konflikttypen in zwei andere Kategorien einteilen: die eher äußerlichen - hierzu gehören Zustands-, Informations- und Werkzeugkonflikt -, und die eher innerlichen - hierzu gehören Anpassungs-, Erkenntnis- und Herstellungskonflikt.
17. Wenn ihr solche Konflikttypen einüben wollt, sammelt zunächst mal, und das möglichst unbedarft. Die Typen sind - ich hatte es oben schon gesagt - unscharf. Das heißt auch, dass ihr dieses Gefühl, mit unscharfen Begriffen zu arbeiten, unbedingt beachten müsst. Die Unschärfe bedeutet nämlich, das hier eine Bewegung stattfindet. Und die Bewegung bedeutet, dass hier der Keim einer Geschichte drinnen steckt. Die Konflikttypen finde ich wichtig - wobei ich nur für mich sprechen möchte -; noch wichtiger finde ich, dass sie diese Bewegungen deutlich machen und damit ständig neue Geschichten und Geschichtchen liefern.
18. Einen Kurs zur Verbindung von Konflikten und fiktivem Schreiben würde ich mir so vorstellen: Konflikte sammeln, aus der Umwelt, aus Romanen, aus wissenschaftlichen und philosophischen Büchern - Konflikte den verschiedenen Typen zuordnen - die Probleme bei der Zuordnung diskutieren und die Unklarheit als Chance für den Schriftsteller erkennen - aus Konflikten Plots entwerfen - zu den Plots einzelne Szenen schreiben - Konstellationen von Konflikten sammeln (welcher Schriftsteller benutzt wie welche Konflikte?) und ein Gefühl für Konfliktabfolgen entwickeln - selbst Konfliktabfolgen entwerfen (also Plots unter dem Gesichtspunkt des Konflikts) - eine Konfliktabfolge weiter ausarbeiten, zunächst als Kurzfassung/Zusammenfassung, dann als einen ersten, ausgearbeiteten Text.

Es gibt noch andere Möglichkeiten, mit Konflikten zu arbeiten. Ich glaube, hier haben wir eine mögliche Ausgangsbasis.
Falls ihr Fragen habt: stellt sie bitte. Nichts finde ich klärender als Fragen und ich suche ja schon lange nach guten "Kriterien", um gute Plots zu entwerfen.
Frederik

26.10.2007

Alice! Warst du das?

Was lese ich aus deinem wunderschönen Heimatland, Alice?
"Die Männer-Partei (MP) wurde am 16. Juni 2007 als Reaktion auf den sich immer deutlicher manifestierenden Radikal-Feminismus und der damit einhergehenden Männerdiskriminierung gegründet. Männer werden in der gegenwärtigen Gesellschaft deutlich von den herrschenden Frauen ausgegrenzt und ausgenutzt oder müssen ganz einfach mehr leisten, als dies vom weiblichen Geschlecht verlangt wird."
Wehe, du kannst nicht nahtlos beweisen, dass du keine Männer unterdrückt hast. Wenn du nur auch ein Quäntchen unserer schönen alten Patriarchats bekämpft oder ausgemerzt hast, dann wehe. Und was liest man sonst noch aus der Schweiz von unseren Leidesgenossen?
In zahlreichen Scheidungsfällen können Männer aus den Händen von diktatorischen Richterinnen lebenslängliche Knebelungsverträge entgegennehmen. Am Arbeitsplatz wird der Mann zu deutlicher Mehrleistung angetrieben; er hat buchstäblich als gutes Arbeitspferd Frondienste und Überstunden zu leisten und kann es sich nicht erlauben, einmal kürzer zu treten.
Ja, und ich dachte, der Schweizer Mann steht des Nachmittags auf der Alm, schmökt sein Pfeifchen und sieht dabei zu, wie die speziellen Lochkühe lochtaugliche Milch für löchrigen Käse zusammengrasen. So wie dein Mann, so wie schon der Alm-Öhi in Heidi.

Und mal im Ernst ...

