25.11.2006

Liszt

Was machen Brüder, wenn man ihnen sagt, sie sollen einem einfache Noten mitbringen, so dass man sich wieder mal am Klavier versuchen kann? Sie bringen einem die Konzertetüden von Liszt mit.
Nun, ich habe mich heute mal wieder an "Waldesrauschen" probiert. So, wie ich sie spiele, ist der Wald mittlerweile abgeholzt worden. Bei dem "Gnomenreigen" habe ich meinen Elfchen eiserne Schuhe verpasst.

Hier also die besseren Meister:
Cziffra spielt, etwas zu unnuanciert, wie ich finde, "Gnomenreigen". Sehr schön dagegen PianoEx in einer, wie er sagt, nicht sonderlich guten Aufnahme. Ich hoffe, er hat nichts dagegen, wenn ich ihm - bedingt - widerspreche. Joachim Fritsch, Heimtalent, mit hübscher Heizung im Hintergrund ... nein, nein, wirklich gut und gefühlvoller als Cziffra, wenn nicht immer klar in der Interpretation.

"Waldesrauschen" ist auch so eine wundervolle Etüde. Hier Derrick Hemmer (von ihm auch die Toccata von Prokofiev- superb) und hier Liszt von Hamelin, gelassener, lyrischer, obwohl ich Hemmer mitreißender finde. Technisch sehr sauber und vom Fluss her zerrissen Martin Stadtfeld. Nett: Robert Finley.

Meine zweite und letzte Etüde von Liszt, die ich als Zwanzigjähriger in Angriff genommen habe, war "Campanella". Hier ist eine Version von einer mir unbekannten Pianistin, die die Etüde mit viel technischer Bravour, leider aber zu wenig musikalischem Verständnis spielt. Und dann noch einmal von Kissin. Ein sehr großer Unterschied! Ein Heimvideo-Pianist versucht sich hier - und das Ergebnis? Holla, nicht übel! Atsuko Seda liefert eine sehr gefühlvolle, langsame und rhapsodische Interpretation. Das Stück bekommt eine ganz andere Athmosphäre. Es gibt noch einige andere schöne Aufnahmen. Zuletzt möchte ich aber auf Mr. Halbnackt hinweisen, der uns Liszt auf einem E-Piano gibt. Hätte er auch noch seine Pyjamahose ausgezogen, hätte er mich vielleicht mehr überzeugen können.

Und hier noch die tollste Pianistin der Welt: Martha Argerich
Jeux d'eaux von Maurice Ravel
Klavierkonzert G-Dur 1. Satz, 2. Satz, 3. Satz von Maurice Ravel (göttlich!)
Klavierkonzert a-moll 1. Satz, 2. Satz, 3. Satz, 4. Satz von Robert Schumann (leider etwas dumpf)
Klavierkonzert d-moll 1. Satz I 1. Satz II, 2. Satz, 3. Satz von Mozart
Klavierkonzert C-Dur 1. Satz, 2. Satz, 3.Satz von Sergej Prokofiev
Klavierkonzert f-moll 1. Satz I 1. Satz II, 2. Satz, 3. Satz von Frédéric Chopin

Und hier noch Ivo Pogorelich, von Maurice Ravel den "Gaspard de la Nuit"
und habt ihr den triefigen Chopin schon mal so gehört: 2. Sonate 1. Satz? Pogorelich spielt ohne jeden Romantizismus und höchst musikalisch ...

Zum Schluss noch einmal das Klavierkonzert d-moll von Mozart, mit Mitsuko Uchida am Klavier und als Dirigentin: 1. Satz I 1. Satz II, 2. Satz, 3. Satz
Uchida hat mal gesagt, man müsse deutsch können, um Mozarts Musik zu verstehen, und ein andermal hat sie gesagt, Mozart sei ein gestischer Raum (so erinnere ich mich zumindestens). Jedenfalls ihre zweite Aussage wird sofort verständlich, wenn man Uchida dirigieren sieht. Ist diese Frau nicht wunderbar? Schon allein, weil man ihr diese Liebe zu der Musik so deutlich ansieht? Abgesehen davon, wie sagenhaft und einmalig sie Mozart einen sehr undramatischen "Schmelz" abgewinnen kann.

Tja, so schlägt man sich seine Nachmittage um die Ohren ... nun ja, nicht wirklich.
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