20.10.2007

Semantik

Mit viel Freude habe ich gerade ein Buch über die Semantik gelesen (Michael Metzelin: Theoretische und angewandte Semantik).
Semantik ist die Lehre von der Bedeutung. Sie gibt einem Mittel an die Hand, einen Text zu verstehen, zu zerlegen (Analyse) und zu paraphrasieren (Kommentar). Eine nette, wenn auch recht knappe Einführung findet man hier. Auch wikipedia hat hier einiges Gutes dazu zu sagen.
Einige Erläuterungen zu Grundbegriffen der Semantik findet man im online-Wörterbuch der Gesellschaft für Semantik. Dieses Wörterbuch ist insgesamt aber eher kritisch zu bewerten. Außerdem fehlen schöne Beispiele. Das dürfte Einsteiger abschrecken.
Semantik erscheint einem zunächst als recht trockene Wissenschaft. Gerade dadurch kann sie aber den alltäglichen Bodennebel des Sprechens und den schriftstellerischen Schlendrian vertreiben. Ein langer Atem hilft beim Erarbeiten der wissenschaftlichen Semantik.

Das eigentliche Problem der Semantik scheint heute der Text zu sein: es ist ja ganz hübsch und nett, wenn sich Generationen von Semantikern mit Wortbedeutungen herumschlagen. Problematisch wird es aber, wenn sich Wörter zu dicken Haufen (sogenannten "Büchern") zusammenfinden.
Obwohl Metzelin ein schönes Buch schreibt, lässt er viele Fragen offen, die sich mir von den Büchern für kreatives Schreiben her stellen: denn wenn man einen Text einfach nur zergliedert, erfasst man solche Aspekte wie Spannung, Führung des Lesers, etc. nicht. Das liegt vor allem daran, dass die Semantik eine Wissenschaft ist. Sie zergliedert den sichtbaren Text in "objektive" Teile. Je objektiver diese sind, umso wissenschaftlicher. Doch dadurch kann die Semantik auch nicht die Graubereiche erfassen, die Texte viel mehr ausmachen: zum Beispiel, wie Spannung aufgebaut wird. Gut - da ist dann auch viel Psychologie dabei. Trotzdem sollte sich eine Semantik hier in Zukunft darauf ausrichten, diese Phänomene, wenn nicht mit Lösungen, so mit grundlegenden Begriffen zu versorgen. Es wäre also schön, wenn sich die Textsemantik Anregungen bei Schreibratgebern holen würde.
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