Gleichberechtigung ist, wenn dies manche Menschen in den Mund nehmen, ein furchtbares Wort. Ohne eine Vielfalt geht es nicht. Gleichberechtigung heißt Gleichberechtigung vor dem Gesetz und möglichst auch vor den ökonomischen Bedingungen und in der Teilhabe an politischen Möglichkeiten. Und es mag ja sein, dass es Männer gibt, die unter Frauen gelitten haben und leiden. Nur hat der Feminismus nicht das Leiden bestimmter Frauen abgeschafft, ja es wird - teilweise sogar von Frauen - argumentiert, dass der Feminismus erfolgreich gewesen sei und die Stellung der Frau in der Gesellschaft gesichert sei.
Die häusliche Gewalt wird noch immer zu großen Teilen von Männern ausgeübt. Wichtige Posten im Staat sind vorwiegend von Männern besetzt. Und eine Chefin, die mobbt, ist dann vielleicht so etwas wie höhere Gerechtigkeit zu dem Chef, der grabscht. Beides muss nicht sein. Über beides kann man sich beschweren. Aber wer hat gesagt, dass der Feminismus ein Allheilmittel gegen Nieten in Chefetagen ist? Niemand. Nur sind dort jetzt auch mal Frauen zu finden.

Alice Schwarzer

"Die Emanzen um Alice Schwarzer treiben bewusst einen Keil zwischen die Geschlechter: Schwarzer rühmt sich, das Zusammenleben zwischen Frau und Mann erschwert zu haben! Dabei geht es nur miteinander."
Ich weiß nicht, ob Peter Gauweiler das tatsächlich gesagt hat, aber es macht natürlich mehr Sinn, als hier einfach unterstellt wird. Zusammenleben ist von Traditionen und Bequemlichkeiten durchzogen. Diese waren und sind immer noch patriarchal. Hier das Zusammenleben zu erschweren, ist nicht der feministische Todesstoß der klassischen Ehe, sondern mutet dem Mann zu, über seine Beziehung nachzudenken und diese - gleichberechtigt eben - mit seiner Frau auszuhandeln. Insofern ist diese Zumutung eigentlich auch die Hoffnung, dass Männer dies können und dass sie nicht immer nur so intelligent tun. (Freilich: die Frau muss das, umgekehrt, auch zulassen können; sicher.)

Ich hoffe, dass ich damit einen sachgemäßen Artikel zum Schweizer Feminismus liefern konnte. Sollte sich im Zuge der Machtergreifung durch die Männerpartei allerdings erweisen, dass die Löcher aus dem Käse verschwinden, ziehe ich diesen Artikel zurück und beantrage, das Matterhorn in Archaischer Spitzbusenberg umzubenennen.

Schuldeutsch und Wiederholungen

In einem Aufsatz hat mein Sohn eine Wort-Wiederholung unterstrichen bekommen. Angeblich sollen Wörter nicht wiederholt werden, sondern durch Pronomen ersetzt werden. Allerdings ist Wortwiederholung ein Mittel der Textkohärenz und der sprachlich-stilistischen Gestaltung von Texten.
Sicher: nicht immer ist eine solche Wortwiederholung angebracht und manchmal überzeugt das schwächere Pronomen zugleich durch die andere Akzentuierung des Satzes, und durch die andere Rythmisierung der Textes. Nur: wenn ich durch die Wortwiederholung einen bestimmten Sachverhalt akzentuieren kann und zudem noch ein gutes rhetorisches Mittel einbinden kann, dann ist die Empfehlung, Wortwiederholungen zu vermeiden, einfach schlechtes Deutsch.
Auch die Variation um jeden Preis erzeugt oft mehr Wolken, als dass sie gute Prosa liefert. Wer für hervorragend dann auch noch toll, wundervoll, fantastisch und anderes ins Feld führt, kommt leicht in Verruf, ein Schwafler zu sein. Denn Variation bedeutet nicht, seine Wertung möglichst umfassend und wortreich vorzustellen, sondern einen Sachverhalt in möglichst weiten Bezügen darzustellen. Also eine Beschreibung so präzise wie nötig zu halten. Dann darf man auch sehr viele unterschiedliche Wörter gebrauchen, da die Beziehungen in einem Sachverhalt ebenso vielfältig sind.
Leider ist es noch immer so, dass in der Schule ein hölzernes Deutsch gelehrt wird, in dem kein Lehrer je einem Roman lesen wollte. Und das auch nicht der kanonischen Bildungsliteratur entspricht.
Ich habe mit meinem Sohn lange darüber gesprochen. Er war ziemlich bedrückt, weil er den Aufsatz sowieso nicht gut benotet bekommen hat. Ich hoffe, dass er verstanden hat, was ich ihm erklärt habe (rhetorische Figuren sind Zehnjährigen nicht so einfach zu erklären). Ansonsten hat er dasselbe Problem, das ich immer in der Schule hatte: ich habe gerne am Thema vorbei geschrieben. Nur hatte ich Lehrer, die hier meine sprachliche Ausdrucksweise immer sehr geschätzt haben und dies honoriert haben. Insofern ist mir manche schlechte Note erspart geblieben.

