06.09.2006

Zum Glück geschlossen ... (oder: Gehirnsuppe mit Alleswisserhaar)

Ich bin ja ganz zufrieden damit, dass ich ein Gehirn habe. Ein Gehirn ist ja etwas feines: aufgrund völlig unverständlicher Mechanismen macht es uns die Welt verständlich. Und die Geschlossenheit dieser Welt kann man sogar durchschauen: als vom Gehirn gemacht. Was dahinter, meist auch einfach nur dazwischen liegt, wissen wir noch nicht, und umso mehr kann man sich darauf freuen. Seit ich weiß, dass das so ist, habe ich viel mehr Spaß am Lernen. Man kann für alles neugierig sein. Passioner les détails! schreibt Nietzsche. Die Kleinigkeiten verleidenschaftlichen (übersetze ich).

Allerdings gibt es ein Haar in dieser hübschen Gehirnsuppe. Dieses Haar heißt, summa summarum, die Alleswisser. Alleswisser sind zugleich höchst erstaunliche und sehr unangenehme Menschen. Je mehr sie auf ihrem Alleswissen beharren, umso offensichtlicher wird es, dass ihr Horizont extrem begrenzt ist, ja geradezu dümmlich daher kommt. Ich habe solche Menschen in meinem Leben kennen gelernt und kenne immer noch einige. Manchmal war ich von ihnen, durch eine Institution, abhängig. Jedesmal war ich froh, wenn ich nichts mehr mit ihnen zu tun hatte. Manche waren sichtlich verzweifelt, weil ihnen, ihnen völlig unverständlich, ihr Leben mehr und mehr aus den Händen geglitten ist; andere waren ziemlich überfordert, weil sich ihr Verstandenhaben nicht mit dem Rumoren der Welt vertragen hat; andere waren aggressiv, und schienen sich zu denken, wenn sie all das Chaos um sich herum in einen Menschen hineinprojezieren und diesen Menschen dann niedermachen, höre das Chaos auf.
Ich fürchte allerdings, dass das ein Schuss in den Ofen ist!

Umso glücklicher bin ich, dass ich in der Zwiesprache mit meinem Gehirn immer wieder sagen kann: sieh da! du hast dich getäuscht! - Denken wird einem eben doch nicht in die Wiege gelegt.
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