11.11.2007

Dreimal Elfriede Jelinek

Elfriede Jelinek ist eine randständige Frau. Wem das zu viel ist, der lasse R und D weg und sage: Elfriede Jelinek ist eine anständige Frau. Mann hätte ihr schon geschadet. Wem das zu viel ist, der lasse das N in Mann weg. Funktioniert auch. Immer noch.
Nun lese ich gerade Elfriede Jelinek. Ein Porträt von Verena Mayer/Roland Koberg. Und konnte nicht aufhören. Nicht nur atmet der ganze Text eine liebevolle Distanz, die weder ihr Objekt - die Jelinek - seziert, noch ihr huldigt. Das Leben der Jelinek selbst ist ein Roman; sogar ihre Poetologie, ihre Entwicklung im Stil, in ihren Themen ist ein Krimi. Sprachen werden ermordet, Themen verkleidet, der Ermittler tappt mit Wiener Scharme (fast) und ein wenig Milchschaum im Bart durch die Jahrzehnte. Also ein wundervolles Buch. Ich konnte es nicht aus der Hand legen.
Nebendran durchfliege ich Bärbel Lückes Jelineks Gespenster. Hier treffen sich Jacques Derrida und Elfriede Jelinek in einem virtuellen Raum. Ein Gespenst geht in Europa um - die politisch kritische Frau. So könnte man mit diesem Buch spotten. Auch dieses ist hervorragend.
Ja, ich weiß. Man schmückt sich mit der Jelinek, Nobelpreis, kritisch, avantgardistisch, bla bla, lesen tut man sie doch nicht und bevor man sie gelesen hat, weiß man schon, dass all die Worte in ihren Büchern nur Seelenauskotzerle sind. Trotzdem: Jelinek veröffentlicht ihren nächsten Roman im Internet (zusammen mit vielen anderen Texten). Er heißt Neid. Wer also noch Interesse an Literatur hat, wer also nicht nur behauptet, den Goethe gelesen zu haben - ein altbekanntes Phänomen, dieser Behauptungs-Goethe -, der darf hier mal hineinschauen.
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