23.10.2007

Fundamental,

... lieber Watson. - So Holmes des öfteren zu seinem zwanghaft peniblen Assistenten.
Fundamental sind auch die Christen, die sich creatonists nennen: der Tyrannosaurus war im Paradies Pflanzenfresser. Erst hinterher, als Eva und Adam aus dem Paradies vertrieben worden waren, entwickelte er eine Vorliebe für Fleisch. Heute kam mir allerdings die Erleuchtung, dass dies in Wahrheit ganz anders war. Denn in Wahrheit haben die Dinosaurier - und da vor allem die Pflanzenfresser - einen perfiden Plan ausgeheckt, um die nachfolgenden Generationen intelligenterer Lebewesen auszurotten: sie haben sich einfach aussterben lassen, um dadurch Millionen und Abermillionen Barrel fossiler Brennstoffe zu erzeugen. Dadurch, so prophezeiten sie richtig, wäre eine industrielle Revolution möglich, die nicht nur tausende von Kindern in Bergwerken krepieren ließ, sondern späteren Generationen durch das Fernsehen eine universelle Verblödung verschaffte. Das Beste an dem Plan aber war, dass die Dinosaurier nicht mehr bestraft werden konnten. Sie waren ja - das war Teil des Plans - mittlerweile ausgestorben. - Nun, einige Nachzügler gibt es noch. Wir könnten als Entschädigung ja ein paar Quastenflossler verprügeln.
Bei Lev lese ich, dass Rowling vor ein paar Tagen meinte, Dumbledore sei schwul. Auch das dürfte bei den Kreationisten für Aufregung sorgen. Denen ist es ja schon schlimm genug, dass Rowling aktiv für Hexerei wirbt.

Fußkrimis und Holzteilverarbeitung - oder: Lernt man bei Andreas Franz keine Rechtschreibung?

