08.09.2006

Ich bin meine eigene Vorzeigefrau!

Und da kann ich nur sagen: ein Glück, liebe Frau Hermann! Denn vorzeigen können Sie sich. Und was bewundern wir Sie dafür. Was haben wir mit Ihnen gelitten, als sie die Nachricht vom 11. September mit unbewegter Miene kommentiert haben. Was haben wir Sie bewundert, als Sie mit gespielter Gleichgültigkeit über Hungerkatastrophen berichtet haben. Und auch die Schreckensnachrichten von den Rentenkürzungen haben Sie ach so scheinbar entspannt vorgelesen. Als eine Niederlage von St. Pauli ganz Deutschland in Angst und Schrecken versetzte, ja dem nationale Bewusstsein unwiderbringlichen Schaden zuzufügen drohte, rangen Sie sich, obwohl irgendwie nach Fassung ringend, ein süffisantes Lächeln ab.
Nun freuen Sie sich derzeit aus vollem Hals! Dürfen wir dem entnehmen, dass Sie uns diesmal die wahre, die schrecklichste aller Schreckensnachrichten überbringen?
Ja, wir dürfen. Und Sie selbst sind es, der uns diese unerbittliche Botschaft verkündet. Wir bewundern Sie aufrichtig, dass Sie auszusprechen wagten, was einen tausendjährigen Missstand aufhebt: die Emanzipation der Frau. Ja, seien wir ehrlich: unsere heutige Lage ist so katastrophal wie selten zuvor. Die Pest hat nicht solche Vernichtungszüge durchs Deutsche Reich gehalten, wie der Feminismus, und die ca. 56 Millionen Toten des Zweiten Weltkrieges haben keinen solchen Schaden angerichtet, wie Alice Schwarzer mit ihrem unerbittlichen Entschluss, mit und in der Emma zu publizieren. Der Beweis? Der Zweite Weltkrieg wurde nur von Männern geführt, und bei denen ist das ja irgendwie biologisch angelegt, und irgendwie schien ja die ganze Evolution des Mannes auf die eingeengt hockende Stellung im Panzer abzuzielen. Die Pest, naja, was gibt es denn natürlicheres als Ratten, und die können ja nichts dafür, die juckt das nicht, und wenn, dann nur, weil sie Flöhe haben.
Aber der Feminismus, der wurde von Frauen geführt! Wie lächerlich! Wäre er von Männern geführt worden, die hätten das gleich ganz anders angepackt.

Übrigens, ... haben Sie gemerkt, wie zeitgemäß Sie mal wieder sind, Miss Show-des-Tages-Sprecherin? Kaum haben Sie Ihre Thesen veröffentlicht von wegen, die Frau solle mal zu Hause bleiben, schon kriechen die besten Beispiele aus ihren Löchern und lassen sich fotografieren und auch medial vermarkten. Da könnten Sie doch Tantiemen für verlangen, oder? Oder wäre eine Plagiatismus-Klage, eine Trittbrettfahrerinnen-Beschwerde hier angebracht?













Und wo wir bei bildgewaltigen Bildern sind: auch die SPD, mitsamt ihrem Kompagnon, der Zigarettenmarke "West", hängt sich an Ihre Aufklärungskampagne dran.















In einem aber haben Sie vollkommen Recht:
Dabei sollten sich umgekehrt die so genannten Vorzeigefrauen zur Abwechslung auf den Prüfstand stellen und sich fragen lassen, welche Ziele sie eigentlich leiten. Die ehrliche Antwort wäre: Es sind Selbstgefälligkeit und Eitelkeit. Wir Frauen sind dem Wahn verfallen, uns beweisen zu müssen, dass wir zu allem fähig sind.
Und tatsächlich: Sie sind zu allem fähig. Sie sind fähig, nicht zu recherchieren. Sie sind fähig, den dümmsten wissenschaftlichen Stronz als gängige Wahrheit zu verkaufen. Sie sind fähig, das blonde Heimchen am Herd zu mimen und dabei lachend ihre eigene PR-Beraterin zu sein.
Ob dieser Tatsache fühle ich mich, männlich, ledig, erfolglos, etwas ausgelaugt. Leihen Sie mir wenigstens Ihre tolle Tolle?
Mit der Hoffnung, dass wenigstens das den Karrieresprung bedeutet,
Ihr ergebener Frederik Weitz
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