30.01.2007

Namen, Rezensionen und was sonst noch so anliegt

Liebe Besucher!

Wie ihr sicherlich schon mitbekommen habt, heißt mein Blog jetzt Dschungelwelt und nicht mehr "narratives and anecdotes". Es wird sich zunächst nicht viel ändern. Hintergrund des neuen Namens ist allerdings schon eine Änderung. Ich habe in den letzten Wochen beschlossen, hier mehr kleine Theorietexte hineinzustellen und den Themen und Philosophen ein je eigenes Label zu geben.
Demnächst über diese Labels und meine neuen Inhalte aber mehr (teuflisch kicher).
So viel aber sei verraten:
Meinen Kollegen wird ein eigenes Label zugewiesen, unter dem Titel "beraten".
Dem guten Jacques Lacan taugt vielleicht "begehren" als bestes Label, obwohl "aufsitzen" auch nicht schlecht wäre. Würde ich "gleiten" sagen, hätten hier einige Besucher dumme Assoziationen. Das wollte ich natürlich vermeiden.
"irritieren" ist natürlich für ... na? ... keine Idee? ... aber sicher: Niklas Luhmann.
Haben wir noch mehr? Sicher ... nur weiß ich gerade nicht, wie man Adorno oder Benjamin oder Sartre, Derrida, Foucault und Deleuze in knackige Verben packen soll.

Übrigens habe ich mich gerade ein wenig in meinen Untersuchungsgegenständen eingeschossen. Zum einen wird mich wohl Martha Grimes ein wenig begleiten - ich hoffe, alle Krimileser und Krimischreiber unter euch freut diese Tatsache -, dann den Herrn Rilke, der sich immer so hübsche Sachen zusammen reimt, und schließlich, den Kollegen sei's geschuldet, den Osho.

Martha Grimes muss man - glaube ich - nicht erklären. Sie schreibt hervorragende und sehr ironische Krimis. Rilke ist derzeit ein wenig ein persönlicher Favorit von mir. Und Osho? Nun, der ist von seinen Argumentationsstrategien sehr interessant und ein wenig Einblick in die Rhetorik eines Esoterikers zu bekommen kann auf jeden Fall nicht schaden, oder?

Nun aber zu den Rezensionen
Gerade habe ich die Rezension zu dem hervorragenden dritten Band der Artus-Trilogie von David Crossley-Holland zu Ende geschrieben. Demnächst könnt ihr diese bei media-mania finden.
Davor hatte ich eine etwas härtere Nuss: die "Zeitschrift für kritische Theorie 2004". Diese fand ich sehr durchwachsen und das Kritische an der Kritischen Theorie dann das eine oder andere Mal entweder langweilig (weil schon längst vielmals durchgekaut, so zum Beispiel zum Verhältnis moderner Massenmedien und Benjamins Bildbegriff) oder paranoid. Das Paranoide macht sich natürlich an folgenden Sätzen fest: es ginge nicht mehr nur um Auschwitz, sondern um das Überleben der ganzen Menschheit. Schön, schön, mag man da sagen. Das ist ja harter Tobak, gerade zu apokalyptisch, ja dringend zu verhindern. Trotzdem: was folgt sind dann Platitüden über eine kritische Pädagogik. Was also soll dieser apokalyptische Ton? Hatte der Autor Legitimationsschwierigkeiten? So sieht es aus. Tatsächlich findet man diese Art der Beschwörung - die schwarzen Dämonen der Zukunft - gerade dann besonders häufig, wenn der Autor wenig oder garnichts zu sagen hat.
Es gab also Artikel in dieser Zeitschrift, die mich sehr geärgert haben. Andere dagegen fand ich hervorragend.

Recht kurzweilig fand ich die Zwischenbemerkung, dass eine Marketing-Firma der Frankfurter Universität vorgeschlagen hat, Standort-Management zu betreiben, indem sie mit dem kritischen Geist der Frankfurter Schule wirbt. Man stelle sich das vor! Demnächst finden wir solche Werbeslogans wie:

"Halten Ihre Freunde Sie für einen unverbesserlichen Optimisten? Werfen Ihnen Ihre Neider vor, man verstehe Ihre Vorträge auf Anhieb? Droht Ihre Mutter Sie zu enterben, wenn Ihre Heidegger-Lektüre weiterhin uneigentlich bliebe?

Können Sie zu einer dieser Fragen heftig nicken, dann kann Ihnen geholfen werden!

Studieren Sie einfach an der Frankfurter Universität! Hier bekommen Sie den Geist Adornos im Staccato eingetrichtert. Für nur tausend Euro Semestergebühr werden Sie ein unverwüstlicher Kritiker der modernen kapitalistischen Entfremdung."