Die Leser von Andreas Franz sind mit der wunderlichsten Wortakrobatik gesegnet.
Ein Krimi von Franz handelt wohl des öfteren von Füßen, denn "die Handlung ist etwas zeh". Ein anderer spielt im holzverarbeitenden Milieu: er ist "sehr spanend".
Unfreiwillige Wahrheiten offenbarte eine Rezensentin, wenn auch nur über Dieter Bohlen, als sie schrieb: "Ein megaspannendes oder um Bohlens Worte zu benuttzen ..."; Bohlen also benuttzt, und hat auch sonst von Frauen viel Nuttzen, wenn er hier auch gerade mal nur ein Wort (aber immerhin eines!) benuttzt. Danke an die Rezensentin, nicht für ihre Einlassungen zu Andreas Franz, sondern für ihre buchstäbliche Wahrheit über den Mega-Popper. Merke dazu: manchmal kann das Falsche das Wahre sein.
Gründe, warum man einen Thriller mit vier Sternen bewerten sollte, gibt diese Rezensentin an die Hand: "Die Polizei tappt lange im Dunkeln, bis sie zufällig auf den Täter kommt."
Diese Rezensentin gehört wohl zu den wetterfühligen Lesern, oder will sie durch den Rechtschreibfehler nur ausdrücken, dass sie sich von Herrn Franz im Regen stehen gelassen fühlt?: "Ein wenig Ekel gepaart mit einem Schauer, der mir über den Rücken läuft, ..."
Oder: "Schon der Anfang des Buches ist super ... zuerst weiß man gar nicht wirklich, was der Autor jetzt eigentlich von einem will." - Äh, weiterlesen? - Auch diese Rezensentin hatte mit einem Romananfang von Franz arge Probleme: "Nach ein paar Seiten erahnte ich zwar schon ich die Handlung, ..."
Diese Rezensentin glaubt sogar an Vielmännerei bei Andreas Franz' Gesetzeshütern: "Auch der Rest der Polizei hat Leichen im Keller (... eine untreue Ehefrau)."
Für wen schreibt Herr Franz eigentlich? Für Rabenmütter? "Das Buch hat mich für zwei Tage und Nächte entführt. Ich habe alles vergessen, sogar meine Tochter, die jede vierte Stunde auf ihre Flasche gewartet hat." - Schuld an der Verwahrlosung unserer Jugend ist also nicht der Werteverfall durch die 68er-Generation, sondern der schreibende, deutsche Mann. Unser Urteil: ab auf's Feld und Kartoffeln pflanzen. (P.S.: Eva Herman darf natürlich weiter schreiben.)
Jedenfalls bevorzugt Herr Franz absurde Mordwerkzeuge: "Oberstudienrat Schirner wird beim Abendspaziergang mit seinem Hund ermordet." Wie der Mörder wohl das zustande gebracht hat?
Und was Logik angeht, finde ich diese Rezensentin unübertroffen: "Einige Stellen im Roman vermitteln zwar den Eindruck, als hätte der Autor um der Spannung willen einen Zeitraffer eingebaut, doch sei ihm dieser Kunstkniff verziehen, denn der Zweck wurde erreicht und stört deshalb nicht sonderlich."

20.10.2007

Semantik

Mit viel Freude habe ich gerade ein Buch über die Semantik gelesen (Michael Metzelin: Theoretische und angewandte Semantik).
Semantik ist die Lehre von der Bedeutung. Sie gibt einem Mittel an die Hand, einen Text zu verstehen, zu zerlegen (Analyse) und zu paraphrasieren (Kommentar). Eine nette, wenn auch recht knappe Einführung findet man hier. Auch wikipedia hat hier einiges Gutes dazu zu sagen.
Einige Erläuterungen zu Grundbegriffen der Semantik findet man im online-Wörterbuch der Gesellschaft für Semantik. Dieses Wörterbuch ist insgesamt aber eher kritisch zu bewerten. Außerdem fehlen schöne Beispiele. Das dürfte Einsteiger abschrecken.
Semantik erscheint einem zunächst als recht trockene Wissenschaft. Gerade dadurch kann sie aber den alltäglichen Bodennebel des Sprechens und den schriftstellerischen Schlendrian vertreiben. Ein langer Atem hilft beim Erarbeiten der wissenschaftlichen Semantik.

Das eigentliche Problem der Semantik scheint heute der Text zu sein: es ist ja ganz hübsch und nett, wenn sich Generationen von Semantikern mit Wortbedeutungen herumschlagen. Problematisch wird es aber, wenn sich Wörter zu dicken Haufen (sogenannten "Büchern") zusammenfinden.
Obwohl Metzelin ein schönes Buch schreibt, lässt er viele Fragen offen, die sich mir von den Büchern für kreatives Schreiben her stellen: denn wenn man einen Text einfach nur zergliedert, erfasst man solche Aspekte wie Spannung, Führung des Lesers, etc. nicht. Das liegt vor allem daran, dass die Semantik eine Wissenschaft ist. Sie zergliedert den sichtbaren Text in "objektive" Teile. Je objektiver diese sind, umso wissenschaftlicher. Doch dadurch kann die Semantik auch nicht die Graubereiche erfassen, die Texte viel mehr ausmachen: zum Beispiel, wie Spannung aufgebaut wird. Gut - da ist dann auch viel Psychologie dabei. Trotzdem sollte sich eine Semantik hier in Zukunft darauf ausrichten, diese Phänomene, wenn nicht mit Lösungen, so mit grundlegenden Begriffen zu versorgen. Es wäre also schön, wenn sich die Textsemantik Anregungen bei Schreibratgebern holen würde.

