02.09.2006

Letzte Nachricht vor dem

Schlafengehen:

Das Turmstraßenfest war recht langweilig. Irgendeine alte Plastikmelodie, ich glaube, aus der Feder von Michael Cretu, hat mich einige Zeit lang festgehalten. Ich hatte nie die Single, meine aber mich erinnern zu können, dass ich sie gerne gehabt hätte, damals, als ich zwölf oder dreizehn war. Heute würde ich es als Beleidigung auffassen, wenn man mir diese Single schenken würde.

Auf der einen Bühne hat ein rauschebärtiger Fastsechziger in einer piepsig hohen Stimme "Forever young" gesungen.

Ich kam an mehreren Wahlplakaten der Republikaner vorbei. Ich bin mir nicht ganz sicher, aber irgendwie hat diese Partei einen Hang zur Zweideutigkeit. Eine ihrer Slogans ist "Das Maß ist voll", was ja eher zum Oktoberfest, als zum Turmstraßenfest passt. Auf einem anderen ist eine mit Kopf- und Gesichtstuch verhüllte Frau zu sehen; der Slogan dazu ist "Freiheit für den Kopf". Auf einem dritten steht "Islamisten raus" - angesichts der Kürzungen, die an unseren Unis gerade bei exotischeren Fächern stattfinden, ist das eine fast billige Angelegenheit; oder was wollten uns die Republikaner damit wirklich sagen?

In einem Kaufhaus lagen neue Bücher im Schaufenster. "Brandneu und topaktuell" stand dabei. Eines hieß: "Wenn dich die Hölle verschlingt".

In der Stadtteilbibliothek stand eine Frau mit einem wahnsinnigen Überbiss hinter mir an der Abgabetheke. Ich konnte daraus leider kein Kapital schlagen.

Habe mir den letzten Martin Walser ausgeliehen, "Angstblüte". Er ist Schuld daran, dass ich erst jetzt ins Bett gehe.
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