09.12.2007

Romane, Szenen, Plotten

So, nach längerer Abstinenz im Schreiben habe ich mich endlich mal wieder aufgerappelt, eine Geschichte zu entwerfen. Das macht gerade viel Spaß. Obwohl ich mit meinen ganzen tausend kleinen Untersuchungen nicht zu einem Ergebnis gekommen bin, das man systematisch anwenden könnte, habe ich das Gefühl, dass ich freier, einfacher zu einer guten Geschichte komme.
Vielleicht liegt das auch daran, dass sich mein Leben im Allgemeinen sehr entspannt. Oder eben doch daran, dass sich Analysen lohnen.
Analysen gelten als unerquicklich. Mag sein. In diesem Fall haben mir die ganzen Krimis aber vor allem eins gezeigt: es gibt bei einem Kriminalfall einige, wenige Mechanismen, wie man ihn konstruiert. Hat man diese erfasst - in Leserichtung, um genau zu sein -, kann man auch den umgedrehten Weg gut gehen: man konstruiert dann einen Kriminalfall. Und da es so wenige typische Möglichkeiten gibt (untypische habe ich aber noch keine entdeckt), ging zuerst die Konstruktion, dann das Plotten recht leicht von der Hand.
Spannender wird jetzt all das, was folgt. Um die Geschichte zu verankern habe ich mir eine typische und für mich noch relativ gut erreichbare Landschaft ausgewählt: das Gebiet um Königswusterhausen. Das bringt einiges an Recherchen mit sich.
Dann brauchen die Charaktere noch einen festen Hintergrund, aus dem sie gegebenenfalls schöpfen können und da muss ich noch viel dran herumarbeiten. Tatsächlich stehen die Szenen zum eigentlichen Krimi schon - aber mein Protagonist braucht natürlich ein gesellschaftliches Leben. Tatsächlich habe ich mich entschieden, hier auf der einen Seite so viel Familienleben hineinzubringen, wie dies manchmal bei Donna Leon geschieht, aber dem ganzen vom Aufbau her einen anderen Platz einzuräumen, eher wie bei Andrea Camilleri; und schließlich die skurrilen Personen - Martha Grimes und Camilleri sind hier zu nennen - so stark mitzuführen, dass neben dem Krimi der Humor nicht zu kurz kommt. Und wenn ich Humor meine, dann meine ich auch Humor.
Ein extrem bekannter und extrem beliebter deutscher Autor hat ja vor zwei Jahren einen sehr beliebten Film über Piraten in der Karibik zusammen mit seiner Tochter verfilmbucht. Dessen Humor bestand darin, dass er einen filmischen Witz wortreich umschrieben und dann noch zweimal erklärt hat: wahrscheinlich war eine Erklärung vom Vater und eine Erklärung von der Tochter. Solcher Humor liegt mir fern. Dass man seine eigenen Witze pädagogisch wenig wertvoll dem Publikum erläutert (der Begriff Autodidakt bekommt hier einen ganz neuen Sinn), kann nicht meine Sache sein. Die Menschen verstehen mich oft nicht; und manchmal fühle ich mich an den guten Herrn Lacan erinnert, der mal gesagt haben soll: Ich bin so sehr Individuum, dass nur noch ich über meine eigenen Witze lachen kann.
Es wird also ein ganz wundervolles Buch!
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