17.10.2007

Hans Leyendecker zu Weblogs

Ich sehe sehr viel vorurteilsbewusste Leute, die im Internet schreiben. Leute, die zum Teil antidemokratisch sind. Was ich verfolge im Internet, ist nicht, dass es eine neue Stimme gibt, die wichtig ist für eine gesellschaftliche Diskussion, sondern es gibt eine unglaubliche Vorverachtung gegenüber jedermann. Ich hab das Gefühl, dass im Internet ganz viele Menschen schreiben, weil sie irgendwas mal rauslassen können, was man sonst nicht mehr am Stammtisch rauslassen kann. Unqualifiziert, zum Teil. Ich hatte gedacht, dass durch das Internet und durch die Blogs auch eine Sicht reinkommt (die gibt’s auch mitunter, das muss man auch sagen … ) Aber der Grossteil der Sachen, die ich lese, ist böse, ist zynisch, ist verachtend, ist gegen jedermann. Und das ist eigentlich nicht die Vorstellung, wie man einen gesellschaftlichen Diskurs zu führen hat. Nun wird man abwarten müssen, ob es beispielsweise Blogs gibt, die die Situation in der Stadt oder so beschreiben. Dass man das, was die Zeitungen nicht leisten können, was der Rundfunk nicht leisten kann, ob man das da hinbekommt. Das gibt’s in Amerika ja, solche Geschichten, das Menschen sich da auch wiederfinden. Nur ich find, in Deutschland (das was ich jedenfalls sehen kann) ist eine unglaubliche antidemokratische, antiparlamentarische Form, die eigentlich von der Vorverachtung lebt. (gefunden bei: medienlese)

Ich bekenne mich hier schuldig, vorurteilsbewusst über zum Beispiel Eva Herman zu schreiben.
Ich mag diese Frau nicht. Ich dachte, ich müsse nach meinem letzten Eintrag zu ihr eine etwas bessere Gegendarstellung schreiben - tatsächlich finde ich zahlreiche Gegenpositionen genauso unkritisch oder schwierig -, aber irgendwie interessiert es mich nicht und irgendwie tut es auch gut, einfach mal doof seine Meinung herauszuposaunen, sei diese auch noch so unqualifiziert.