Man kann sich darauf freuen, wie in Tübingen mit Ernst Bloch, in Hamburg mit Cassirer und in Berlin mit wasweißichwem - wahrscheinlich Göbbels ("Humpeln Sie nicht nur finanziell? - Billiges Studium und billige Sprüche! Das ist die Berliner Uni!") - geworben wird.

Ja, ihr merkt schon, Frederik mäandert sich so durch seine Themen hindurch. Nützen wird ihm das mal wieder nichts.
Vielleicht noch ein Wort zu meinen Kräutern. Nachdem die kleinen verzogenen Sämchen sich tagelang nicht gerührt haben, sprießen sie jetzt wie verrückt. Es gibt im Sommer deshalb wahrscheinlich allerhand Kräuterhaftes und jeder Besucher geht mindestens mit einem Strauß Petersilie von dannen.
Als nächstes lese ich die gute Eva Ibbotson (Maia oder Als Miss Minton ihr Korsett in den Amazones warf - auf englisch heißt das Buch übrigens: Journey to the River Sea), und dann werde ich mal wieder ein Soziologie-Buch lesen und rezensieren dürfen (Markus Schroer - Räume, Orte, Grenzen).
Es gibt also viel zu tun.

11.01.2007

Besucht mich im Sicherheitsgewahrsam!

Es gibt Menschen, die unbedingt sterben wollen. Natürlich nicht offiziell, aber doch rein strukturell. Zu diesen Menschen gehören die Menschen von freenet. Als ich umgezogen war, dachte ich mir, zieht auch mein DSL mit. Tut es aber nicht. Ich muss mich abmelden, meinen Vertrag auflösen, und dann wieder DSL neu beantragen. Zumindest bei freenet.
Ob ich meine mail-Adresse behalten könne? - Wahrscheinlich nicht! antwortet ein netter Herr, der eine Telefon-Sex-Stimme hat, den ich mich diesbezüglich aber nicht zu trauen frage.
Ob ich mein Internet-Telefon behalten könne? - Nein, da müsse ich eine neue Nummer beantragen.
Ob die alte denn nicht freigeschaltet würde? - Doch, doch, schon irgendwie, aber möglicherweise erst nach drei Monaten.
Und meine Homepage? - Ich hätte ja hoffentlich noch die Daten meiner Homepage.
Ja, die hätte ich! - Dann könne ich die doch neu hochladen.
Unter derselben Adresse? - Ähh, nein. Das nun nicht. Aber das sei doch kein Problem, oder?
Nun, wenn Sie viel Geld für viel Werbung als kein Problem bezeichnen, dann ist es tatsächlich kein Problem. Für Sie ja sowieso nicht.
1. Fazit: Telefon-Sex wäre fruchtbarer gewesen.
2. Fazit: Ich bin demnächst bei der Telekom. Dann kann ich sogar nach Österreich kostenlos telefonieren (du wirst mich hassen, Wolfgang!). In die Schweiz allerdings kann ich glaube ich nicht kostenlos telefonieren und hier wird es für Alice Zeit, schnell ein paar Rosenkränze zu beten, oder so.
3. Fazit: Sollten bis dahin meine erfolgreichen perfect-crimes gegen die Obersten von freenet trotzdem aufgeflogen sein, dann bitte alle Post ins Sicherheitsgewahrsam Moabit. - Nun, ich bin ein friedlicher Mensch und was Kriminalfälle angeht, auch völlig fantasielos. Insofern wird also meine neue Adresse weiterhin gelten.

Und nun zu etwas ganz anderem:
Die Schränke sind aufgebaut, das Klavier transportiert, der Herd steht in der Küche und nachher hole ich mir auch meinen Kühlschrank ab.
Zudem habe ich gestern Abend vier kleine und einen großen Blumenkasten mit Kräutern besät (übersetzt: Hängegeranien). Gesprossen ist noch nichts: vielleicht hätte ich den Samen nicht sagen sollen, dass ich sie später mal essen will (sobald sie etwas gewachsen sind, natürlich). So was erschreckt vielleicht doch zu sehr.
Es gibt bei mir also demnächst Rosmarin, Dill, Schnittlauch, großblättrige und mooskrause Petersilie, Bärlauch, Salbei, Pimpinelle und Sauerampfer, Bohnenkraut, und etliches anderes aus der eigenen Zucht.
Pikieren nennt man nicht nur, wenn man einer Salondame Schlüpfriges zuflüstert, was diese nicht hören will (piquer heißt stechen!), sondern auch, wenn man junge Pflänzchen vereinzelt.
Für Nico, Ruth und Gabriel heißt dies, dass sie sich demnächst, sobald man die Pflanzen nach draußen setzen kann, bei mir vorgezogene Kräuter abholen können. Schließlich muss sich doch mindestens einer in diesen Tagen freuen können.

Frederik