16.10.2007

Hmm ... die Lehrer

Die Schule bildet weiter einen nationalen Aufreger. Hoffentlich.
So stand jetzt in der BZ, jeder zweite Lehrer sei für seinen Beruf untauglich. Ich halte diese Zahl zwar für sehr hochgegriffen, aber vielleicht sorgt hier ja ein wenig Aufregung mal wieder für (selbst-)kritische Begutachtung. Zwei Probleme gibt es aber sicherlich dabei: erstens gibt es kein wirkliches Kriterium für guten Unterricht - alle Kriterien müssen sich vorwerfen lassen, eher statisch und in klinischen Situationen gemessen worden zu sein; denn selbst wenn man aus Langzeituntersuchungen objektive Kriterien erfassen kann, kann man diese nicht am einzelnen Lehrer messen. Der Aufwand wäre einfach zu groß. Zweitens aber ist der große Gegenhalt - die Elternschaft - durchaus nicht immer in der Lage, die Leistungen von Lehrern zu überprüfen und manchmal in ihrem Wirken kontraproduktiv. Meist geschieht dies in einem unreflektierten Verteidigen des eigenen Kindes, nach dem Motto: wenn ich das Kind zu einem hohen Abschluss führe, wird aus ihm auch ein guter und erfolgreicher Mensch. Dann müssen Lehrer hier, mit oftmals allzuviel Vorsicht, wenig rechtlicher Handhabe und außerhalb ihrer eigentlichen Befugnis Persönlichkeitserziehung leisten. Ich kenne sogar einen Fall, in dem ein überbeflissenes Elternteil das Kind zu aktivem Mobbing gegen den Lehrer angeleitet hat. Und so etwas ist, egal, ob der Lehrer nun gut oder schlecht ist, widerlich.
Was mich immer wieder frappiert hat: kaum ein Lehrer hat ein handhabbares Modell für den Theorie-Praxis-Bezug. Oftmals wird die Theorie ganz verworfen: der Schulalltag sei Praxis. Das Problem dabei ist, dass jede Wahrnehmung eingeordnet wird, das heißt, dass automatisch Modelle benutzt werden, die zum Beispiel Schülerbewertungen ergeben. Und dort schleicht sich eben doch wieder Theorie ein. Nur eben weder reflektiert noch versprachlicht. Kein Modell ist richtig. Wie Lévi-Strauss mal sagte, bilden Modelle ein ideales Funktionieren ab. Weil man sich immer über sie streiten kann, kann man sich nur auf ironische Weise über sie streiten. Aber streiten muss man, auch mit dem Schüler. Und diesem dabei trotzdem auf der einen Seite Mitspracherecht, auf der anderen Seite eine Festigkeit bieten, an der der Schüler sich - jenseits des konkreten Lernstoffes - abarbeiten kann. Das leisten - meiner Ansicht nach - nur Modelle. Und Modelle, die Vielfalt konkurrierender Modelle, gewinnt man durch Wissenschaft.
Das andere Problem ist, wenn Wissenschaft mit Wahrheit gleichgesetzt wird. Auch eine beliebte Praxis. Man hat etwas erkannt. Es passt zu einer Wissenschaft oder einer wissenschaftlichen Aussage, die man eben gerade mal kennt, und schon ist es wahr. Wenn aber Wissenschaft Wahrheiten produziert, dann vielleicht doch in der höchst irrwitzigen Weise, wie Luhmann es in seinem Buch Die Wissenschaft der Gesellschaft beschreibt.
Wer die Vielfalt konkurrierender (Denk-)Modelle anerkennt, der wird sich auch weniger schwer tun, wenn es um die Integration fremder Weltbilder geht: die fehlende Integration migrantischer Mitbürger fängt schon auf der Ebene des Vielfalt-Denkens an. Auch hier beißt sich die Katze in den Schwanz: wer wissenschaftlich arbeitet, kennt vielfältige Denkmodelle. Die gepflegte Praxis mancher Pädagogen, nur ein einziges Theoriemodell zuzulassen, oder seinen eigenen eklektizistischen Ansatz für den tauglichsten zu halten, ist ebenso terroristisch, wie die funktionierende Praxis als erreichtes Ideal hinzustellen despotisch ist. (Zur Definition von terrorsitisch und despotisch siehe meinen Eintrag vom 12.08.07 hier).

Spiderman III

Am Sonntag habe ich mir Spiderman III angesehen. Der Film ist sehr kritisiert worden. Die vielen Gegner - drei - würden die Geschichte verzetteln. Ich kann jetzt diese Kritik nicht mehr richtig nachvollziehen: denn alle drei Gegner scharren sich um das große Thema Rache - und durch dieses Thema wird die Geschichte wieder homogen. Und gerade weil hier das Thema auf verschiedene Arten und Weisen durchgespielt wird, finde ich den Film zwar recht intellektuell - insofern man das von Popcorn-Filmen sagen kann -, aber auch sehr dicht.
Nein, ich sehe diesen Film als einen würdigen Nachfolger der beiden ersten Spiderman-Filme. Zum Schluss ist er zwar etwas kitschig, aber das kennt man ja sogar von Raimis Armee der Finsternis. - Also: sehenswert.

09.10.2007

Teufel im Hirn, oder: Lieblingsblondine

"Diejenigen, die schon immer den Verdacht hatten, der Teufel suche sich bevorzugt schwache Frauenleiber und -hirne aus, um in diese hinein zu fahren, dürften sich dieser Tage bestätigt fühlen. ... Aber vielleicht steckt hinter dieser ganzen bizarren Geschichte ja auch etwas völlig anderes: Der Wunsch der gestressten Fernsehfrau, endlich Zeit zu haben, um zu Hause in Ruhe Apfelkuchen zu backen." Thea Dorn zu Eva Herman

07.10.2007

Ratatouille

Gestern waren Cedric und ich in Ratatouille. Der Film ist bezaubernd, nicht so lustig wie Findet Nemo, aber auf sehr unkitschige Weise romantisch. Und die Trickfilmtechnik ist mal wieder sehr sehenswert und teilweise so realistisch, dass man kaum noch merkt, dass man einen computergenerierten Film sieht - abgesehen natürlich davon, dass die Ratten reden können und die Menschen Knollnasen besitzen.
Man findet hier also keine Fortsetzung von Findet Nemo oder Die Unglaublichen, auch nicht von Monster AG oder Das große Krabbeln. Empfehlenswert ist der Film aber durch und durch, wenn man nicht einen Abklatsch früherer Filme erwartet.

03.10.2007

Gutes Erzählen

Nachdem ich wieder mal einige Fantasy-Bücher gelesen habe und mich teilweise sehr über die fehlende Erzählkunst geärgert habe, hier einige der gröbsten Fehler und wie man sie vermeidet:

Verwischte Szenen. - Wenn es einen grundlegenden Baustein eines Romans gibt, dann die Szene. Es ist zwar noch nicht wirklich definiert worden, was eine Szene ist, aber zumindest kann man ihr einen Anfang, eine Steigerung, einen Höhepunkt und ein Ende zuweisen. Eine Szene ist so etwas wie eine winzige, offene Geschichte in einem Roman. Jede Szene verbindet sich - sollte sich verbinden! - mit anderen Szenen. - Man kann Szenen auf vielerlei Arten verwischen. Am sichersten gelingt dies, indem man in der Szene keinen Höhepunkt setzt. Um allerdings in der Szene einen Höhepunkt zu setzen, braucht es meist keinen großen Lärm. Auch in einem Thriller, auch in einem Action-Roman sind die meisten Szenen ohne einen "Handlungs"-Höhepunkt. Es geht hier nicht um einen Erzähl-Höhepunkt wie am Ende eines Romans: sondern um kleinere Dinge - man findet etwas, man erkennt an zwei Personen einen neuen Charakterzug, man baut einen Drachen zu Ende oder liest ein Buch fertig. Wichtig aber ist, dass jede Szene sich auf einen solchen Wechsel zubewegt: etwas geht zu Ende und etwas Neues beginnt. Und das sind manchmal die alltäglichsten Dinge.

Fehlende Charaktere. - Eine zweite Methode, einer Szene jeden Reiz zu nehmen, ist, wenn man die Figuren in der Szene nicht charakterisiert. Dabei genügt es schon, wenn man typische Merkmale und Verhaltensweisen einer Figur einflicht. Hier ist übrigens die indirekte Schilderung am besten. Indirekt heißt hier: man schreibt nicht "Petra war mal wieder schüchtern.", sondern "Sie errötete, schlug die Augen nieder und stammelte: Drei Brötchen bitte!" - Wenn man allzu oft direkt schildert und kaum indirekt, dann werden die Charakterzüge bloß behauptet. Das ist dann aber mehr Mobbing als Erzählen.

Höhepunkte. - Ein Höhepunkt ist ein Höhepunkt. Wichtig ist hier nicht nur die "Höhe", sondern auch der "Punkt": ein Höhepunkt ist kurz. In dem einen Roman, den ich gerade gelesen habe, begannen die Höhepunkte meist zu Beginn der Szene - alles war immer furchtbar dramatisch - und endeten am Ende der Szene, meist mit einem Cliffhänger. Die Wirkung dieses Überdramatisierens war frappierend: der Roman war totlangweilig und quälend zu lesen. - Diesen Fehler vermeidet man, indem man sich darüber klar wird, was man mit der Szene bezwecken will. Jede Szene hat zwei Pole: zum einen treibt sie die Geschichte voran, zum anderen charakterisiert sie die Figuren der Geschichte, zumindest ein kleines Stück weit. Diese Pole findet man in fast allen Büchern, sei es Der Zauberberg von Thomas Mann, Der Herr der Ringe von Tolkien, Vom Winde verweht von Margaret Mitchell, Sexus von Henry Miller, usw. Beide Pole kann man am leichtesten dadurch bedienen, dass man szenisch schreibt. Szenisch schreiben heißt: vor allem das Sichtbare und Wahrnehmbare abzulichten.

Psychologisierung. - Manche Romane kommen wie psychologische Abhandlungen daher. Meist wie schlechte psychologische Abhandlungen. Ein Roman darf keine psychologische Abhandlung sein. Vor allem darf er keine schlechte psychologische Abhandlung sein. Auch hier ist ein wichtiges Heilmittel das szenische Schreiben.

Stilistisches Brimborium. - Allzuviele Cliffhanger, ständiges Dramatisieren, schwulstige und trotzdem totlangweilige Bilder, all das überfrachtet eine Geschichte. Schlimmer noch: der Autor mischt sich auf unerlaubte Weise ein. Damit kann man jede Geschichte ruinieren. Auch hier: szenisch schreiben; und vor allem wissen, wozu man eine Szene schreibt, welche Funktion sie in dem gesamten Kontext eines Buches hat.


Szenisches Schreiben
Szenisches Schreiben ist ein schlichtes Schreiben. Zwar bestehen auch gute Romane nicht nur aus szenischem Schreiben - oftmals ist der erste Satz eine starke Einmischung des Autors -, aber das szenische Schreiben sollte auf jeden Fall überwiegen.
Zentrales Werkzeug des szenischen Schreibens ist das aktive Verb, und hier vor allem das Handlungsverb. Handlungsverben erkennt man daran, dass sie etwas in der Umwelt verändern, bzw. diese Veränderung bezeichnen: Jmd. streicht einen Zaun, jmd. bastelt ein Boot, jmd. sagt etwas, jmd. schlägt eine Tür zu. Viele Romane arbeiten mit diesen aktiven Verben.
Ob man Stephen King, Haruki Murakami oder Salman Rushie, Agatha Christie, Joanne Rowling oder Henry Miller liest: die aktiven Verben überwiegen. - Wer sich also mit dem szenischen Schreiben beschäftigen möchte, der studiere die aktiven Verben in den Romanen. Ebenso studiere er die Szenen, wie sie beginnen, welchen Höhepunkt sie haben und wie sie enden, ebenso, welche Aufgabe sie in dem Roman insgesamt haben.

01.10.2007

Ich bin nicht verantwortlich

Ich bin nicht verantwortlich. Wofür? Für den Namen meines Sohnes. Seine Mutter hat ihn ausgesucht.
Cedric - nicht nach der Hauptfigur im Buch "Der kleine Lord", sondern nach einem Elfenkönig aus einem Buch von Marion Zimmer Bradley.
Ich sollte eigentlich Frédéric heißen. Es ist dann nur Frederik geworden. Ob das mein Leben maßgeblich beeinflusst hat, dass ich schon zu Beginn falsch geschrieben wurde? Ich sage einfach mal: Nein! Hat es nicht.

Liebe Henriette!
Wenn also in deinem nächsten Buch dein Hauptdarsteller Cedric heißen soll, denke bitte daran, dass mein Sohn anspruchsvoll ist und der Hauptdarsteller in meinem Leben.